Es gab in der Vergangenheit viele Vorschläge, wie die Eurokrise zu lösen, wie die nächste zu verhindern sei. Doch ein höchstinteressanter fehlte noch. Michael Burda hat diesen jetzt erstmals öffentlich in Berlin bei einer Buchpräsentation vorgestellt. Für den renommierten Makro-Ökonom der Humboldt-Uni ist der Aufbau der Europäischen Zentralbank (EZB) eine der wichtigsten Krisenursachen.

Der Experte plädiert deshalb für die Abschaffung der nationalen Notenbanken. „Es geht um Geld und Kredit, nicht um die Nationen“, sagt Burda der Berliner Zeitung. Er sorgt sich um die Unabhängigkeit der EZB, weil in der Krise immer offensichtlicher werde, dass die Mitglieder des EZB-Rates die nationalen Interessen in den Vordergrund rückten. Das führe zur Spaltung und gefährde eine angemessene Geldpolitik.

Erst vor dem Wochenende hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann für Aufsehen gesorgt, weil er die französische Regierung für deren Haushaltspolitik kritisierte. „Das ist für mich kein Sparen“, tönte Weidmann. Und schon wird aus einer ökonomischen Debatte eine unnötige nationale: Deutschlands Disziplin versus Frankreichs Schludrigkeit.

Es könne passieren, so Burda, dass in einigen Jahren, wenn die Krise abebbe und Euroland höhere Zinsen brauche, die Zentralbankmitglieder aus den hochverschuldeten Staaten das zu verhindern wüssten – im Sinne ihrer nationalen Finanzminister. „Dann wird es gefährlich“, sagt Burda, weil eine solchermaßen politisierte Geldpolitik die Inflation anheizen könnte.

Burdas Idee ist einfach und radikal zugleich und hat ein historisches Vorbild: die USA und deren Notenbank Fed. Im Dezember 1913 wurde ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die Vereinigten Staaten in zwölf Notenbank-Distrikte aufteilte. Der Charme dabei: Die 50 Bundesstaaten wurden nicht nur einfach auf zwölf Finanzbezirke aufgeteilt, die Distriktgrenzen gehen oft mitten durch einzelne große Bundesstaaten. Durch diese geschickte Aufteilung könne kein Gouverneur seinen Notenbankchef anrufen, um für niedrigere Zinsen Stimmung zu machen, erklärt Burda. „Das tut der Unabhängigkeit der Fed und ihrer Geldpolitik gut.“

Vorteile für Deutschland

Die Gründungsväter des Euro seien nicht konsequent genug gewesen bei der Konstruktion der Währungsunion. Der Vorteil einer komplett entnationalisierten Europäischen Zentralbank sei auch ein ökonomischer, sagt Burda. Die Zahlungs- und Leistungsbilanzsalden zwischen den Ländern würden keine Rolle mehr für die Geldpolitik spielen. Allein die privaten Kapitalströme würden für die Finanzierung von Überschüssen und Defiziten sorgen und letztlich dafür auch haften. „Die ganze Debatte um die Target-Salden und wie stark Deutschland haftet, existiert nur, weil es noch die Bundesbank und die spanische Notenbank gibt“, erklärt der Professor, der einer der Experten der Euro-Krisendebatte ist.

Ohne die Bundesbank könnte Deutschland den Wirtschaftsraum Euroland viel besser für sich nutzen. Die hohen Überschüsse nämlich, die dadurch zustande kommen, dass Deutschland zu viel exportiert und zu viel spart, würden in Burdas Welt gar nicht so leicht entstehen. Denn es käme viel stärker als bisher auf die Kreditwürdigkeit der Schuldner an, um die Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren, als auf deren nationale Herkunft. Genauso hätte das Distriktsystem Vorteile für die EZB, die nicht mehr so viele Schrottpapiere von Banken in Schuldnerländern akzeptieren müsste, weil sie derart entnationalisiert, dem politischen Druck viel besser Stand halten könnte. Mit EZB-Distrikten wäre es auch nie zu der heftigen Kapitalflucht aus Südeuropa gekommen, ist sich Burda sicher. Außerdem wäre die gefährliche Verbindung zwischen nationalem Bankensystem und nationalen Staatsfinanzen ein Stück weit unterbrochen worden.

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Und wie sähe Euroland nach der Burda’schen Neuaufteilung aus? Für die Berliner Zeitung hat der Professor seine Idee exklusiv skizziert (siehe Karte). Burda plädiert für fünf große Distrikte, deren Grenzen nach US-Vorbild quer durch die Regierungsbezirke der Euroländer verlaufen. Auch Deutschland wird dabei zumindest geldpolitisch neu aufgeteilt.