Das vierrädrige Gefährt ist stolze zweieinhalb Meter hoch, es wiegt magere 550 Kilogramm und erinnert optisch eher an eine asiatische Motor-Rikscha als an ein Auto. Paul Leibold sieht darin das Elektrotaxi der Zukunft. „Heutige Taxis bewegen sich mit zwei Tonnen Gewicht durch die Stadt und sind völlig überdimensioniert“, sagt der Leiter des vom Bund geförderten Projekts Adaptive City Mobility (ACM). Geht es nach dessen Machern fahren nächstes Jahr erste Testflotten von E-Taxis durch deutsche Städte. Denn Autodesigner Peter Naumann hat nun ein konkretes Modell entworfen und die Uni Aachen steht für den Bau einer Pilotflotte bereit.

Das Fahrzeug ist so minimalistisch, dass man bei der Fertigung ohne die großen Bandstraßen traditioneller Autokonzerne auskommen kann, sind Leibold und Naumann überzeugt. Für eine Großserie gebe es global genügend Kapazitäten bei mittelständischen Industriebetrieben. Die Elektropioniere glauben zudem, dass ihr E-Taxi ohne jede Subvention günstiger im Betrieb kommt, als ein konventionelles Taxi mit Verbrennungsmotor. Als Preis sind rund 20.000 Euro angepeilt. Die Batterie soll alternativ an der Steckdose geladen oder modulweise und minutenschnell gewechselt werden, was im Flotteneinsatz kein Problem darstelle.

Auch als Pizza-Wagen geeignet

„Wir sind überzeugt davon“, lobte auch Christian Liebich, Elektromobilitätsexperte beim Bundeswirtschaftsministerium, das vor eineinhalb Jahren in München gestartete Projekt. Wenn es mit dem Ziel von Bundeskanzlerin Angela Merkel noch klappen soll, bundesweit bis 2020 eine Million Stromer auf Deutschlands Straßen zu haben, brauche es einfache und umsetzbare Ideen wie E-Taxi.

„Wir haben auch ein neues Geschäftsmodell entwickelt“, stellt Leibold klar. Denn das von Naumann entworfene Grundmodell mit drei Sitzplätzen und 80 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit tauge nicht nur als innerstädtisches Taxi oder Teil einer Carsharing-Flotte. Es könne mit einem alternativen Modul auch als Kleinlaster für Pizza- oder Paketdienste verwendet werden. Teil einer derart branchenübergreifenden Gesamtflotte sei auch ein parallel entwickeltes System für innerstädtische Akkuladestationen und eine intelligente Vernetzung aller Fahrzeuge, die Standorte und Ladestand umfasst. Auf diese Weise könnten Standzeiten minimiert und die Fahrzeuge im Dreischichtbetrieb besser ausgelastet werden als heutige Taxis, die die meiste Zeit nur stehen.

Ein eigenes Gesicht

Die Elektromobilität werde ihren Durchbruch als geschäftlich genutztes Fahrzeug schaffen, glaubt Leibold. So sieht das auch Designprofessor Naumann, der bereits Motorräder für BMW und Honda oder Wohnwagen für Knaus entworfen hat. Sollten 2015 wirklich erste E-Taxi-Flotten durch deutsche Innenstädte kurven, werden sie sich fraglos vom Straßenbild abheben. „Im Vordergrund steht die Funktion und nicht das Auto als Statussymbol“, erklärt der Designer. Den großen Autokonzernen wirft er vor, die neuen Freiheitsgrade nicht zu nutzen, die Elektromobilität bietet. Ihre Stromer würden immer noch zu sehr wie traditionelle Autos aussehen.

„Wir müssen aber die Chance ergreifen und Elektroautos ein eigenes Gesicht geben“, wirbt der Designer. Das mache sie dann auf einen Blick erkennbar. Im Inneren sind das beim E-Taxi Details wie ein Steckplatz für einen Tablet-Computer und hinten erhöhte Sitze für die beiden Fahrgäste. Von außen betrachtet fallen neben der großen Höhe und dem geräumigen Einstieg vor allem die Türen mit LCD-Bildschirmen für digitale Werbung ins Auge. Naumann und die anderen Technologiepartner des ACM-Projekts sind optimistisch, dass diese Produktsprache und ihre Ideen am Markt und bei Verbrauchern ankommen.