Hilfe lässt man sich üblicherweise nicht bezahlen. Tut man es doch, ist das mindestens dreist. Auf die Berliner Gasag trifft das zu. Denn wer den Dienst des Grundversorgers nutzt, weil der bisherige Gasanbieter abgesprungen ist, muss für die Ersatzlieferung einen horrenden Aufpreis zahlen. Für die Gasag ist das okay. Das Unternehmen begründet diesen Neukundentarif mit dem Schutz der Stammkundschaft vor höheren Preisen. Schließlich müsse das zusätzlich benötigte Gas jetzt zu extrem gestiegenen Preisen nachgekauft werden. Außerdem verweist die Gasag darauf, ihr unternehmerisches Risiko reduzieren zu müssen, wofür sich das Verständnis jedoch in Grenzen hält. Immerhin haben die Gasag-Eigentümer Eon und Vattenfall zuletzt jeweils mehrere Milliarden Euro Gewinn eingefahren. Da sollte man seiner gesetzlich zugeschriebenen Helferrolle als regionaler Marktführer und folglich Grundversorger gerecht werden können.

Allerdings springt der Grundversorger derzeit vor allem deshalb ein, weil bei der Konkurrenz das Geschäftsmodell versagt hat. Das besteht darin, Energie zu günstigen Tagespreisen zu kaufen, die es aber seit Monaten nicht mehr gibt. Die Preise explodieren, das Geschäftsmodell implodiert. Die Anbieter ziehen sich zurück. Wette verloren. Strom und Gas gibt es beim Grundversorger. Viel Glück. Sympathischer ist das auch nicht.

Tatsächlich ist Grundversorgung kein Recht auf billig. Discounterkunden müssen mit der Lage umgehen und können sich auf dem Markt eine günstigere Alternative zum Grundversorger suchen. Wirklich dramatisch sind die Energiekosten indes für Haushalte, die diese von ihren Hartz-IV-Bezügen begleichen müssen. Monatlich 36,44 Euro sieht der Satz für Strom vor, was schon längst nicht mehr reicht. In Berlin liegen die realen Kosten für einen Single-Haushalt bei etwa 50 Euro. Die Lücke dazwischen war nie so groß wie jetzt. Das ist ein Problem.