Mehr Geld ausgeben, als man hat – das geht, wenn die Bank einen Dispokredit einräumt. Den lässt sie sich allerdings teuer bezahlen. Wer auf dem Girokonto ins Minus gerät, muss der Bank das Geld zurückgeben – plus Zinsen. Die Dispozinsen liegen laut dem Kreditportal Smava aktuell im Schnitt bei 9,43 Prozent. Und sie könnten weiter steigen. Erhöht die EZB im Juli den Leitzins, könnten in der Folge die ohnehin schon teuren Dispokredite noch teurer werden, so die Einschätzung des Kreditportals.

Laut Smava befinden sich im Schnitt 8,7 Prozent der Deutschen, also rund sechs Millionen Menschen, im Dispo. Viele Menschen nutzen den Dispo aktiv, um damit beispielsweise ihren Urlaub zu finanzieren, ergab eine Yougov-Umfrage vor einem Jahr.

Dispozins könnte auf 11 Prozent steigen

„Würde der Leitzins auf 0,25 Prozent oder später sogar auf 0,5 Prozent erhöht, könnte der Dispozins auf im Schnitt rund 11 Prozent steigen. So viel kosteten Dispokredite, als der Leitzins das letzte Mal bei 0,25 bis 0,5 Prozent lag“, sagt Alexander Artopé, Geschäftsführer von Smava.

Diese Einschätzung teilt auch Horst Biallo vom Verbraucherportal Biallo: „Die meisten Banken und Sparkassen nehmen heute jede Gelegenheit wahr, zu mehr Einnahmen zu kommen. Daher rechne ich stark damit, dass sie auch bei den Dispo- und Überziehungszinsen an der Schraube drehen“, so der Experte.

„Wer immer wieder einmal sein Konto überziehen will oder muss, sollte sich besser einen ‚Externen Dispo‘ bei einer Direktbank besorgen“, rät Biallo. Bei der Volkswagen Bank gebe es einen Rahmenkredit beispielsweise für aktuell 2,95 Prozent, bei der ING für 5,99 Prozent. Aber Vorsicht: Wer diese Kredite nutzt und zugleich bei seiner Hausbank einen Dispo voll ausschöpft, kann schnell in die Verschuldung geraten. „Besser man beantragt ihn und löst damit den bisherigen Dispo ab, um Zinsen zu sparen“, so Biallo.

Ratenkredit als Alternative zum Dispokredit

Auch Dajana Gillmaier von der FMH-Finanzberatung rechnet mit steigenden Dispozinsen: „Wir gehen davon aus, dass die Banken die Dispozinsen infolge einer Leitzinserhöhung anpassen werden, allerdings nicht sofort“, sagt sie. Im ersten Schritt würden Verwahrentgelte, sogenannte Negativzinsen wegfallen.

Wer sein Konto dennoch überziehen muss, sollte genau abwägen: „Handelt es sich um eine langfristige Überziehung ist der Ratenkredit häufig die bessere Alternative“, sagt Gillmaier. Auch hier steigen die Zinsen zwar schon in Erwartung auf eine Leitzinserhöhung, mit drei bis vier Prozent im Schnitt ist ein Ratenkredit aber immer noch günstiger, als langfristig im Dispo zu stecken.

Überziehungszinsen noch teurer

Wird hingegen nur kurzfristig mehr Geld gebraucht, als da ist, sollten Verbraucher nach Ansicht der Finanzexpertin eher die höheren Dispozinsen in Kauf nehmen, anstatt einen Ratenkredit abzuschließen. „Der Vorteil ist, dass die Schulden mit dem nächsten Gehaltseingang direkt wieder ausgeglichen werden“, so Gillmaier. Aufpassen sollten Verbraucher, dass sie den Disporahmen nicht überschreiten. Dann berechnen Banken Überziehungszinsen, die noch höher liegen: Laut FMH-Finanzberatung bei bis zu 16 Prozent.

Dass die EZB den Leitzins in einem ersten Schritt im Juli anhebt, ist wahrscheinlich. Die Maßnahme soll der hohen Inflation im Euroraum entgegensteuern. Bereits für September erwarten Beobachter einen weiteren Zinsschritt – den Banken dann an ihre Kunden weitergeben.