Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt in Warteposition. Am Donnerstag beschloss sie keine weiteren Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur in der Euro-Zone. Die Zentralbank hofft – auf den Aufschwung. EZB-Chef Mario Draghi stellte jedoch klar: Sollten sich die Konjunkturaussichten eintrüben oder die Zinsen unerwünscht erhöhen, so „sind wir bereit, jedes Mittel einzusetzen, das zu unserer Verfügung steht, ich betone: jedes“. Damit schloss Draghi auch Anleihekäufe durch die EZB nicht aus.

Die EZB steht vor einem Problem: Seit langem bietet sie den Geschäftsbanken jede Summe, die sie haben wollen, zu minimalen Zinsen. Sie hat den Leitzins auf 0,25 Prozent gesenkt. 2011 und 2012 lieh sie den Banken insgesamt eine Billion Euro über drei Jahre. Die Hoffnung war, die Banken würden dadurch mehr Kredite an Unternehmen und private Haushalte geben, so deren Zahlungsfähigkeit erhöhen und die Konjunktur anfeuern.

Doch dies geschieht bislang nicht, im Gegenteil. Die Kreditvergabe an Unternehmen schrumpft, allein im November um mehr als drei Prozent. Das hat verschiedene Gründe. Einige Geldhäuser halten sich wegen der schlechten Konjunkturaussichten mit neuen Darlehen zurück. Andere bilanzieren einen steigenden Anteil an faulen Krediten und leihen deswegen nicht. Viele Unternehmen und Haushalte in Europa haben bereits hohe Schulden und können sich neue Kredite nicht leisten. Andere Unternehmen wiederum sitzen auf großen Bargeld-Reserven und brauchen angesichts der flauen Wirtschaftslage kein frisches Geld.

Noch erwartet die EZB offiziell, dass sich die Konjunktur in Europa dennoch festigt. Tatsächlich deuten die Stimmungsindikatoren auf einen kleinen Aufschwung in Europa hin. Die harten Daten jedoch haben bislang enttäuscht.

Zudem droht Deflationsgefahr: Im Dezember war die Inflationsrate in der Euro-Zone auf 0,8 Prozent gesunken. Sie liegt damit weit unter dem Ziel der EZB von knapp unter zwei Prozent. Draghi betonte am Donnerstag jedoch, die niedrige Inflationsrate sei erwartet worden. Die Teuerung sei durch eine Umstellung der Statistik in Deutschland im Dezember nach unten verzerrt. Aussagekräftig sei daher erst wieder die Januar-Inflationsrate.

Geht es mit der Inflation jedoch weiter abwärts, droht eine Spirale aus sinkenden Preisen, schrumpfenden Umsätzen, höherer Arbeitslosigkeit. Darauf müsste die EZB reagieren. „Wir beobachten die Lage genau und sind bereit zu Handeln“, sagte Draghi. Mit seinen deutlichen Worten wolle Draghi eine klare Botschaft senden, kommentierte Holger Schmieding von der Berenberg Bank: Die EZB werde es nicht zulassen, dass sich das Deflationsrisiko in der Euro-Zone erhöhe.