Astrazeneca entwickelt Medikament zur Covid-Prophylaxe

Astrazeneca arbeitet an einem Antikörper-Medikament zur Corona-Vorbeugung. Es ist offenbar gut verträglich und könnte schon Anfang 2022 auf den Markt kommen.

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Der Pharmakonzern Astrazeneca steht bei der Entwicklung des ersten lang wirksamen Antikörper-Medikaments zur Vorbeugung von Covid-19 offenbar kurz vor dem Durchbruch: „Wir haben erste klinische Phase-3-Studien abgeschlossen und arbeiten an der Einreichung des Zulassungsdossiers“, sagte der medizinische Direktor für Astrazeneca in Deutschland, Klaus Hinterding, der Berliner Zeitung. Keiner der Probanden, die das Medikament verabreicht bekamen, erkrankte schwer oder starb. In der Vergleichsgruppe, die ein Placebo erhielt, gab es drei schwere Covid-Fälle und zwei Todesfälle.

Astrazeneca hofft, den Zulassungsantrag bis Ende 2021 bei der EMA einreichen zu können. Wenn das Medikament anschließend zugelassen wird, könnte es sofort verfügbar sein. Das Medikament AZD7442 wurde in den vorliegenden ersten Studien gut vertragen: Vorläufige Analysen zeigen, dass die Nebenwirkungen in der Placebo- und der AZD7442-Gruppe ausgeglichen waren.

Das Unternehmen hat ab Juni 2020 unter 1500 möglichen Kombinationen zwei lang wirkende Antikörper (long acting antibodies) ausgesucht und mit den Tests im Labor sowie den präklinischen Studien begonnen. Die Ergebnisse waren ermutigend und bestätigen sich in den nun abgeschlossenen klinischen Studien mit mehreren Tausend Testpersonen. Astrazeneca profitiert von seiner jahrelangen Erfahrung bei der Entwicklung von Antikörpern.

Medikament setzt auf passive Immunisierung

So hat das Unternehmen neben Antikörper-Medikamenten in der Krebstherapie mit der RSV-Prophylaxe gute Erfahrungen mit einem Antikörpermedikament gemacht, das eine passive Immunisierung gegen ein weitverbreitetes Atemwegsvirus (das Respiratorische Synzytial-Virus) ermöglicht und schwere Verläufe der RSV-Infektion bei Säuglingen und Kleinkindern mit hohem Risiko, wie z. B. bei Frühgeborenen, verhindert.

Das neue Covid-Medikament sollte zuerst bei Personen eingesetzt werden, die Probleme mit dem Immunsystem haben – entweder wegen einer Immunschwäche oder wegen einer immunsuppressiven Therapie, die zum Beispiel bei einer Krebserkrankung, bei Multiple Sklerose, Rheuma oder bei Allergien zum Einsatz kommen kann. Hinterding: „Das Prinzip bei der Impfung ist die aktive Immunisierung, das heißt, das Immunsystem wird in die Lage versetzt, einen Schutz durch Antikörper zu erzeugen. Dieses potenzielle neue Medikament dagegen setzt auf die passive Immunisierung: Wir geben Menschen mit einem schwachen Immunsystem direkt die Antikörper, die sie brauchen.“

Hinterding geht davon aus, dass AZD7442 künftig eine bedeutende Rolle im Kampf gegen Covid-19 spielen könnte: „AZD7442 könnte ein wichtiges Instrument in unserem Arsenal sein, um Menschen zu helfen, für die eine Impfung keinen wirksamen Schutz gegen Covid-19 bietet.“

Beobachter halten es für möglich, dass Antikörper-Medikamente künftig auch eine Rolle bei der Entscheidung über Auffrischungsimpfungen spielen könnten. So könnten Personen, die eine starke Impfreaktion oder Nebenwirkungen hatten, zur Auffrischung des Immunschutzes auf ein entsprechendes Medikament zurückgreifen.

Medikament bis zu zwölf Monaten wirksam

AZD7442 könnte die erste lang wirksame Antikörperkombination sein, die prophylaktisch eingesetzt werden kann. Andere Hersteller sind in der Entwicklung eines Antikörpers auch schon im fortgeschrittenen Stadium – zur Vorbeugung vor Virus-Exposition hat allerdings bislang keiner vergleichbare Daten gezeigt.

Weitere Vorteile des Stoffs von Astrazeneca sind die Dauer der Wirkung, die „bei bis zu zwölf Monaten“ liegen könnte, sowie die Tatsache, dass das Medikament intramuskulär gespritzt werden kann, was wesentlich einfacher ist als die intravenöse Verabreichung. Grundsätzlich ist es aber eine Entscheidung, die der behandelnde Arzt trifft, welche Art der Behandlung oder Vorsorge vorgenommen werden sollte.

Im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit der Weltbevölkerung glaubt Hinterding, dass die Impfung für den bei weitem überwiegenden Anteil der Bevölkerung immer noch das effektivste Mittel zur Bekämpfung einer Pandemie sei. „Wenn Sie bedenken, dass schon Milliarden Menschen geimpft wurden, so kann man sagen, dass die Impfstoffe sehr effektiv sind und bereits Tausende von Todesfällen und noch mehr schwere Erkrankungen verhindert haben.“

Allerdings seien die Wirkungen, die das Sars-CoV-2-Virus im menschlichen Körper entfalte, für die Forschung noch sehr rätselhaft. Hinterding: „Wir stehen erst ganz am Anfang bei der Frage, welche langfristigen Folgen eine Infektion auf einzelne Organe bei einzelnen Menschen haben kann.“