Jennifer Hyman kam auf die Idee, Luxus-Mode-Artikel zu vermieten und gründete das erfolgreich Start-up „Rent the Runway“. 
Foto: Zalando/Perry Hagopian

BerlinBis zur Corona-Krise lieferte Jennifer Hyman das beste Beispiel einer Bilderbuch-Karriere. Studienabschluss in Harvard, Gründung des Start-ups „Rent the Runway“ mit Hauptsitz in New York, Aufstieg zum Einhorn, also Unternehmenswert in Milliarden-Höhe, und dazu noch Mutter von zwei Kindern. Mehr geht kaum.

Das scheint auch das Management des Berliner Online-Händlers Zalando so zu sehen, denn in dieser Woche gab das Unternehmen bekannt, dass die 39 Jahre alte Hyman in den Aufsichtsrat gewählt wurde.

Hyman erlebt vielleicht trotzdem zum ersten Mal die dunkle Seite der Modebranche. Jahrelang brummte ihr Geschäft. Ihre Idee, elegante Outfits, Designerkleidung und Hochzeitsmode zu verleihen und nicht zu verkaufen, überzeugte die Kundinnen. Doch in der Zeit von Covid-19 ließ die Nachfrage rapide nach.

Das Start-up musste sparen. Sie habe unangenehme Entscheidungen treffen müssen, sagte Hyman neulich in einem Interview dem Radiosender NPR und ergänzte, dass sie ins Grübeln gekommen sei. Dann sprach sie von Nachhaltigkeit in der Modebranche, weniger Konsum und dem verstärkten Handel mit Secondhand-Mode. Ihre Begründung: Viele Menschen müssten in Zukunft mit weniger Geld auskommen.

Vielleicht kommt da wirklich etwas in Bewegung, in der oft so verschwenderischen und kurzatmigen Modewelt. Cristina Stenbeck, Vorsitzende des Zalando-Aufsichtsrats betonte jedenfalls, dass Hyman als Geschäftsführerin und Gründerin neue und relevante Perspektiven mit in den Vorstand und den Aufsichtsrat bringe.

Und die Frau aus New York kann möglicherweise auch etwas über Krisenmanagement in Deutschland lernen. Zalando erlebte in den ersten Wochen des Lockdowns ebenfalls deutliche Umsatzrückgänge, bis zu 25 Prozent. Aber Krisenmanagement gehört eigentlich zur DNA des Unternehmens, denn es wurde im Jahr 2008 gegründet, als die Finanzbranche weltweit kollabierte.