Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), wirkte bei der Bekanntgabe der Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag fahrig und unsicher – obwohl sie eine „historische“ Mitteilung zu machen hatte: Die EZB erhöht erstmals seit elf Jahren die Leitzinsen. Die Zentralbanker erhöhten die drei Leitzinssätze um jeweils 0,5 Prozentpunkte. Außerdem präsentierte die EZB-Chefin ein neues Instrument, mit dem die wachsende Differenz zwischen den Renditen auf Staatsanleihen von Eurostaaten bekämpft werden soll. Das sogenannte Transmission Protection Instrument (TPI) könne aktiviert werden, „um ungerechtfertigten, ungeordneten Marktdynamiken entgegenzuwirken“, wie Lagarde sagte. Sie verwies darauf, dass das umstrittene Instrument, das vor allem eine neue Schuldenkrise verhindern soll, „einstimmig“ beschlossen worden sei, also auch mit der Stimme der Bundesbank. Die deutsche Geldpolitik hatte sich bisher traditionell gegen Sonderbehandlungen ausgesprochen.
Preise steigen: Kann die EZB die Inflation noch stoppen?
Die EZB hat sich verrannt. Auf Christine Lagarde sollten die von der Inflation geplagten Europäer keine allzu großen Hoffnungen setzen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz am 21. Juli in Frankfurt am MainAFP/Daniel Roland