Energieriese Vattenfall: Desaströse Zahlen im zweiten Quartal

Frankfurt am Main - Das schwedische Unternehmen Vattenfall hat im zweiten Quartal des Jahres einen Verlust von umgerechnet 3,1 Milliarden Euro verbucht. Dabei wurden aber nur Einnahmen von 3,8 Milliarden Euro insgesamt erzielt. Die Ursache: Ebenso wie die Konkurrenten RWE und Eon trifft der radikale Wandel des Strommarktes Vattenfall mit voller Wucht. Der Ausbau der erneuerbaren Energien hierzulande, aber auch in Schweden führt zu einem Überangebot an Strom.

Das hat die Großhandelspreise an der Börse in den Keller geschickt. Viele konventionelle Kraftwerke können nicht mehr rentabel arbeiten. Das bedeutet auch, dass der Wert dieser Anlagen in der Bilanz von Vattenfall nach unten korrigiert werden muss. Die Abschreibungen im zweiten Quartal machen insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro aus.

Abbau von Stellen notwendig

Das sind desaströse Zahlen. Vattenfall-Chef Magnus Hall kommentiert die Quartalsergebnisse mit schon fast fatalistischem Unterton: „Das ist eine sehr negative Entwicklung, aber dies spiegelt unglücklicherweise die Welt wider, in der wir leben.“ Er kündigte an, dass nun noch härter  an der Reduktion der Kosten gearbeitet werden müsse, was auch den Abbau von Stellen bedeute. Bislang ist der Abbau von 1000  geplant.  Insgesamt  beschäftigt der   Konzern  30000 Frauen und Männer, davon die Hälfte in Deutschland.

Bei den geplanten Umbauten ist noch einiges unklar. Klar ist aber, dass die hiesigen Engagements dem Chef große Bauchschmerzen bereiten. Vattenfall zählt in Deutschland zu den großen Vier der Energiebranche. Der Konzern betreibt in Sachsen und Brandenburg fünf Braunkohletagebaue und drei riesige Kraftwerke, in denen die Braunkohle verfeuert wird.

Unter anderem kommt noch das umstrittene Steinkohlekraftwerk Moorburg im Süden von Hamburg hinzu. Die Wertminderungen auf all diese deutschen Aktivitäten machen den Großteil der Abschreibungen aus. Auch höhere Rückstellungen für den Abriss der Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel und die Beseitigung von Umweltschäden durch den Tagebau machen Hall zu schaffen

Kein Wunder, dass Vattenfall  alles, was mit Braunkohle in der Lausitz zu tun hat, noch in diesem Jahr zu verkaufen will – dort sind rund 8000 Menschen beschäftigt. Die von Energieminister Sigmar Gabriel geplante Klimaabgabe, die wie eine Strafsteuer für Braunkohlekraftwerke gewirkt hätte, brachte die geplanten Veräußerungen ins Stocken. Es war bereits mit Interessenten aus  Tschechien verhandelt worden. Inzwischen wurde die Klimaabgabe gestoppt.

Kohlekraftwerke im Standby-Modus

Stattdessen hat die Regierung beschlossen, dass insgesamt fünf große Kohlekraftwerke zwar abgeschaltet, aber in einen Standby-Modus versetzt werden sollen. Wenns eng wird mit der Stromversorgung, sollen sie schnell zugeschaltet werden. Für dieses Bereithalten auf Anforderung gibt es Geld, das letztlich die Stromkunden aufbringen. De facto handelt es sich um eine Subventionierung von Vattenfall –  denn es ist eher unwahrscheinlich, dass die Braunkohlekraftwerke tatsächlich gebraucht werden.

Hall begrüßt natürlich gleichwohl die neuen Regelungen.  Er spricht von einer Reduktion der CO2-Belastung und einer Erhöhung der Versorgungssicherheit. Die Entscheidung schaffe zudem größere Klarheit für den angestrebten Verkauf der deutschen Braunkohlekraftwerke und der Tagebaue. Mit anderen Worten: Die Bundesregierung hilft Vattenfall dabei, Käufer zu finden. Der Deal soll zwei bis drei Milliarden Euro in die Kassen des Staatskonzerns spülen.   

Das ist ein Element der neuen Strategie. Zudem soll’s  einen stärkeren Fokus auf erneuerbare Energien geben. Hall geht dies auf Geheiß der rot-grünen schwedischen Regierung an, die Vattenfall zum Vorreiter für Öko-Strom-Erzeugung machen will.

Die Windenergie macht derzeit aber nur drei Prozent der Stromproduktion aus. Doch hier ist einiges geplant.  Nach der Eröffnung des Windparks Dan Tysk baut der Staatskonzern gemeinsam mit den Stadtwerken München einen Park in der deutschen Nordsee sowie einen weiteren in Dänemark. Stark vertreten ist hingegen schon jetzt die Wasserkraft mit fast einem Viertel der gesamten Erzeugungskapazität, was viel  mit den natürlichen Gegebenheiten in Schweden zu tun hat.