Rohre mit Wasser geflutet: Ist Nord Stream für immer unbrauchbar?

Die Schäden an den Nord-Stream-Pipelines sind offenbar erheblich. Gazprom sagt, Teile der Rohre müssten völlig neu verlegt werden.

Nach der Explosion
Nach der ExplosionSwedish Coast Guard

Die durch Explosionen schwer beschädigten Röhren der Nord-Stream-Pipelines dürften nur mit großem Aufwand zu reparieren sein. In am Dienstag von der Zeitung Expressen veröffentlichten Videos war zu sehen, dass mindestens 50 Meter von Nord Stream 1 zerstört oder unter dem Meeresboden begraben wurden. Die am Montag in 80 Metern Tiefe gefilmten Aufnahmen zeigten unter anderem große Risse und verbogenes Metall.

Alexej Miller, CEO von Gazprom, sagte dem russischen Sender Perwyj kanal, große Teile der beschädigten Pipelines seien mit Wasser gefüllt. Für Reparaturen müssen erhebliche Teile des Rohrs entfernt und ersetzt werden. Miller sagte, dass es wegen des schnellen Druckabfalls zu einem Totalbruch der Leitung gekommen sei. Dies bedeute, „sehr große Teile der Rohre, einschließlich der nach Russland, sind jetzt mit Meerwasser gefüllt“, sagte Miller. Miller sprach von einem „beispiellosen Terroranschlag“. Und weiter: „Die Experten sagen, dass wir, um den Betrieb nach einem solchen Großangriff wiederherzustellen, praktisch einen großen Teil des Rohrs durchtrennen und tatsächlich ein neues Rohr verlegen müssen.“

Trond Larsen, Drohnenpilot der norwegischen Firma Blueye Robotics, sagte Expressen, nur „extreme Gewalt kann solch dickes Metall auf diese Weise verbiegen“. Es sei zudem „eine sehr große Auswirkung auf den Meeresgrund“ um die Pipeline zu sehen gewesen, ergänzte Larsen, der die Unterwasserdrohne für die Aufnahmen lenkte. Die Rohre sind laut Bloomberg massiv: Jedes Stahlrohr  hat eine Wandstärke von 4,1 Zentimetern und ist mit weiteren 6 bis 11 Zentimetern Stahlbeton ummantelt. Jeder Rohrabschnitt wiegt 11 Tonnen, wodurch sich ein Gewicht von 24 bis 25 Tonnen nach dem Betonieren ergibt.

Die dänische Polizei erklärte, ihre Untersuchungen der Pipelines Nord Stream 1 und 2 in der dänischen Wirtschaftszone hätten bestätigt, dass die Zerstörungen „durch starke Explosionen verursacht“ worden seien. Die Polizei kündigte an, ein gemeinsames Ermittlungsteam mit dem dänischen Geheimdienst PET zu bilden. Laut der schwedischen Zeitung Aftonbladet konzentrieren sich die Ermittlungen der schwedischen Behörden auf die Frage, ob die Pipelines von innen oder von außen gesprengt worden seien.

Sabotageakt gegen eine kritische Infrastruktureinrichtung?

Der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, sagte in einem Interview mit der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, dass russische Experten bei der Ermittlung der Ursachen nicht hinzugezogen worden seien. Netschajew sagte, dass die Verweigerung der Zusammenarbeit als Versuch angesehen würde, die Aufklärung zu verhindern. Netschajew sagte, dass Russland der Bundesregierung mitgeteilt habe, dass die Hinzuziehung  von Vertretern „qualifizierter russischer Behörden und Gazprom für die Aufklärung der Umstände des Vorfalls“ unumgänglich sei.

Entsprechende Anfragen seien „auf offiziellem Wege zugestellt worden“. Netschajew weiter: „Da es sich um einen Sabotageakt gegen eine kritische Infrastruktureinrichtung handelt, ist es allen Hinweisen zufolge notwendig, sich ein absolut vollständiges und wahrheitsgemäßes Bild von dem zu machen, was passiert ist. Russische Spezialisten haben dafür die volle Kompetenz. Da gibt es keine rechtlichen Hindernisse für den Beginn der gemeinsamen Arbeit.“ (mit AFP)