Immer mehr Berliner Väter nehmen sich für ihren Nachwuchs eine berufliche Auszeit. Zumindest ist die Zahl derer, die im vergangenen Jahr Elterngeld bezogen haben, erneut gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt von 12.000 Vätern im Jahr 2016 auf 22.000 Väter im Jahr 2018. Allerdings bekamen Mütter immer noch mehr als doppelt so häufig Elterngeld. Und während Väter in Berlin im Schnitt etwa fünf Monate lang die Hilfe in Anspruch nahmen, ließen Mütter sich das Geld rund 13 Monate auszahlen.

Eltern können selbst entscheiden, ob sie oder er den Großteil vom Elterngeld bezieht, wer von beiden wie lange eine berufliche Auszeit nimmt, um sich in dieser Zeit um das Baby zu kümmern, oder ob beide sich kurz nach der Geburt für eine Teilzeittätigkeit entscheiden.
Hilfen gewährt der Staat in Form von Elterngeld.

„Das Elterngeld fängt fehlendes Einkommen auf, wenn Eltern nach der Geburt für ihr Kind da sein wollen und deshalb ihre berufliche Arbeit unterbrechen oder einschränken", heißt es beim Bundesfamilienministerium. Dabei gibt es zwei verschiedene Bezugsmodelle: das Elterngeld, auch Basiselterngeld genannt, und das Elterngeld Plus. Hinzu kommen können mögliche Partnerschaftsboni. Welche Variante sich für wen eignet, wie die Ansprüche durch einen Wechsel in der Steuerklasse erhöht werden können, haben wir einmal zusammengefasst. 

Das Basiselterngeld

Wenn Eltern nach der Geburt ihres Kinds nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten und sich selbst um die Betreuung ihres Kinds kümmern, haben sie Anspruch auf Elterngeld. Wem Elterngeld zugestanden wird, der erhält monatlich mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro. Die individuelle Höhe bemisst sich unter anderem am bisherigen Nettoeinkommen und pendelt sich in der Regel bei 65 Prozent des zugrundeliegenden Durchschnittseinkommens ein.

Maximal 14 Monate kann das Geld bezogen werden, wobei dieser Zeitraum für beide Elternteile gilt. Ein Elternteil kann dabei maximal zwölf Monate für sich beanspruchen und mindestens zwei. Die Regelung gilt genauso für getrennt lebende Elternteile. Nur Alleinerziehende haben Anspruch auf die vollen 14 Monate.

Das Elterngeld Plus

Mit dem Elterngeld Plus können Eltern doppelt so lange wie mit dem Basiselterngeld die Hilfen beziehen, jedoch nur in maximal halber Höhe. So werden quasi aus einem Elterngeldmonat zwei Elterngeld-Plus-Monate. Das lohnt sich, wenn Eltern schon während des Elterngeldbezugs wieder in Teilzeit arbeiten wollen. Dann erhalten sie im Endeffekt mehr Leistungen als mit dem Basiselterngeld.

Wenn beide Eltern beispielsweise gleichzeitig zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten, stehen ihnen vier zusätzliche Elterngeld-Plus-Monate in Form eines Partnerschaftsbonus zu. Alleinerziehenden steht der gesamte Bonus zu.

Zwar können auch Eltern, die nicht während des Elterngeldbezugs arbeiten, die Plus-Variante wählen, dann würde sich die Bezugsdauer aber lediglich verändern, der Betrag bliebe derselbe. Es ist auch möglich, Elterngeld und Elterngeld Plus zu kombinieren. Da es das Elterngeld Plus erst seit dem 1. Juli 2015 gibt, können es auch nur Eltern beantragen, deren Kinder nach diesem Datum geboren worden sind. 

Höhe und Anspruch ermitteln

Ihren individuellen Anspruch können Eltern beispielsweise mit dem Elterngeldrechner auf dem Onlinefamilienportal des Bundesfamilienministeriums berechnen. Dort wird nach der erwarteten Kinderzahl (ein Baby oder Mehrlinge) gefragt, ob man bereits weitere Kinder im Kleinkindalter hat, nach dem durchschnittlichen Nettoeinkommen in den zurückliegenden zwölf Monaten vor der Geburt und nach den Arbeitsplänen nach der Geburt.

Die Schnellberechnung ist zwar nicht verbindlich, gibt aber in vielen Fällen einen sehr guten Richtwert. Die letztlich bindende Berechnung übernimmt die zuständige Elterngeldstelle. Einen ähnlichen Rechner gibt es auch auf Elterngeld.net.

Nach Geschwisterkindern wird gefragt, weil Familien mit mehr als einem Kleinkind einen Zuschlag von 10 Prozent des sonst zustehenden Elterngelds erhalten. Bei Mehrlingsgeburten wird ein Mehrlingszuschlag von 300 Euro (150 Euro bei Elterngeld Plus) für jedes weitere neugeborene Kind gezahlt.

Steuerklasse wechseln, Anspruch erhöhen

„Weil der Nettolohn die Höhe des Elterngelds bestimmt und die Steuerklasse starke Auswirkungen darauf hat, welchen Nettolohn der Arbeitgeber aufs Konto überweist, spielt die Steuerklasse eine große Rolle für die Höhe des Elterngelds", schreibt die Stiftung Warentest.

Bei verheirateten Paaren sei es deshalb ratsam, dass die Frau, die in der Regel länger in Elternzeit bleibt, in die Steuerklasse III wechselt, um ihr Elterngeld zu erhöhen. Dieser Wechsel könne Paaren ein Elterngeld Plus von mehreren Tausend Euro bringen, sagen die Warentest-Experten.

Online oder offline beantragen

Die Beantragung erfolgt über die Elterngeldstelle des zuständigen Bundeslandes. Das Antragsverfahren wird derzeit digitalisiert. Auf dem Portal Elterngeld digital können Antragsteller aus einigen Bundesländern das Elterngeld bereits online beantragen. Darunter ist auch Berlin. Eile zahlt sich übrigens aus: Das Elterngeld wird maximal drei Monate rückwirkend gezahlt.