"Kniepsand" heißt der 10 Kilometer lange Strand auf der Nordseeinsel Amrum. Hier ist genug Platz für Urlauber aus Berlin und Brandenburg. 
Foto: FVA Amrum

BerlinWochenlang mussten der Tourismus und das Gastgewerbe in Deutschland wegen der Corona-Krise in den Startlöchern verharren. Doch nun können sich Reisende wieder auf Urlaub an den deutschen Küsten und in den Bayerischen Bergen freuen. Für alle, die an diesem langen Mai-Wochenende Urlaubspläne schmieden wollen, aber wir die aktuellsten Reise-Informationen zusammengestellt.

2020 werden sehr viele Deutsche in ihrem Heimatland Urlaub machen wollen. Ist das Gastgewerbe diesem Ansturm gewachsen? Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa), klingt optimistisch: „In Deutschland freuen sich 32.000 Hotels, Hotel garnis, Gasthöfe und Pensionen mit insgesamt einer Million Zimmer auf Gäste. Dazu kommen noch einmal gut 15.000 andere Ferienunterkünfte. In jedem Fall sind wir zuversichtlich, unseren Gästen auch in diesen herausfordernden Zeiten beste Gastgeber sein zu können.“

Die Regelungen sind in den einzelnen Bundesländern jedoch durchaus unterschiedlich, daher sollte man sich vor der Buchung genau informieren, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale des jeweiligen Landes oder bei Reisebüros vor Ort.

Keine Fernreisen, aber Urlaub in der Heimat

„Ich glaube, die große Fernreise fällt in diesem Sommer aus, aber das gilt nicht für den ganzen Urlaub", sagte jetzt der Urlaubsbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, in einem Interview mit dem Tagesspiegel. "Wenn die Entwicklung bei Covid-19 so weitergeht, wird der Sommerurlaub in Deutschland stattfinden können und auch in den europäischen Nachbarländern, in denen sich die Infektionszahlen ebenfalls günstig entwickeln.

Das betrifft vor allem unsere Nachbarstaaten, also etwa Österreich, Frankreich, Belgien, Polen oder die Niederlande. Ziele, die man mit dem Auto erreichen kann. Aber ich würde auch andere Regionen in Europa noch nicht abschreiben, etwa die Balearen oder die griechischen Inseln. Wenn es dort kaum noch Neuinfektionen gibt und die medizinische Versorgung funktioniert, könnte man auch über einen Sommerurlaub dort nachdenken.“

Wer im Sommer 2020 nicht an überfüllten Nordsee-Stränden liegen möchte, dem empfiehlt Dirk Dunkelberg, stellvertretender Geschäftsführer beim Deutsche Tourismusverband (DTV), die üblichen Hotspots zu meiden: „In Deutschland gibt es ja viele schöne Destinationen, Sie können zum Beispiel auf einem Hausboot in Mecklenburg-Vorpommern Urlaub machen. Auch die Mittelgebirge bieten sich an: Harz oder Schwarzwald. Natürlich müssen die Urlauber das wollen - wer sonst immer am Mittelmeer Urlaub macht, möchte vielleicht unbedingt ans Meer. Da wird es aber vermutlich dieses Jahr besonders voll sein.“

Auch die Seebrücke in Ahlbeck und Strände auf Usedom sind bald wieder für alle Urlauber erreichbar.
Foto: FVA Mecklenburg-Vorpommern

Die deutschen Küstenregionen erwarten bald Gäste

Ab dem 18. Mai stehen die Hotels in Mecklenburg-Vorpommern  für Einheimische bereit. „Ab dem 25. Mai werden wir auch für Gäste aus anderen Bundesländern öffnen“, sagte Wolfgang Waldmüller, Vorsitzender des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern. Der Infektionsschutz sei weiter wichtig, es gelte zunächst eine Kapazitätsgrenze von 60 Prozent. Für die Gastronomie gelten nach Auskunft des Präsidenten des Dehoga-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, klare Regeln.

