Elon Musk, Mann der großen Pläne.
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BerlinAls Elon Musk im Alter von 17 Jahren seine Sachen packte, um Südafrika, sein Heimatland, zu verlassen, nach Kanada zu reisen und dort zu studieren, gab ihm sein Vater nichts Ermutigendes mit auf den Weg. „Du bist in drei Monaten wieder hier“, sagte Errol Musk zu seinem Sohn. „Aus dir wird sowieso nichts.“

Es wurde, wie wir wissen, sehr wohl etwas aus Elon Musk, heute 48 Jahre alt. Die New York Times nannte ihn einmal den wichtigsten Unternehmer des 21. Jahrhunderts. Er hat mindestens fünf bedeutende Firmen gegründet, sein Vermögen wird auf rund 24 Milliarden Dollar geschätzt. Und sein Name wird in einem Atemzug mit Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Bill Gates genannt.

Die bösen Worte des Vaters

Wenn man verstehen will, was Elon Musk heute noch antreibt, dann ist es aufschlussreich, an die Worte des Vaters zu denken. Elon Musk hat diesen als brillant bezeichnet, aber auch als einen „fürchterlichen Menschen“. Und fast alle Unternehmungen des Sohnes sind Projekte, die als unbezwingbar galten, als er sie in Angriff nahm.

Musk hat die Herausforderung immer wieder angenommen, vielleicht, um alle Kritiker Lügen zu strafen. So, wie er seinen Vater Lügen strafte, als er in die Welt hinausging, um etwas aus sich zu machen.

Elon Musks Karriere als Unternehmer begann im Jahr 1995, als er gemeinsam mit seinem Bruder die   Firma Zip2 gründete. Musk war gerade an die Stanford University im Herzen des Silicon Valley gegangen, um seinen Abschluss in Energie-Physik zu machen. Es war die Hochphase des Internet-Booms, Firmen schossen nur so aus dem Boden. Nach nur zwei Tagen gab Musk das Studium auf und stürzte sich in dieses aufregende Geschäftsleben.

Zip2, eine Firma, die zusammen mit großen Tageszeitungen Online-Städteführer publizierte, schwamm auf der Erfolgswelle mit. Musk konnte das Unternehmen für mehr als 300 Millionen Dollar verkaufen.

Zip2 war jedoch nur das Vorspiel für seine weitere Unternehmerlaufbahn. Erst mit seiner nächsten Firma X.com zeigte er jenen utopistischen Wagemut, der ihn bis heute kennzeichnet. X.com war das erste Unternehmen, das den heute abgenutzten Begriff „Disruptor“ verdient, womit ein Player gemeint ist, der eine Branche aus den Angeln hebt und die Verbrauchergewohnheiten auf den Kopf stellt. X.com war ein Online-Bezahlsystem, später wurde es in PayPal umbenannt. Nach nur drei Jahren verkaufte Musk die Firma für 1,5 Milliarden Dollar an Ebay.

Trotz dieses phänomenalen Erfolgs war Musk bis zu diesem Zeitpunkt nur ein Silicon-Valley-Unternehmer unter vielen. Er hatte Applikationen gebaut, die sich in das Leben der Verbraucher einschleichen und dort unverzichtbar werden.

Isaac Asimov im Geiste

Doch Musk legt stets Wert darauf, anders zu sein als die anderen. Wenn er als Reinkarnation von Steve Jobs bezeichnet wird, wird er zornig. Als er einmal gebeten wurde, für ein Foto-Shooting einen Rollkragenpullover im Stil von Jobs zu tragen, sagte er: „Wenn ich einen Rollkragenpulli anhabe und sterbe, werde ich versuchen, ihn mir mit letzter Kraft wieder vom Leib zu reißen und so weit weg zu schmeißen, wie es nur irgendwie geht.“

Elon Musk wollte schon immer mehr, als das Leben von Verbrauchern schöner, angenehmer und einfacher zu machen. Musk wollte von Beginn an die Welt verändern. Und er will es immer noch

Seit er als kleiner Junge die Science-Fiction-Romane von Isaac Asimov gelesen hat, denkt er in globalen, ja galaktischen Maßstäben. Seine Zielgruppe sind nie einzelne Konsumenten, es ist immer die gesamte Menschheit. „Ich möchte Sachen schaffen, die wirklich nützlich sind“, sagt er.

