Die geplante Verschiebung der Einführung des neuen europaweiten Zahlungssystems Sepa um ein halbes Jahr kommt die deutschen Banken teuer zu stehen. „Die Banken müssen nun das alte und das neue System weitere sechs Monate parallel laufen lassen. Das verursacht hohe zusätzliche Kosten“, sagte der Sprecher des Bankenverbandes BdB, Thomas Schlüter, der Berliner Zeitung. „Außerdem müssen alle Kunden darüber schriftlich informiert werden.“

Zudem hätten die Kreditinstitute für die ursprünglich zum 1. Februar vorgesehene Umstellung einen entsprechend höheren Personaleinsatz geplant, der nun vorerst nicht nötig werde. Das alles ist sehr unerfreulich“, sagte der BdB-Sprecher. Er appellierte an die Unternehmen, die eine Umstellung auf Sepa noch nicht vollzogen hätten, die Verschiebung nicht zum Anlass zu nehmen, das Thema erneut auf die lange Bank zu schieben.

Bundesregierung schaltet sich ein

Auch die Bundesregierung zeigt wenig Verständnis für die Pläne von EU-Kommissar Michel Barnier, die Einführung des europaweiten Zahlungssystems auf den 1. August zu verschieben. „In Deutschland wäre auch die Einführung am 1. Februar machbar“, sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums am Freitag.

Ein Sprecher des Mittelstandsverbandes BVMW räumte auf Nachfrage der Berliner Zeitung allerdings ein, dass „manche Unternehmen die Umstellung auf Sepa bislang wohl verschlafen“ hätten. Dabei tue der Verband seit vielen Monaten alles nur Erdenkliche, um seine Mitgliedsunternehmen über die bevorstehende Sepa-Einführung zu informieren und sie zum Handeln zu bewegen.

Der deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht keine massiven Versäumnisse der Unternehmen bei der rechtzeitigen Umstellung auf Sepa. Nur in Einzelfällen könne noch von Problemen bei der Umstellung gesprochen werden. Für diese Probleme macht der DIHK auch die EU verantwortlich: „Ein weiteres anfängliches Problem bei der Umstellung war, dass wichtige Details in den Regelungen politisch lange nicht klar festgelegt wurden“, sagte DIHK-Experte Tim Gemkow. Danach hätten sich die Unternehmen aber stark ins Zeug gelegt, um die Umstellung rechtzeitig vor dem 1. Februar hinzubekommen.

Privatkunden haben Zeit bis 2016

Sepa ist der aus 33 Staaten bestehende einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum. Dazu gehören die 28 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz und Monaco. Ziel ist eine Vereinfachung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs. Im Zuge der Umstellung müssen Unternehmen ihre Software für Sepa anpassen und neue Daten für die Bankverbindungen ihrer Kunden erfassen.

Privatleute können bis Ende Januar 2016 die alte Kontonummer und Bankleitzahl nutzen. Die Umstellung betrifft vorerst nur Firmen und Vereine. Allerdings – an vielen Stellen wird von Privatkunden schon die neue Sepa-Form gefordert. So wird die neue Kontonummer IBAN bei Online-Banking-Plattformen oder am Überweisungsautomaten in der Bank abgefragt. Beim Online-Banking hilft ein Klick auf „Inlandsüberweisung“, um sich die IBAN zu sparen. Auch auf manchen Überweisungsträgern wird sie gefordert. Derzeit ist auch noch die internationale Bankleitzahl BIC nötig. Beides finden Kunden auf ihren Kontoauszügen.

Die 22-stellige IBAN ist auch leicht zu erschließen Sie besteht aus dem Länderkürzel (DE für Deutschland), einer zweistelligen Prüfziffer sowie der bestehenden Bankleitzahl und Kontonummer. Fehlen noch Stellen, wird mit Nullen ergänzt. Wer sich unsicher ist und gerade keinen Kontoauszug zur Hand hat: Die meisten Banken und Sparkassen bieten IBAN-Rechner auf ihren Internetseiten.