Dem Grundwasser, über das die Bundesrepublik in Hülle und Fülle verfügt, droht nach Auskunft des Verbands kommunaler Unternehmen Gefahr: Vor allem nitrathaltige Düngemitteleinträge aus der Landwirtschaft dürften in wenigen Jahren dazu führen, dass unbelastetes Grundwasser vielerorts nicht mehr zur Verfügung steht und Brunnen geschlossen werden müssen. Deutschland weise EU-weit die zweithöchsten Nitratrückstände im Grundwasser auf, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Katherina Reiche: „Das ist kein gutes Zeugnis, davon müssen wir weg.“ Trinkwasser sei schließlich das Lebensmittel Nummer eins.

Besonders von Verunreinigungen betroffen sind laut VKU Regionen mit intensiver Landwirtschaft und Viehhaltung. Schon heute seien mehr als die Hälfte aller Reservoirs in Niedersachsen mit Nitratkonzentrationen belastet, die über dem EU-weit vorgeschriebenen Höchstwert von 50 Milligramm pro Liter liegen, kritisiert Olaf Schröder, Geschäftsführer des Wasserverbands Peine. Die von der Bundesregierung im Sommer vorgelegte Neufassung der nationalen Düngemittelverordnung sei nicht geeignet, die EU-Richtwerte zu unterschreiten.

Grenzwerte überschritten

In der Tat sieht der Entwurf vor, dass pro Hektar und Jahr bis zu 170 Kilogramm Nitratdünger erlaubt sein sollen. Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie setzt hingen die Höchstgrenze bei 100 Kilogramm pro Hektar an, um den 50-Milligramm-Richtwert einhalten zu können.

Dieser Wert wird laut Schröder weitflächig und teils drastisch überschritten. So liege die Konzentration im Sickerwasser mancherorts bei 200 Milligramm und mehr. Ein Großteil der Rückstände werde derzeit noch von den Bodenschichten oberhalb der Grundwasserreservoirs aufgefangen. „Aber dieser Puffer hält nicht ewig. Wie ein vollgesogener Schwamm können die Böden Schadstoffe irgendwann nicht mehr aufnehmen und geben sie nach unten weiter“, warnt der Wasserverbandschef. Je nach geologischer Beschaffenheit könne dieser Prozess zwei, fünf, 20 oder auch 40 Jahre dauern: „Schon heute haben wir Brunnen, die nach zwei Jahren wieder geschlossen werden müssen. Das ist sehr besorgniserregend.“

Das zentrale Manko des Grundwasserschutzes sieht der VKU in der falschen Prioritätensetzung der Bundespolitik. Bislang stünden die Interessen der Landwirtschaft im Vordergrund, wie die Nitratverordnungsnovelle zeige. „Für optimale Erträge sind 170 Kilo pro Hektar geeignet, für den Schutz des Grundwassers ist das viel zu hoch“, sagt Schröder. Laut VKU müsse die Rangfolge umgekehrt werden: An die erste Stelle gehörten Grundwasser schonende Nitrat-Grenzwerte, an zweite Stelle die Optimierung der Erträge.

Dabei ist das Nitrat ein wohl drängendes, aber nicht das einzige Problem. Hinzu kommen laut Reiche Verunreinigungen durch Pflanzenschutzmittel und Tiermedikamente sowie die Gasförderung vornehmlich in Norddeutschland.

Was passiert, wenn nichts geschieht? Dann wird es laut VKU, der 95 Prozent der Trinkwasserversorgungsunternehmen vertritt, kostengünstiges, sauberes, unbehandeltes Grundwasser irgendwann nicht mehr geben. Die 121 Liter Trinkwasser, die jeder Deutsche pro Tag im Durchschnitt verbraucht, werden dann technisch aufbereitet, also chemisch gefiltert, gechlort und künstlich mineralisiert aus dem Hahn kommen. Und teurer wird es auch: Laut Umweltbundesamt würden die durchschnittlichen Wasserpreise gegenüber dem heutigen Stand um 50 bis 80 Prozent steigen.