Eines muss man Gorillas zugestehen: Sie lassen nichts unversucht. Wenn es darum geht, die Rechte der eigenen Beschäftigten zu beschneiden, ist das Unternehmen auf beschämende Weise kreativ. Seit Neuestem probiert das Lieferdienst-Start-up ein Franchise-System aus. Die 18 Berliner Lager sind nun eigenständige Unternehmen. Mit der Zerstückelung in einzelne Betriebe verfolgt Gorillas ein klares Ziel: Es soll keinen Betriebsrat geben, der für alle Mitarbeiter zuständig ist. Am besten soll es gar keine Vertretung geben.

Was Gorillas macht, ist Union Busting 

Das, was Gorillas macht, ist ein klarer Fall von Union Busting, also systematischer Behinderung von Gewerkschaftsarbeit und Interessenvertretung. Mit sozialer Marktwirtschaft hat ein solches Verhalten nichts zu tun. Es ist gut, dass das Berliner Arbeitsgericht dem am Mittwoch einen Riegel vorgeschoben hat. Zumindest die geplante Betriebsratswahl kann in der kommenden Woche erfolgen.

Kehrt damit auch ein Stück arbeitsrechtliche Normalität bei Gorillas ein? Das wäre zu begrüßen. Nur: Es ist unwahrscheinlich. Das Unternehmen kann sich, das ist sein gutes Recht, weiter durch die Instanzen klagen. Auch die Aufteilung in Unter-Firmen ist nicht per Gerichtsbeschluss rückgängig zu machen. Wird der Betriebsrat gewählt, könnte er dastehen wie ein König ohne Reich. Sicher ist aber auch: Die Beschäftigten werden weiter für ihre Rechte kämpfen. Sie verdienen Solidarität.

Gorillas ist eben nicht nur Fahrradfahren

It’s about riding, not about politics. Es geht bei Gorillas nur ums Fahrradfahren, nicht um Politik. So äußerte sich CEO Kağan Sümer, als die Proteste im Sommer erneut aufflammten. Diese Aussage wirkte schon damals seltsam entrückt. Hinter Gorillas steht schließlich ein knallhartes Geschäftsmodell. Die soziale Verantwortung bleibt da schnell auf der Strecke. Es ist gut, wenn die Öffentlichkeit weiter genau hinschaut. Und auch Gerichte klarmachen: Arbeitnehmerrechte sind nicht verhandelbar.