Emmanuel Macron 
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In Paris und einer Reihe anderer französischer Großstädte gilt angesichts der massiv steigenden Zahlen an positiv auf Corona getesteten Personen bereits die höchste Warnstufe. Am Mittwochabend könnte Präsident Emmanuel Macron weitere Verschärfungen ankündigen.

In Tiefrot (auf Französisch "rouge écarlate", Scharlachrot) sind die Corona-Hotspots auf der Karte des französischen Gesundheitsministeriums markiert. Dazu gehören mit der Hauptstadt Paris inzwischen neun Ballungsräume und ein Überseegebiet. Der Großraum Marseille, zu dem auch Aix-en-Provence zählt, ist ebenso betroffen wie die Großstädte Lyon, Grenoble, Saint-Etienne, Lille, Toulouse und Montpellier. Dazu gehört auch die Inselgruppe Guadeloupe in der Karibik.

Mit der höchsten Warnstufe gehen strikte Schutzmaßnahmen einher: Unter anderem müssen Bars, Cafés und Fitnessclubs sowie Schwimmbäder schließen, Restaurants dürfen nur unter Auflagen offen bleiben.

Die Warnstufe ist erreicht, wenn die Schwelle von 250 positiv Getesteten pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche überschritten wird, diese sogenannte Inzidenz bei den über 65-Jährigen bei mehr als 100 liegt und wenn zudem 30 Prozent der Intensivbetten belegt sind.

Geht die Zahl der Neuansteckungen in einem betroffenen Gebiet nicht zurück und steigt die Belegung der Intensivbetten in den Krankenhäusern auf 60 Prozent, kann die Regierung einen örtlichen "Gesundheits-Notstand" (urgence sanitaire) ausrufen.

Um eine "Gesundheitskatastrophe" abzuwehren, hat die Regierung umfassende Vollmachten. Sie kann die Schließung von Schulen und Hochschulen anordnen, nächtliche Sperrstunden oder sogar eine Ausgangssperre für die Bürger in dem betroffenen Gebiet.

Für Mittwochabend wurden neue Ankündigungen von Präsident Macron vor allem für den Pariser Raum erwartet. Die Krankenhäuser der Hauptstadt schlagen bereits Alarm: Ihr Generaldirektor Martin Hirsch warnt, dass bis Ende Oktober bis zu tausend Corona-Patienten auf den Intensivstationen der 39 Pariser Kliniken liegen könnten, das entspräche 90 Prozent ihrer normalen Kapazität.

Bereits zwischen dem 24. März und dem 10. Juli galt in Frankreich ein Gesetz für einen landesweiten Gesundheits-Notstand, mit dessen Hilfe die Regierung den allgemeinen Lockdown durchsetzte. Auch mit Auslaufen des Gesetzes konnte die Regierung scharfe Maßnahmen verhängen: etwa die Bewegungsfreiheit einschränken und eine Corona-Testpflicht oder Quarantäne für Einreisende anordnen.

Eigentlich sollten diese Sondervollmachten Ende Oktober enden. Aber wegen der gestiegenen Positiv-Tests hat die Regierung ein neues Gesetz für einen Gesundheits-Notstand ins Parlament eingebracht. Die Nationalversammlung hat bereits in erster Lesung zugestimmt, als nächstes wird ein Votum im Senat erwartet. Einen neuen landesweiten Lockdown will die Regierung nach den Worten von Premierminister Castex aber "mit allen Mitteln" vermeiden.

In Österreich und der Schweiz ist die Zahl der positiv  mit dem Coronavirus Getesteten auf Rekordwerte gestiegen. Binnen Tagesfrist wurden nach Angaben des Wiener Gesundheits- und Innenministeriums vom Mittwoch 1346 neue Fälle gezählt. In der Schweiz und Liechtenstein waren es 2823, etwa doppelt so viele wie am Vortag, wie das Bundesamt für Gesundheit berichtete.

In Österreich ist der Wert unter Berücksichtigung der Zahl der Einwohner etwa doppelt so hoch wie in Deutschland, in der Schweiz sogar fünf Mal so hoch. In der Schweiz waren es auf dem Höhepunkt der Pandemie am 23. März knapp 1500 Fälle gewesen. Auch die Belegung der Betten mit Covid-19-Patienten auf Intensiv- wie Normalstationen in Österreichs Kliniken stieg zuletzt an.

Kroatien und Slowenien haben am Mittwoch ebenfalls jeweils Rekordwerte an neuen Positivtests mit dem Coronavirus verzeichnet. In den vergangenen 24 Stunden sei in Kroatien bei 748 Menschen Sars-CoV-2 nachgewiesen worden, teilte der Krisenstab in der Hauptstadt Zagreb mit. Die bisher höchste Zahl von 542 Neuinfizierten war im 4,2-Millionen-Einwohner-Land am 8. Oktober registriert worden.

Im benachbarten Slowenien, einem Land mit 2,1 Millionen Einwohnern, meldeten die Behörden am Mittwoch 707 Neuansteckungen mit dem Coronavirus.

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