Berlin - Claudia Kemfert ist streitbar. Die bekannte Berliner Energieforscherin sieht die Energiewende in Gefahr - und benutzt drastische Worte, um den Rückschritt zu beschreiben.

Die alten Energien und Klimaskeptiker gingen nicht kampflos vom Platz, sondern nutzten Propaganda und „Fake News“, um die öffentliche Meinung umzupolen.

Im Interview spricht sie über die Macht des fossilen Imperiums, postfaktischen Irrsinn und die To-Do-Liste der Bundesregierung.

Frau Professorin Kemfert, Sie testen als führende Energiewende-Verfechterin gerade, ob das Sprichwort stimmt: „Viel Feind, viel Ehr?“ Richtig?

Zum Glück habe ich sehr viel mehr Freunde als Feinde. Als Wissenschaftlerin sehe ich die volkswirtschaftlich notwendige und vernünftige Energiewende in Gefahr.

Aber leider formieren sich die Gegner gerade sehr massiv, während sich die Befürworter der Energiewende in Sicherheit wiegen. Ich warne vor Überheblichkeit. Vordergründig scheint alles in Butter.

Doch hinter den Kulissen wird die Energiewende mit aller Kraft ausgebremst.

Ihre Wortwahl ist hart. „Das fossile Imperium schlägt zurück“ ist der Titel Ihres neuen Buchs. Steht es wirklich so schlecht um die Energiewende? Immerhin schon ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Stroms ist „öko“. Keine Erfolgsgeschichte?

Natürlich ist die Energiewende eine Erfolgsgeschichte. Genau deswegen wird sie von denjenigen bekämpft, die mit herkömmlichen Energien ihr Geld verdienen und das noch möglichst lang weiter tun wollen.

Die Energiewende ist quasi Opfer des eigenen Erfolgs. Leider hat die alte Energiewelt ihre politischen Handlanger, wie man in den USA beobachten kann. Dort schart Präsident Trump eine Regierung aus Klimaskeptikern, Atomlobbyisten und Öl-Industriellen um sich.

Damit wird überdeutlich: Es herrscht Krieg zwischen der alten und der neuen Energiewelt, das fossile Imperium schlägt zurück. Aber das passiert weniger sichtbar, aber genauso drastisch auch in Europa, ja, sogar im Land der Klimakanzlerin.

Deshalb muss die Energiewende jetzt verteidigt werden. Nicht nur die Wissenschaft ist gefordert – auch Bürgerinnen und Bürger müssen sich jetzt für sie einsetzen. Alle gemeinsam.

Im Netz und sichtbar demonstrierend auf der Straße. Auf den beeindruckenden „Women’s March“ und den „March for Science“ kürzlich folgt hoffentlich bald ein ebensolcher globaler „Climate March“.