Aber Inflation bedeutet Vernichtung von Erspartem. Wie können Sie das als Vermögensverwalter wollen?

Es geht nicht anders. Eine bessere Lösung wäre nur, dass die Staaten ihre Schulden konsequent zurückfahren. Doch das wird nie geschehen, weil Politiker, die solch harte Maßnahmen treffen, abgewählt werden, weil es nun einmal weh tut. Doch man kann sich ja als Anleger vor der Geldentwertung auch schützen, zum Beispiel indem man Gold kauft. Denn Gold lässt sich nicht beliebig vermehren.

Was bleibt dem Anleger noch außer Gold?

Eine Idee wären Anleihen aus asiatischen Ländern wie Singapur, Taiwan oder Hongkong, weil diese Länder sich in den nächsten Jahrzehnten deutlich besser entwickeln dürften als Europa und die USA. Auch gute Immobilien dürften an Wert zulegen. Besonders interessant ist Berlin, wo noch ein erheblicher Nachholbedarf besteht. Das haben auch schon viele reiche Griechen bemerkt, die ihr Geld aus der Heimat abziehen und den Berlinern jetzt die Wohnungen vor der Nase wegschnappen.

Was ist mit Aktien?

Auch Aktien dürften von einem inflationären Umfeld profitieren. Doch momentan wäre ich da noch vorsichtig. Erst wenn es mit dem Gelddrucken richtig losgeht, werden Aktien wieder deutlich steigen. Vorher dürfte es für Aktien noch recht holprig laufen.

Welches Ausmaß wird die Inflation haben, die durch das Gelddrucken, ausgelöst wird?

Unmittelbar droht hier keine allzu große Gefahr. Denn noch bremst die Globalisierung den Preisanstieg. Schauen Sie, die Chinesen bekommen für ihren Teil an der Fertigung eines iPhones gerade mal acht Dollar. Solange Länder wie China in der Lage sind, so billig zu produzieren, wird es keine nennenswerte Inflation geben. Auch die stärkere Regulierung der Banken wird die Inflation bremsen. Denn wenn sie mehr Eigenkapital vorhalten müssen, können sie auch weniger Kredite vergeben, die die Inflation anheizen. Und schließlich bremst die hohe private Verschuldung die Inflation: Insbesondere die Amerikaner stottern jetzt lieber ihre Kredite ab, als neue Anschaffungen zu tätigen.

Wann also kommt die große Inflation?

Ich schätze, es wird 2013 losgehen. Im nächsten Jahr dürfte die Konjunktur einbrechen und das wird die Zentralbanken zwingen, die Notenpresse anzuwerfen. Und dann wird irgendwann auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigen. Das wird der Startschuss für die große Inflation sein.

Was macht Sie so sicher, dass Politiker und Notenbanker den Mut haben werden, diese radikalen Lösungen durchzusetzen?

Es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Sonst werden die Geberländer, allen voran Deutschland, so viel zahlen müssen, dass sie ihrerseits im Schuldensumpf versacken. Und das wäre dann das endgültige Ende der europäischen Idee.

Das Gespräch führte Sebastian Wolff.