Symbolbild: Sparschwein.
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BerlinDie Schwelle zum Ruhestand ist meist auch eine Schwelle in Finanzdingen. Um die Rente aufzubessern, haben viele während des Arbeitslebens privat etwas zurückgelegt. Wird dann die Lebensversicherung fällig, stellt sich häufig die Frage: Was tun damit, wird das Geld nicht gleich benötigt? Zinsen werden von der Inflation aufgefressen, Börsenanlagen sind nicht ohne Risiko. Wie man dennoch auch im Alter noch einiges zusammensparen kann, das war das Thema bei unserem Telefonforum. Die Fragen unserer Leserinnen und Leser beantworteten die Finanzfachleute Petra Hauschulz von der Stiftung Warentest/Finanztest und Frank Schöndorf vom deutschen Fondsverband BVI. Hier eine Zusammenfassung:

Ich habe breit gestreute ETF (börsengehandelte Fonds) und überlege jetzt, etwa 10.000 Euro in Aktien von klassischen Unternehmen oder Wohnungsbauunternehmen anzulegen. Was raten Sie?

Generell ist bei dieser Summe von Einzelaktien abzuraten, da hier keine angemessene Streuung möglich ist. Auch auf eine einzelne Branche wie Wohnungsbauunternehmen sollten Sie sich nicht festlegen, da hier wegen der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt die Kurse bereits hoch sind. Suchen Sie sich besser einen global und einen europaweit anlegenden Fonds – auch wenn Sie bereits breit gestreute Fonds haben.

Sollte man den Aktienanteil jetzt verringern? Mir ist weltwirtschaftlich gesehen zu viel Unsicherheit im Markt. Ich habe 70 Prozent meiner Anlagen in Aktien und bin jetzt 58 Jahre alt. Was wären die Alternativen?

Alternativen gibt es wenige. Bei Festgeld und Tagesgeld gibt es fast keine Zinsen. Bei festverzinslichen Wertpapieren gibt es ebenfalls kaum Zinsen, und es besteht das Risiko des Verlustes, sollten irgendwann die Zinsen steigen. Vielleicht legen Sie einen Anteil von zehn Prozent in einen offenen Immobilienfonds. Dort haben Sie geringe Wertschwankungen. Über die letzten zehn Jahre betrachtet lag die Wertentwicklung im Schnitt bei zwei bis drei Prozent jährlich. Wichtig ist, dass Sie offene Immobilienfonds eher als langfristige Geldanlage ansehen, also mindestens über fünf, besser über zehn Jahre. Die Mindesthaltedauer beträgt zwei Jahre. Ansonsten sind breit streuende Aktienfonds empfehlenswert.

Kann ich bei der Insolvenz der Fondsgesellschaft alles verlieren, wenn ich dort angelegt habe?

Fondsanteile gelten als Sondervermögen und sind im Fall einer Insolvenz geschützt. Das Sondervermögen muss getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt werden. Es kann nicht an die Gläubiger fallen. Es spielt keine Rolle, ob die Anteile bei einer Bank, direkt bei einer Fondsgesellschaft oder bei einem unabhängigen Vermittler gekauft wurden.

Kann ich meinen Fonds zur Not verkaufen, wenn ich das Geld brauche?

Ja, das ist möglich. Sie können Fondsanteile börsentäglich verkaufen. Aber besser ist es, einen Notgroschen in Form von Tagesgeld zu haben. Eine Fondsanlage sollte man von vornherein mit fünf, besser zehn Jahren planen. Damit lassen sich die Wertschwankungen ausgleichen und man kann eine ordentliche Rendite erwirtschaften.

Ich bin jetzt Mitte 50, bekomme bereits eine Rentenversicherung ausgezahlt, in Renten gehen will ich mit 63. Kann ich die Summe bei der Rentenversicherung einzahlen und damit die Abschläge ausgleichen?

Ja, das ist eine Möglichkeit. Vereinbaren Sie zunächst bei der Deutschen Rentenversicherung eine Kontenklärung und lassen Sie sich ausrechnen, wie hoch Ihre gesetzliche Rente voraussichtlich sein wird. Dort kann man Ihnen ebenfalls ausrechnen, wie viel Sie einzahlen müssten, um die Abschläge mit 63 auszugleichen.

Ich bekomme jetzt eine Versicherung ausgezahlt. Ist es besser, den monatlichen Betrag oder die Einmalzahlung zu nehmen?

Das ist von den persönlichen Umständen abhängig. Wenn Sie das Geld zum Lebensunterhalt benötigen, ist die monatliche Zahlung zu empfehlen – auch auf das Risiko hin, dass bei einem vorzeitigen Tod das restliche Geld weg wäre. Benötigen Sie die Summe nicht sofort, können Sie die Einmalzahlung nehmen und diese neu anlegen.

Für eine Geldanlage ohne größere Wertschwankungen wurden mir offene Immobilienfonds empfohlen. Raten Sie das auch?