Die Gaststätten dürfen von Samstag (9. Mai) an zwischen 6.00 und 21.00 Uhr öffnen. Auch hier besteht die 60-Prozent-Regel. Es müsse reserviert werden, um bei Infektionsfällen die Nachverfolgbarkeit zu gewährleisten. An den Tischen dürften sechs Personen sitzen, ein Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen fremden Personen sei einzuhalten. Das Servicepersonal müsse einen Mund-Nasen-Schutz tragen, Gäste nicht.

Bei den rund 200 Campingplätzen in Mecklenburg-Vorpommern gibt es laut Verbandssprecher Gerd Scharmberg keine 60-Prozent-Quote. Dafür müssten genügend große Abstände zwischen den Wohnwagen, Mobilen oder Zelten eingehalten werden. Die sanitären Anlagen seien so auszurüsten, dass alle hygienischen Erfordernisse zur Bekämpfung des Coronavirus erfüllt werden.

Harte Regeln bei der Wiederbelegung von Zimmern

In Niedersachsen dürfen ab dem 25. Mai Hotels, Pensionen und Jugendherbergen touristisch genutzt werden. Das Ziel sei aber, die Gästezahl zu reduzieren, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Für Übernachtungsangebote gilt eine Wiederbelegungsfrist von mindestens sieben Tagen. Das bedeutet, dass ein Hotelzimmer oder eine Unterkunft frühestens nach sieben Tagen wieder neu vergeben werden darf.

Restaurants, Gaststätten, Cafés oder Biergärten können vom 11. Mai ebenfalls unter Auflagen wieder öffnen. Auch Restaurants können nur die Hälfte ihrer sonst üblichen Plätze vergeben, zudem gilt eine Reservierungspflicht, die Kontaktdaten der Kunden müssen erfasst werden. Die jüngsten Entscheidungen der Landesregierungen im Norden geben auch den Unternehmern die Hoffnung, dass von der Saison 2020 noch ein bisschen zu retten ist.

So freut sich beispielsweise der Vorstand des Tourismusverbands Niedersachsen, Sven Ambrosy: „Am Ende des Tages ist es auch gar nicht so entscheidend, ob etwas am 11. Mai, am 25. oder einem anderen Tag passiert.“ Das Entscheidende sei die Perspektive. „Wir haben es uns verdient, dass wir unsere Tourismuswirtschaft nun langsam wieder hochfahren“, sagte sein Kollege in Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Waldmüller.

Bayerische Hotels müssen auf Wellness-Angebote verzichten

In Bayern sollen Gaststätten und Hotels bis Ende Mai schrittweise wieder öffnen: Mit entsprechenden Abstandsregelungen dürfen Restaurants ihre Außenbereiche am 18. Mai wieder öffnen. Auch Biergarten dürfen mit genügend Abstand zum nächsten Gast somit bald wieder besucht werden - allerdings sollen sie laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nur bis 20 Uhr geöffnet sein.

Die Innenräume der Speiselokale sollen eine Woche später am 25. Mai folgen, dabei soll es vermehrt Einzeltische geben. Auch gesonderte Familienbereiche seien denkbar, sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Hotels in Bayern dürfen ab dem 30. Mai wieder Touristen beherbergen. „Allerdings ohne Sauna, ohne Wellness, ohne Schwimmbäder, mit strengen hygienischen Konzepten“, sagte Söder.

Dürfen bald wieder alle nach Malle?

Die Hoteliers auf Mallorca rechnen fest damit, dass bereits Anfang Juli die ersten ausländischen Touristen kommen. Man wolle nach dem Deeskalationsprozess in der Coronakrise schnell zur Routine zurück. Urlauber werden seinen Angaben zufolge vor allem aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Dänemark kommen. Erst würden die Sitzplätze in den Flugzeugen vergeben, dann würden Flugrouten eingerichtet.

