Brüssel - Klimaschutz durch private Investments? In Folge des Pariser Klima-Abkommens will die EU ihren Treibhausgas-Ausstoß massiv absenken. Um Industrie und Infrastruktur umzustellen, sind aber gewaltige Investitionen nötig. Die EU-Kommission will nun die Finanzmärkte dazu nutzen. Am Donnerstag soll in Brüssel ein entsprechender Gesetzesvorschlag zur Förderung grüner Investments vorgestellt werden. Ein Überblick:
Warum sieht die EU-Kommission Bedarf zur Förderung nachhaltiger Geldanlagen?

Um 40 Prozent will die Europäische Union ihre Treibhausgase bis 2030 im Vergleich zu 1990 senken. Damit sollen Zusagen aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 umgesetzt werden. Dafür müssten jedoch zusätzlich 180 Milliarden Euro jährlich klimafreundlich investiert werden. „Das liegt weit jenseits der Möglichkeiten der öffentlichen Hand“, sagte der zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis bereits zuletzt. Nun sollen „grüne“ Geldanlagen regulatorisch unterstützt werden.

Wie könnte das geschehen?

Eine Gruppe von Fachleuten hatte Anfang des Jahres im Auftrag der EU-Kommission eine Reihe an Ideen vorgelegt. Im März konkretisierte die Brüsseler Behörde die Pläne etwas. Demnach könnte unter anderem ein EU-Label für grüne Finanzprodukte kommen. Außerdem könnten unter Umständen die Kapitalanforderungen für Banken gelockert werden, wenn sie Kredite für nachhaltige Projekte vergeben.

Wie sieht der Markt für grüne Finanzprodukte derzeit aus?

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank ist das Interesse privater Investoren an grünen Geldanlagen in den vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Zwischen 2006 und 2016 hat sich das Anlagevolumen in nachhaltige Investments in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr als verzwölffacht – von rund 20 Milliarden auf über 240 Milliarden Euro.

Das ist aber im Vergleich zu klassischen Anlagen nach wie vor wenig. Bis Ende März 2018 legten Sparer und institutionelle Anleger nach Angaben des Fondverbandes BVI 20,6 Milliarden Euro in Publikumsfonds mit dem Merkmal „Nachhaltigkeit“ an. Das entspricht gerade einmal etwa 2 Prozent des Publikumsfondsvermögens von insgesamt 1021 Milliarden Euro.
Im vergangenen Jahr zahlten Anleger unterm Strich 2,7 Milliarden Euro neue Gelder in diese Nachhaltigkeits-Fonds ein. Zum Vergleich: Insgesamt sammelten Publikumsfonds netto 71,8 Milliarden Euro neue Gelder ein.

Wie stehen die Chancen, dass der Brüsseler Vorschlag umgesetzt wird?

Das ist noch nicht ganz absehbar. Dombrovskis sagte zuletzt, im Kreis der EU-Finanzminister gebe es breite Zustimmung für mehr Nachhaltigkeit im europäischen Finanzsystem. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich bereits ebenfalls für die Ideen stark gemacht. Der Teufel dürfte aber im Detail liegen.

Die Bundesbank sieht etwa den Ansatz kritisch, Kredite für grüne Investitionen in den Bankbilanzen bevorzugt zu behandeln. Nachhaltigkeit gehe nicht automatisch mit verminderten Risiken einher, warnte die Notenbank jüngst. Die Berechnung der Eigenkapitalanforderungen sollte nur vom Risikogehalt des Kredites abhängen. Ähnlich äußerte sich bereits der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. In jedem Fall dürften zwischen den EU-Staaten und im Europaparlament hitzige Diskussionen bevorstehen. (dpa)