Seit die neue Partei AfD um Wählerstimmen wirbt, wird die Frage wieder lebhaft diskutiert: Wäre Deutschland ohne Euro besser dran? Und da der Parteivorsitzende der Afd, Bernd Lucke, im Hauptberuf Professor der Volkswirtschaftslehre ist, darf man ihm zumindest etwas Kompetenz unterstellen. Doch wie gut wäre die deutsche Volkswirtschaft wirklich dran, wenn Luckes Forderung „Zurück zur D-Mark“ Realität würde? Dieser Frage widmet sich die Bertelsmann Stiftung in einer frischen Studie, die sie beim renommierten Prognos-Institut in Auftrag gegeben hat. Und siehe da: Deutschland zieht unterm Strich erheblichen Nutzen aus der Gemeinschaftswährung, lautet die Kernbotschaft. Das gelte selbst für den Fall, dass Deutschland 60 Prozent seiner Forderungen aus den verschiedenen Euro-Rettungsmaßnahmen abschreiben müsste.

Den günstigsten Fall für den Vergleich

Die Studie versucht anhand von Modellrechnungen abzuschätzen, ob Deutschland im Jahr 2025 mit Euro besser dasteht, oder mit der D-Mark, die dieses Jahr eingeführt würde. Dabei lassen die Autoren den Austritt selbst außer Acht, der ihrer Meinung nach mit großer Wahrscheinlichkeit eine Weltwirtschaftskrise zur Folge hätte. Und, ebenso wichtig: Sie betrachten nur die Realwirtschaft, also nicht die Folgen der D-Mark-Einführung für die Bilanzen von Banken sowie die Portfolios der Lebensversicherer. Sprich: Sie nehmen den mit Abstand günstigsten Fall für den Vergleich. Keine Turbulenzen, keine Betrachtungen der Abschreibungen in den Bilanzen der Finanzwirtschaft.

Welche Faktoren spielen eine Rolle bei der Modellrechnung? Erstens Transaktionskosten, weil sich die Unternehmen nicht nur gegen Währungsschwankungen für die Exporte auf die Weltmärkte absichern müssten, sondern auch für die Exporte in die alten Euro-Länder, die noch für gut 40 Prozent aller Ausfuhren stehen. Zweitens schwächt sich die Preistransparenz durch die unterschiedlichen Währungen ab, was wie ein Zoll wirkt, weil es den Preiswettbewerb reduziert.

Drittens und am wichtigsten ist der Aufwertungseffekt der neuen D-Mark, da er hiesige Waren verteuert. Dabei gehen die Autoren der Studie vorsichtig vor und drehen nur die Uhr zurück auf das Jahr 1999 als der Euro eingeführt worden ist. Seither hat der reale Wechselkurs der deutschen Wirtschaft um 23 Prozent abgewertet, während der reale Wechselkurs des übrigen Eurolands um sieben Prozent anstieg. Das machen die Autoren in ihren Annahmen wieder rückgängig. Viertens nehmen sie in der D-Mark ein neidrigeres Zinsniveau an.

Das Ergebnis: Das künftige Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts fiele mit der D-Mark jährlich um einen halben Prozentpunkt niedriger aus. Ohne diesen Wachstumsanteil gäbe es in Deutschland 200 000 Arbeitsplätze weniger. Würden die von Prognos errechneten Wachstumsvorteile der Euro-Mitgliedschaft zwischen 2013 und 2025 aufaddiert, ergäbe sich ein volkswirtschaftlicher Gewinn in Höhe von fast 1,2 Billionen Euro. Mit diesem Geld lassen sich viele Anleihen von Krisenstaaten abschreiben!

Damit reiht sich die Bertelsmannstudie in die Reihe vieler vorsichtiger Abschätzungen ein, die fast ausnahmslos zum Schluss kommen: Vorteil Deutschland. Deshalb: Wenn es der neuen Partei wirklich um den Wohlstand der Bürger dieses Landes ginge, dann dürfte es sie nicht geben.