Man muss natürlich immer die persönliche Finanzsituation betrachten, aber generell ist das eine Variante. Offene Immobilienfonds legen ihre Gelder in zahlreichen Immobilien an. Dabei wird auf eine breite Streuung der Objekte nach Lage, Alter und Laufzeiten der Mietverträge geachtet. Die Wertschwankungen sind in der Tat eher gering. Sehen Sie solch einen Fonds auf alle Fälle als längerfristige Anlage, denn es gibt einen Ausgabeaufschlag von etwa fünf Prozent. Dieser muss erst einmal erwirtschaftet werden.

Ich bekomme etwa 65.000 Euro aus meiner Lebensversicherung. Ich brauche das Geld nicht und würde es lieber für meinen Enkel sparen. Wie lege ich es am besten an?

Streuen Sie den Betrag auf verschiedene Fonds, beispielsweise Aktienfonds, die global, europaweit und in deutschen Werten anlegen. Dazu ein gemischter Fonds, der sowohl in Aktien als auch in festverzinsliche Papiere anlegt und in der Regel geringere Wertschwankungen aufweist als ein Aktienfonds. Auch ein offener Immobilienfonds käme in Betracht. Noch ein Tipp: Legen Sie nicht den gesamten Betrag an einem Tag an. Stattdessen sollten Sie die Fondsanteile über einen Zeitraum von mehreren Monaten verteilt erwerben. So vermeiden Sie es, zu einem ungünstigen Zeitpunkt einzusteigen.

Was mache ich mit meinem Fondssparplan, wenn ich in Rente gehe?

Ich weiß noch nicht, ob ich monatlich weiter einzahlen kann.
Sie sind nicht gezwungen, weiter regelmäßig einzuzahlen. Da ein Fondssparplan flexibel ist, können Sie je nach finanzieller Lage die Einzahlungen fortsetzen oder beenden und wieder aufnehmen. Sollten Sie das Geld für Ihren monatlichen Lebensunterhalt benötigen, können Sie Ihren Einzahlplan in einen Auszahlplan umwandeln und bekommen monatlich einen festen Betrag. Steht eine größere Anschaffung an, können Sie das Ersparte auch als Einmalsumme entnehmen.

Ich will einen Teil meiner Ersparnisse als Sicherheit in Festgeld anlegen. Wie finde ich die besten Konditionen?

Oft bieten Online-Banken etwas bessere Konditionen als Filialbanken. Da sich aber die Konditionen ständig ändern, ist es günstig, wenn Sie auch mit Ihrer Anlage flexibel bleiben können. Vielleicht versuchen Sie es mit der sogenannten Treppenstrategie. Dabei legen Sie Ihr Geld über verschiedene Laufzeiten an, also für ein Jahr, für zwei Jahre, bis zu fünf Jahren. Das Geld, das wieder frei wird, legen Sie dann erneut an.

Meine Lebensversicherung wird demnächst mit etwa 75.000 Euro fällig. Ich möchte einen Teil davon monatlich zur Verfügung haben. Ist ein Fondsauszahlplan günstiger oder eine private Rentenversicherung?

Das ist abhängig von Ihren persönlichen Intentionen. Die monatlichen Auszahlungen einer privaten Rentenversicherung haben den Vorteil, dass Sie einen feststehenden Betrag bis zum Lebensende sicher haben. Es ist also ein wenig eine Wette auf ein langes Leben. Bei der Fondsvariante können Sie die Auszahlungssumme selbst bestimmen und somit mal mehr und mal weniger entnehmen. Ausgezahlt wird, solange Kapital vorhanden ist. Sie haben aber die Chance auf eine annehmbare Rendite und könnten das Restkapital in voller Höhe vererben.

Ich habe mein Geld als Tages- und Festgeld angelegt. Was ist, wenn wirklich Negativzinsen kommen? Welche Alternative habe ich als Endsechziger? Ein großes Risiko will ich nicht mehr eingehen.

Die Inflation eingerechnet, ist unter Umständen Ihre Anlage jetzt schon im Negativen. Insofern ist ohne ein gewisses Risiko kein Gewinn zu erwarten. Als Alternative bieten sich breit gestreute Fonds an. Diese sollten Sie mindestens fünf, besser zehn Jahre halten, was in Ihrem Alter aber durchaus möglich sein dürfte. Aktienfonds haben in der Regel die höhere Rendite, aber auch die höheren Wertschwankungen. Geringere Schwankungen finden Sie bei gemischten Fonds. Allerdings ist hier auch die Wertentwicklung geringer, ebenso wie bei offenen Immobilienfonds.

Mir wurde von meiner Bank ein Ethikfonds empfohlen. Kann man darauf vertrauen, dass solche Fonds wirklich nachhaltiger sind als andere?

Leider gibt es für diese Fonds keine allgemeinverbindlichen Kriterien. Das handhaben die Fondsgesellschaften oder die Fondsmanager nach eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit oder Ethik. Die einen schließen Waffenherstellung aus, andere Kinderarbeit oder Fracking. Ansonsten unterliegen Ethikfonds den gleichen Bedingungen und Marktentwicklungen wie alle anderen Fonds.