Der spanische Flughafenbetreiber Aena verlangte unterdessen, dass Fiebermesstests in den Abflug-Airports gemacht werden mögen. In Deutschland steht man dagegen laut einem Diskussionspapier von Bundesregierung und Ländern auf dem Standpunkt, aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen gar keine Gesundheitstests in den Flughäfen durchführen zu wollen. Aena verlangt auch eine Maskenpflicht in Flugzeugen und auf Flughäfen

Auch Reisen in Europa soll bald möglich sein

Österreich: Die österreichische Regierung hat Grenzöffnungen zwischen einzelnen EU-Ländern für Sommerurlauber vorgeschlagen. Das Alpenland zählt neben Italien, Spanien, der Türkei und Griechenland zu den fünf beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen im Ausland. In Österreich sollen die wegen der Corona-Pandemie geschlossen Hotels Ende Mai wieder öffnen – zunächst allerdings nur für österreichische Urlauber.

Griechenland: Die angekündigte Wiederbelebung des Tourismus in Griechenland zum 1. Juli ist in trockenen Tüchern. Die Regierung in Athen hat die Öffnung des Landes für Gäste aus dem Ausland beschlossen. Bis zum 15. Mai werde man Einzelheiten dazu mitteilen, hieß es. Allerdings müsse zunächst das Thema der hygienischen Bedingungen für Flüge in Corona-Zeiten geklärt werden. Dem Tourismus als wichtigstem Bereich der griechischen Ökonomie droht dieses Jahr wegen der Folgen der Corona-Pandemie eine Katastrophe.

Schenna in Südtirol - bald ist der nördliche Teil Italiens wieder erreichbar.
Foto: FVA Südtirol

Italien: Die Einreise nach Italien bliebt weiterhin nur mit triftigem Grund möglich. Seit Anfang März sind die Hotels geschlossen. Wann sie wieder öffnen, ist unklar. Eine Ausnahme gibt es aber: Die Provinz Südtirol geht einen Sonderweg. Ab 9. Mai darf hier der Einzelhandel öffnen, ab 11. Mai Bars und Restaurants ebenso wie Museen sowie Friseure. Ab 25. Mai können Hotels, andere Beherbergungsbetriebe und Seilbahnen wieder öffnen. 

Die Hotellerie und das Gastgewerbe sehen die neuen Regelungen als einen wichtigen Schritt zurück in eine neue Normalität. „Die Gastbetriebe Südtirols bereiten aktuell schon alles vor, um einen sicheren und sorgenfreien Urlaub in Südtirol anbieten zu können“, sagt Manfred Pinzger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbands Südtirol (HGV).

Ab 1. Juli geht's auch wieder an die holländische Nordseeküste

Niederlande: Auch die Niederlande haben die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie weiter gelockert und auch einen Plan für Urlauber vorgelegt. Was heißt das für den Grenzverkehr, Besuche und den Holland-Urlaub der Deutschen. Touristen dürfen ab dem 1. Juli wieder in die beliebten holländischen Feriengebiete reisen. Dann können alle Campingplätze und Ferienparks wieder voll geöffnet werden. Bisher galt das nur eingeschränkt, auch mussten auf Campingplätzen Duschen und WCs geschlossen bleiben. Da es nie ein Einreiseverbot gab, können auch deutsche Urlauber dann wieder Unterkünfte mieten. 

Ab 1. Juni dürfen Restaurants, Cafés, Strandpavillons und Kneipen wieder jeweils maximal 30 Gäste empfangen. Ab Juli sind dann bis zu 100 erlaubt. Der Betrieb von Museen, Theatern, Kinos und Konzerten läuft ab dem 1. Juni langsam wieder an. Allerdings müssen Besuche vorher online reserviert werden.

Der Aufenthalt von Gruppen in der Öffentlichkeit ist verboten. Jeder muss einen Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern einhalten. Ab dem 1. Juni müssen in Zügen, Bussen und Bahnen Mundschutzmasken getragen werden. Bei Zuwiderhandlungen drohen Geldbußen von bis 400 Euro. Kommunen können auch bei zu großem Andrang die Zugänge zu Stränden, Naturgebieten und Parkplätze sperren.

