Markus Braun, Vorstandsvorsitzender von Wirecard, spricht auf der Wirecard - Hauptversammlung 2019. 
Foto: dpa

Fabio De Masi von der Linken sagte der Berliner Zeitung: „Geldwäsche wird eine zentrale Rolle spielen. Denn Wirecard war auch eine Waschmaschine für Jan Marsalek & Co.“ Zu den Münchner Verstrickungen sagte De Masi: „Wir werden uns sicher mit bayerischen Spitzenpolitikern und der Strafverfolgung befassen müssen. Es gab ja etwa Geldwäscheverdachtsmeldungen gegen Braun und Marsalek, die vor Ort bearbeitet wurden. Außerdem ist Herr Marsalek dem ehemaligen Ministerpräsidenten Stoiber begegnet.“ Zur Rolle des Bundeskanzleramts sagte der Linke-Politiker: „Guttenberg muss ebenso wie der Ex-Geheimdienstkoordinator Fritzsche als Zeuge befragt werden.“ Dies gelte es aber mit der demokratischen Opposition zu verabreden. Im Hinblick auf die Rolle von Bundesfinanzminister Olaf Scholz sei „der Schriftwechsel des Staatssekretärs mit den chinesischen Behörden von Interesse“, so De Masi.

Kay Gottschalk, finanzpolitischer Sprecher der AfD, sagte dieser Zeitung: „Wir brauchen eine neue Ethik sowohl in der Bafin als auch in der Frankfurter Börse, insbesondere vor dem Hintergrund der Neuaufnahme von Delivery Hero in den DAX. Denn da zeigt sich, dass wir aus der Krise des neuen Marktes nichts gelernt haben. Ein Unternehmen, das noch nie schwarze Zahlen geschrieben hat, wird aufgrund bestimmter Regularien in den DAX aufgenommen und das nach den Erfahrungen der letzten 20 Jahre und vor dem Hintergrund von Wirecard.“ Zur Aufsicht sagte Gottschalk: „Wir müssen jetzt die notwendige Klarheit schaffen und die Weichen stellen, damit so etwas nicht wieder passiert. Diese Einsicht scheint mir bei CDU und SPD noch nicht gegeben zu sein. Gefragt ist Bilanzforensik. Ebenso müssen wir die Frage klären, wie wir FIU und Bafin zu einer engeren Zusammenarbeit bewegen können und ob wir die Bafin für die Zukunft neu aufstellen sollten. Die wichtigste Frage ist, wie wir im Bereich der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften endlich Klarheit schaffen können. Ich fordere, die Prüfungsgesellschaft alle vier Jahre zu wechseln. Kurioserweise werden bei einem Wechsel der Prüfungsgesellschaft Dinge festgestellt, die in den Jahren davor nicht aufgefallen sind. Hier liegt ein wesentlicher Schlüssel. Auch die Haftungsgrenzen müssen erhöht werden.“

Matthias Hauer, zuständiger Berichterstatter der Unionsfraktion zum Thema Wirecard, sagte: „Wir als Union werden dabei intensiv an der Aufklärung mitarbeiten. Das sind wir Anlegern, Mitarbeitern, Investoren, aber auch allen anderen Akteuren am Finanzmarkt schuldig. Zentrale Fragen werden die allgemeine Finanzaufsicht, das zweistufige Verfahren der Bilanzprüfung, die Arbeit der Wirtschafts- und Abschlussprüfer, die Lücken bei der Geldwäscheaufsicht sowie die Kriterien für die DAX-Zugehörigkeit sein.“ Für Cansel Kiziltepe, SPD-Finanzpolitikerin, ist es „offensichtlich, dass bei Wirtschaftsprüfung, Banken- und Börsenaufsicht sowie der Geldwäscheprävention viel Arbeit vor uns liegt“. Die „Selbstregulierung bei der privatrechtlichen Bilanzkontrolle hat nicht funktioniert“. Neben den Problemen bei den Wirtschaftsprüfern habe der Fall „tiefgreifenden Lobbyismus“ offengelegt“.

Weitere aktuelle Themen