In diesem Geiste entstanden die beiden Projekte, die Elon Musk bis heute definieren: die private Raumfahrt-Firma Space X im Jahr 2002 und seine Elektroauto-Firma Tesla im Jahr 2004.

Eigentlich sind Space X und Tesla zwei Projekte, die in entgegengesetzte Richtungen streben. Space X soll die private Raumfahrt bezahlbar und machbar machen und somit die Kolonisierung des Weltalls ermöglichen. Zwischen den Sternen zu leben, das ist für Elon Musk ein Kindheitstraum.

Menschheit ist noch nicht hoffnungslos verloren

Im Zeitalter der Klimakrise hat das Projekt, das zunächst wie die Spinnerei eines Jungen, der zu viel Science Fiction gelesen hat, wirkte, unerwartete Brisanz bekommen. Elon Musk ist es ernst damit, den Mars bis zu dem Zeitpunkt bewohnbar zu machen, an dem die Erde unbewohnbar wird. Seine Ingenieure arbeiten daran, aus dem Kohlendioxid und dem Eiswasser des Mars Treibstoff zu gewinnen.

Die Kernvoraussetzung einer wirtschaftlichen Weltraum-Kolonisierung hat Musk bereits geschaffen – wiederverwendbare Lastenraketen. Mit diesen Raketen fliegt er seit 2012 im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde Nasa die Raumstation ISS an. Seine hochtrabenden Ankündigungen, schon 2018 auf dem Mars landen zu können, hat er allerdings nicht einhalten können.

Das Tesla-Projekt ist ebenfalls eng mit der Klima-Krise verbunden. Die philosophische Grundierung ist jedoch eine andere: Anders als im Mars-Projekt gilt hier die Annahme, dass die Menschheit noch nicht hoffnungslos verloren ist. Mit einem Elektroauto, das attraktiv und preiswert ist, möchte Musk zur Abschaffung des auf fossile Brennstoffe angewiesenen Individualverkehrs beitragen. So sollte das Model 3, das im Gegensatz zu den High-End-Modellen von Tesla eher bezahlbar ist und 35.000 US-Dollar kostet, nach Musks Plänen so gut sein, dass andere Hersteller dazu gezwungen werden, sich vom Benzinmotor zu verabschieden. Um die Transformation zusätzlich zu beschleunigen, hat Tesla seine Patente öffentlich gemacht.

Natürlich bewirkt Elon Musk mit Tesla nicht im Alleingang die Elektro-Wende auf dem Automobilmarkt. Aber er hat das Tempo der Veränderung beschleunigt. Nicht zuletzt wegen des Erfolgs von Tesla setzen immer mehr große Autohersteller auf Elektro.

Und doch: Musk hat mit Tesla wirtschaftlich zu kämpfen, die Firma wirft bis heute keine Gewinne ab. Das Problem, meint der Unternehmer, sei zumindest teilweise der pessimistische Aktienmarkt.

Allerdings ist Musk derzeit auch Opfer seines eigenen Erfolgs. Tesla kommt mit der Produktion nicht nach – weshalb in China und nun auch in Deutschland gefertigt werden soll.

Religion der Machbarkeit

Der wirtschaftliche Erfolg ist aber nicht primär das, was Musk anstrebt. Er ist und bleibt ein Utopist. Er will demonstrieren, dass Dinge machbar sind, die von der Allgemeinheit als fantastisch und unrealisierbar angesehen werden.

Auch Musks weitere Steckenpferde streben in diese Richtung: Musks The Boring Company etwa entwickelt   für den Fernverkehr ein Hyperloop-Vakuumstreckennetz; und er lässt die Vernetzung des menschlichen Gehirns mit Maschinen erforschen.

So ist Musk im Lauf der Jahre zu einer Figur geworden, die Gutes und Beängstigendes aus dem Silicon Valley in einer extremen Form verbindet und verkörpert. Er besitzt einen unbegrenzten Glauben daran, dass Visionen – und seien sie noch so utopisch – verwirklicht werden können. Man könnte es eine Religion der Machbarkeit nennen. Getrieben wird er von dem Willen, die Menschheit zu retten, einem Willen, der so nobel ist wie furchterregend. Und von den Prophezeiungen seines Vaters.

Angst hält Elon Musk, Vater von fünf Söhnen, übrigens für unproduktiv. „Entscheidungen, die aus Angst getroffen werden, sind im Allgemeinen falsch“, sagt er.