Energiewende - RWE, Eon und co.: Neues Geschäftsmodell gesucht

Es ist schon fast eine Binsenweisheit: Große Konzerne entwickeln eine Art Immunabwehr gegen Neues und Veränderungen. Denn Neues stört das innerbetriebliche Gefüge. Bei den deutschen Energiekonzernen funktioniert die Immunabwehr erstaunlich gut. Seit dem ersten Atomausstiegsbeschluss und der Verabschiedung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 ist klar, dass der deutsche Energiemarkt umgekrempelt wird. Eon, RWE und Co. haben aber so getan, als könnten sie so weitermachen wie zuvor. Sie setzten auf Kohle- und Atomkraft und vernachlässigten die erneuerbaren Energien.

Die Quittung erhalten sie jetzt. Die erneuerbaren verdrängen die konventionellen Stromerzeuger.  Und wie vielfach in der Vergangenheit machen sie bei der Politik Druck – mit dem Ziel ihr Geschäftsmodell zu retten. Gut möglich, dass die nächste Bundesregierung ihnen unter die Arme greift, indem sie großzügige Prämien dafür zahlt, dass konventionelle  Kraftwerke  in Bereitschaft gehalten werden, um einzuspringen, wenn es keinen Wind- und Sonnenstrom gibt.

Das grundlegende Problem ist damit nicht gelöst aber verschoben. Der Ausbau der Erneuerbaren lässt sich nicht mehr stoppen, selbst wenn die Förderung über das EEG von einem Tag auf den anderen gestoppt würde. Denn Sonnen- und Windstrom werden billiger. So werden Betreiber von Photovoltaikanlagen künftig immer mehr auf die EEG-Förderung, die beim Einspeisen der Elektrizität  ins Netz gezahlt wird, verzichten und die Energie selbst verbrauchen. Konventionell erzeugter Strom wird zwar auch noch im Jahr 2030 gebraucht. Aber die Menge wird in heute an sukzessive kleiner.

Die großen Energiekonzerne brauchen deshalb so schnell wie möglich ein neues Geschäftsmodell. Rückgrat könnte die effizienteste erneuerbare Energie sein: Strom, der von Windrädern erzeugt wird, die zwischen Flensburg und Garmisch auf zugigen Hügeln stehen.