Um neben Miete, Lebensmitteln und allem, was sonst noch so anfällt, Monat für Monat größere Beträge beiseitezulegen, ist bei vielen Menschen kein Geld da. Bereits im Januar gaben in einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Postbank 22 Prozent der Befragten an, sie könnten nichts sparen, und gaben als Grund die Inflation an. Seitdem ist die Teuerungsrate weiter gestiegen. Im Mai lagen die Verbraucherpreise um 7,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Aber müssen es immer größere Beträge sein? Was bringt es 20, 50 oder auch nur einen Euro monatlich zu sparen, wenn mehr nicht drin ist?

Sparprodukte zu finden, bei denen es möglich ist, nur kleine Beträge zu investieren, ist auf den ersten Blick kein Problem. ETF-Sparpläne, also monatliches Investieren in einen börsengehandelten Indexfonds, bieten so gut wie alle Banken schon ab 50 Euro monatlich an, die Direktbank ING oder auch der Online-Broker Scalable Capital haben sogar ETF-Sparpläne ab einer Investitionssumme von einem Euro im Programm.

ETF-Sparplan: Auf geringe Kosten achten

Selbst für Centbeträge gibt es Sparformen. Beim sogenannten Wechselgeldsparen wird der Einkauf jedes Mal, wenn an einer Kasse mit Karte bezahlt wird, aufgerundet und landet anschließend auf einem Sparkonto oder in einem ETF-Sparplan. Und beim Tagesgeldkonto schreibt die Bank erst gar keinen Mindestgeldeingang im Monat vor.

„Verbraucher sollten natürlich auf die Kosten achten“, sagt Dominique Riedl vom Portal JustETF. Gerade bei kleinen Sparbeträgen dürfen die Kosten nicht zu hoch ausfallen, ansonsten besteht die Gefahr, dass am Ende weniger Geld da ist, als eingezahlt wurde. Für die ETF-Sparpläne ab einem Euro Sparrate, die derzeit auf dem Markt sind, fallen zwar nur 0,1 bis 0,2 Prozent Gebühren im Jahr an, aber selbst bei einer positiven Rendite von acht Prozent im Jahr würde der Gewinn nach einem Jahr weniger als ein Euro betragen.

Nach 10 Jahren: Angesparter Betrag fast verdoppelt

„Natürlich handelt es sich bei solchen Angeboten auch um geschickte Marketingkampagnen der Anbieter“, sagt Riedl. Das Signal: Jeder kann investieren, man muss kein großes Startkapital besitzen. In der Praxis gebe es dann wenige, die tatsächlich für einen Euro einen Sparplan eröffnen, aber viele, die aufmerksam werden und zum Beispiel für 50 Euro einen abschließen.

Und hier sehen die Renditen schon anders aus. Wer vor zehn Jahren einen ETF-Sparplan auf den MSCI World abgeschlossen und ununterbrochen monatlich 50 Euro investiert hat, hätte laut einer Berechnung von JustETF den angesparten Betrag von 6000 Euro fast verdoppeln können, die ETF-Kosten in Höhe von 0,2 Prozent einberechnet.

Auch Roland Stecher von der Verbraucherzentrale Bremen hält ETF-Sparpläne bei Sparraten von 50 Euro für sinnvoll. „ETFs haben den Vorteil, dass sie geringe Kosten aufweisen, Anleger von höheren Renditen profitieren können als beispielsweise mit dem Tagesgeldkonto, auf das es kaum Zinsen gibt“, sagt Stecher. Außerdem würden Verbraucher immer an ihr Geld herankommen – ETF-Sparpläne können jederzeit aufgelöst werden. „Allerdings empfiehlt es sich einen ETF-Sparplan über einen längeren Zeitraum zu führen“, so Stecher. Mindestens fünf Jahre sollten es sein, besser 20. Nur so können auch Börsenschwankungen ausgesessen werden, die zeitweise auch mal zu negativen Renditen führen.

Tagesgeldkonto als Alternative

Aber auch nicht immer muss der ETF-Sparplan die erste Wahl sein. „Bevor jemand anfängt zu sparen, ist es wichtig das Sparziel festzulegen“, sagt Stecher. „Wenn das Ziel ist, zum Beispiel die drohenden Nachzahlungen von Strom und Gas zahlen zu können, macht es durchaus auch Sinn, monatlich kleinere Beträge auf das Tagesgeldkonto zu überweisen und so zu sparen“, sagt Stecher.

Zwar gebe es immer noch so gut wie keine Zinsen für Geld auf dem Tagesgeldkonto und somit wird auch die Inflation keinesfalls ausgeglichen, dafür unterliegt die Wertentwicklung keinen Schwankungen: Das, was eingezahlt wurde, bekommen Kunden auch jederzeit wieder raus – egal ob 50 oder 1000 Euro.