Berlin - Wenn am Dienstag in München die Internationale Automobilausstellung beginnt, schaut das ganze Land hin - und nicht nur das. Die IAA war über Jahrzehnte die größte Autoshow der Welt. Und der veranstaltende Verband der Automobilindustrie (VDA) ist besonders gut vernetzt.

Es spricht einiges dafür, dass die diesjährige IAA anders wird als die in den vergangenen Jahrzehnten. Die Branche steckt im Umbruch. Der Verbrennermotor hat mittelfristig ausgedient, gleichzeitig bestehen noch ungelöste Fragen zu alternativen Antriebsarten. Außerdem gerät der motorisierte Individualverkehr in Städten insgesamt immer mehr unter Druck, weil er überproportional viel Platz verbraucht. Sharing-Modelle weisen in die Zukunft.

Über all diese Themen ist zu reden. Auch und vor allem mit der Industrie, so wie es jetzt in München auf einer Vielzahl von Diskussionsforen zur Mobilität der Zukunft geschehen soll. Wenn die Branche auf ihrer Leistungsschau also nicht mehr in erster Linie das Chrom blitzen lassen, sondern „Lösungen auf dem Weg zur Klimaneutralität“ anbieten will, sollte man sie beim Wort nehmen.

Dabei ist es gar nicht so entscheidend, ob die Branche sich aus sich selbst heraus verändert hätte. Doch es gibt den Druck, und die Branche bewegt sich auch, und das zählt. Hinter dem demonstrativen Sinneswandel bloß ein Greenwashing zu sehen, eine reine Imagekampagne, führt jedenfalls nicht weiter. 

Womit wir in Berlin wären. Die Stadt hätte die IAA ebenfalls haben können. Vor anderthalb Jahren, als der VDA nach einem neuen Standort suchte, war auch Berlin im Gespräch. Die Messe schien gut zu passen in eine Stadt, die zu Recht so viel auf ihre innovative Mobilitätsindustrie hält.

Gescheitert ist das Vorhaben schließlich am rot-rot-grünen Senat, oder genauer: an den Grünen. Sie konnten sich aus ideologischen Gründen nicht zu einem Ja zur IAA durchringen und ließen dafür sogar ihre eigene Wirtschaftssenatorin auflaufen. Das ist und bleibt unverständlich. Eine verpasste Chance für Berlin.