Es ist also geschafft. Das Daimler-Werk in Marienfelde wird nicht dichtgemacht oder „rasiert“, wie es seit einem Jahr zu befürchten war. Wer dort Arbeit hat, wird Arbeit behalten, wenn er will und bereit ist, dazuzulernen. Es ist zweifelsfrei ein Erfolg, den sich einige auf ihr Konto buchen können. Vor allem die Belegschaft, die auf die Barrikaden ging, als die Stuttgarter Pläne für Berlin bekannt wurden und sich zeitgleich auch noch „ihr“ Werkleiter zu Tesla nach Grünheide absetzte. Die Gewerkschaft hat ihren Anteil, weil sie den Widerstand organisierte. Und ganz sicher hat auch die Politik mitgewirkt. Auch wegen Tesla. Bei Brose in Moabit werden Elektromotoren für Fahrräder gebaut, BMW fertigt sie für seine E-Roller. Nun kommen auch ölfreie Automotoren von hier. Der Regierende lobt die Zukunftsfähigkeit industrieller Arbeitsplätze in der Stadt. Berlin ist wieder im Rennen und für neue Mobilität muss man nicht nach Brandenburg.

Gelohnt hat es sich aber in erster Linie für die Belegschaft. Die Mitarbeiter haben sich immer für Transformation ausgesprochen, gingen aber laut und bemerkenswert geschlossen auf die Straße, als Transformation nicht mit ihnen, sondern gegen sie laufen sollte. Jetzt sind sie dabei. Allerdings ist noch längst nicht klar, dass der neue Motor wirklich mehr ist als ein Zugeständnis. Zu vage sind dafür die Ankündigungen. Denn tatsächlich taugt dieser in der versprochenen Version für AMG bestenfalls für ein paar Tausend Stück im Jahr. Marienfelde braucht aber eine Großserienfertigung, ohne die auch Mercedes nicht auskommen wird, weil Elektromobilität mehr sein muss als die Elektrifizierung der eigenen Protz-Sparte. Darüber wird in Marienfelde auch künftig zu verhandeln sein. Es ist also ein hoffnungsvoller Anfang. Geschafft ist es wohl noch nicht.