Gut drei Jahre ist es erst her, da war Q-Cells ein Kraftprotz. Zigarillo rauchend empfing Firmenchef Anton Milner Besucher und plauderte über die großartige Zukunft des Pioniers Q-Cells. Über Jahre hinweg hatte Milner die Produktionskapazitäten alle zwölf Monate verdoppelt. Q-Cells war der größte Solarzellenhersteller der Welt – das Aushängeschild der deutschen Öko-Wirtschaft wurde sogar zeitweise als Dax-Kandidat gehandelt. Das Solar Valley bei Bitterfeld, der Sitz von Q-Cells und anderen Solarkonzernen, leuchtete hell.

Das Solar Valley ist zum Jammertal geworden. Milner hat längst dem Sanierer Nedim Cen Platz gemacht. Inzwischen steht der Konzern nur noch einen Fingerbreit vom Abgrund entfernt. Gestern wurde bekannt, dass Q-Cells so hohe Verluste schreibt, dass das ganze Eigenkapital vernichtet worden ist.

Bargeld, um den Geschäftsbetrieb zu bestreiten, hat Q-Cells zwar noch. Doch Ende Februar droht die Insolvenz. Dann wird eine Anleihe über 200 Millionen Euro fällig. Nur wenn die Schuldner auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten oder sich mit einer späteren Rückzahlung zufrieden geben, ist Q-Cells gerettet.

Aber auch nur vorerst. Als weiterer Schritt müssten Anleihen, die später fällig werden, in Aktien umgewandelt werden. Auch dabei müssen die Gläubiger mitspielen. Doch selbst dieser Schritt, der einer Teilenteignung der Altaktionäre gleichkommt, würde Q-Cells nur helfen, wenn das eigentliche Geschäft wieder aus den roten Zahlen kommt.

Q-Cells selbst sieht vor, dass 2013 im operativen Geschäft ein kleiner Gewinn erreicht und 2014 dann auch insgesamt wieder ein Gewinn geschrieben werden kann. Doch daran zweifelt offenbar sogar Firmenchef Nedim Cen selbst. Der Geschäftsplan, so heißt bei Q-Cells, basiere auf der Annahme, „dass zumindest führende Unternehmen der PV-Branche (...) akzeptable Margen erzielen werden können. Ein weiterer Preiskampf könnte jedoch eine Preispremium-Strategie konterkarieren.“ Auf deutsch: Geht der Preisrutsch so schnell weiter, ist Q-Cells erledigt. Und das halten Beobachter für wahrscheinlich. In den vergangenen zwölf Monate sind die Preise für Solarmodule laut PVX-Preisindex um mehr als ein Drittel gefallen – es gibt keine Anzeichen, dass der Preissturz aufhört.

Brutale Konkurrenz aus China

Die Konkurrenz aus China ist geradezu brutal. Mit massiver Staatshilfe, vor allem in Form von Billig-Krediten, wurden dort in den vergangenen Jahren Fabriken gebaut, die den einstigen Marktführer Q-Cells wie einen Krauter erscheinen lassen. Zu den Staatshilfen kommt, dass die Chinesen auch massiv in neue Techniken investieren und auf billige Arbeitskräfte zurückgreifen können.

Doch selbst Chinas Solarriesen haben Schwierigkeiten aufgrund der Überkapazitäten. Weltweit könnten nach Schätzungen doppelt so viele Solarzellen hergestellt wie verkauft werden. Einige deutsche Solarfirmen haben in den vergangenen Monaten schon aufgeben müssen: Der Berliner Modulhersteller Solon ist in der Insolvenz, der Solarkraftwerksbauer Solar Millennium ebenfalls. Sunways aus Konstanz rettete sich in die Arme des China-Riesen LDK.

Q-Cells kämpft noch. Der Konzern versucht, seine Kosten drastisch zu senken. Ein großer Teil der Produktion wurde ab 2009 in ein Werk nach Malaysia verlagert, in Deutschland mussten 500 Mitarbeiter gehen. Doch im Augenblick sieht es nicht so aus, als ob die Anstrengungen reichen. In einer Bewertung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) heißt es: „Die Gefahr einer Insolvenz ist (...) in Summe als hoch einzustufen.“

Was bliebe dann noch von Q-Cells? Die Fabrik in Malaysia besichert einen Kredit der dortigen Regierung. Die Fabrik in Thalheim ist wohl kaum kostendeckend zu betreiben. Interessant wären für Käufer möglicherweise einige neue Solartechniken, die Q-Cells erforscht hat. Q-Cells, das einst so hell leuchtete, würde verramscht.