Schweden: Eine Schließung der Grenzen gibt es derzeit nicht, allerdings Kontrollen und Beschränkungen. Grundsätzlich rät die schwedische Regierung jedoch von Reisen in und innerhalb des Landes ab, auch Deutschland hat eine Reisewarnung ausgesprochen. Dem dortigen Gesundheitswesen droht örtlich eine Überlastung, so dass eine eventuell nötige Behandlung nicht unbedingt gewährleistet werden kann.

Tschechien: Die tschechische Regierung erwägt, die Grenzen des Landes im Juli wieder zu öffnen. Dies ist aber noch nicht endgültig beschlossen. "Ich würde im Juli gern die Grenzen zu Deutschland, Österreich, Polen und der Slowakei öffnen", sagte der tschechische Außenminister. Wenn sich die Situation bei der Bekämpfung der Corona-Epidemie gut entwickle, könne die Öffnung auch früher erfolgen.

Urlauber müssen sich beim Buchen für Rücktritte absichern

Wer seinen Urlaub bereits sicher glaubt, dem kann durchaus noch eine Absage vonseiten des Hotels ins Haus stehen. Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät Urlaubswilligen daher dazu, sich abzusichern: „Bei so unsicheren Verhältnissen gilt die sogenannte Unsicherheitseinrede. Das bedeutet, ich kann dem Hotelier sagen, dass ich die Kosten für die Unterkunft erst kurz vor Reiseantritt oder sogar erst vor Ort bezahle.“

Und wie sieht es mit kurzfristigen Stornierungen aus? Hier gibt es laut Buttler einen wichtigen Unterschied: Kann der Veranstalter den Vertrag aufgrund von gesetzlichen Vorgaben (wie etwa Corona-Beschränkungen) nicht erfüllen, bekommt der Kunde in jedem Fall sein Geld zurück. Storniert der Kunde selbst jedoch aus reiner Vorsicht seine Reise, muss er mindestens Stornogebühren zahlen.

„Bei Pauschalreisen sind die Stornogebühren in der Regel gestaffelt und werden höher, je kurzfristiger man storniert. Storniert man bei einer Individualreise nur die Übernachtungen in einem Hotel, wird der volle Betrag fällig, da es sich hierbei um einen Mietvertrag handelt“, erklärt Buttler.

Schadensersatzklagen wegen „entgangener Urlaubsfreude“ hält der Verbraucherschützer für schwierig, da so etwas schwer nachzuweisen sei: „Das kommt dann auf den Einzelfall an.“

Auch Iwona Husemann, Rechtsreferentin bei der Verbraucherzentrale NRW, rät: „Wenn man jetzt buchen möchte, sollte man genau darauf achten, bis wann eine Reise stornierbar ist.“

Wann zahlt eine Reiserücktrittsversicherung nicht?

Bei Ferienwohnungen, Ferienhäusern und Hotels lohnt stets ein Blick auf die Stornierungsregeln in die AGB des Anbieters. Viele Unterkünfte seien nur bis 30 Tage vor Anreise kostenlos stornierbar, erklärt Husemann. Bei einzelnen Anbietern lassen sich Aufenthalte noch bis 24 Stunden vor Abreise kostenlos stornieren. „Das kostet dann einen Aufpreis.“ Aber so bleiben Urlauber flexibel, falls Reisepläne sich ändern.

„Gerade bei kleinen, privaten Anbietern ist es auch denkbar, dass man eine individuelle Lösung aushandeln kann“, sagt die Juristin - zum Beispiel eine kostenfreie Absage des Aufenthalt bis eine Woche vor Anreise. Bei größeren Anbietern sei das aber eher nicht möglich.

Übrigens: Eine Reiserücktrittsversicherung zahlt nicht für Stornogebühren, wenn sich ein Reisender allein aus Furcht vor Corona gegen den Urlaub entscheidet. Viele Versicherer schließen Pandemien-Folgen ohnehin als Versicherungsgrund aus. Hier lohnt ein genauer Blick in die AGB der Versicherung.