Berlin - Was hierzulande Energiewende genannt wird, ist ein globales Phänomen – mit wachsender Dynamik und mit China an der Spitze.

Das geht aus dem am Mittwoch in der Internationalen Energieagentur (IEA) vorgelegten Report „Renewables 2017“ hervor. Der IEA wurde lange Zeit vorgeworfen, die Erneuerbaren zu unterschätzen. Immerhin betont IEA-Präsident Fatih Birol nun, dass die Photovoltaik am Beginn einer neuen Ära stehe, ein Wendepunkt sei erreicht.

Wind- und Solarenergie werden in Deutschland noch gebremst

Die Agentur geht zwar davon aus, dass Kohle in fünf Jahren bei der Stromerzeugung noch dominiert, sie hat ihre Prognosen für den Ausbau der Solarenergie aber deutlich nach oben geschraubt, vor allem wegen der massiven Kostenreduktion und der rasanten Entwicklungen in China.

Birol geht davon aus, dass die Erzeugungskapazitäten der Erneuerbaren bis 2022 in jedem Fall um 43 Prozent steigen werden. Weitere 30 Prozent könnten hinzu kommen, wenn Regierungen Wachstumshemmnisse aus dem Weg räumen würden. Hierzulande werden Wind- und Sonnenenergie durch sogenannte Ausbaukorridore gebremst, was de facto eine Rationierung bedeuten.

China deckt die Hälfte des Photovoltaik-Marktes ab

China ist indes das Zugpferd für die Erneuerbaren. In dem Riesenland werden nach den Hochrechnungen der IEA allein 40 Prozent des gesamten weltweiten Zubaus realisiert. Ein wesentlicher Treiber sei dabei, dass die kommunistische Regierung die Luftverschmutzung in vielen Metropolen bremsen wolle. Das habe dazu geführt, dass die Volksrepublik schon jetzt ihr für 2020 gestecktes Ziel bei der Solarenergie übertroffen habe. 2019 werde auch die auch Vorgabe für Windstrom vorzeitig erreicht.

Bei der Photovoltaik decke China allein heute schon die Hälfte der weltweiten Nachfrage ab. Sie wird weitgehend mittels heimischer Hersteller befriedigt. Denn die dortigen Hersteller fertigen 60 Prozent des globalen Outputs – viele Firmen werden von der Regierung direkt und indirekt massiv unterstützt. All das hat dazu geführt, dass Sonnenstrom immer günstiger wird.

Öko-Energien decken in fünf Jahren ein Drittel des Marktes

Laut IEA sind die Kosten für eine Kilowattstunde bis auf etwa drei Cent gesunken. Und das Ende dieser Entwicklung ist noch nicht erreicht. Bis die Marke von zwei Cent unterschritten wird, kann es nach Ansicht vieler Experten nur noch wenige Jahre dauern. Doch schon mit dem jetzt erreichten Kostenniveau ist die Photovoltaik bei neuen Anlagen zur billigsten Quelle von elektrischer Energie geworden.

Günstiger sind nur noch ältere Atom- und Kohlekraftwerke, die ihre Investitionskosten schon vor Jahren verdient hatten. Unter dem Strich bedeutet das, dass Öko-Energien in fünf Jahren knapp ein Drittel des weltweiten Strombedarfs decken – hierzulande wurde diese Marke bereits im vorigen Jahr übertroffen. 

Birol erwartet, dass die Kapazitäten der Erneuerbaren bis 2022 um etwa 1000 Gigawatt steigen werden. Das entspricht mehr als 800 Atomkraftwerken oder der Hälfte der derzeit installierten Leistung aller Kohlekraftwerke auf der Erde, die aber laut Birol in 80 Jahren aufgebaut wurden. 

In Deutschland hingegen gibt es eine sinkende Nachfrage

Neben China werden nach den Prognosen der IEA die USA der weltweit zweitstärke Wachstumsmarkt in der nächsten Halbdekade sein – trotz Präsident Trump. Das Land hat schlicht riesige Potenziale für die Nutzung der Sonnen- und der Windenergie. 

Für Europa erwartet die Energieagentur hingegen eine deutlich geringere Wachstumsdynamik als in der Periode von 2011 bis 2016. Überkapazitäten wie in Deutschland, eine sinkende Nachfrage und Unsicherheiten bei den Ausbauzielen in einigen Ländern bedeuteten eine „Herausforderung für das Wachstum der Erneuerbaren“. Die politischen Unsicherheiten jenseits des Jahres 2020 seien hoch.