Mark Zuckerberg gibt sich gern als rotziger Rebell in Flipflops. Doch in der Vorbereitung des Börsengangs eines Unternehmens zeigt der Facebook-Gründer ein ganz anderes Gesicht. Ganz brav macht er das, was die Analysten in den Banken von ihm erwarten. Anfang voriger Woche erwarb er Instagram, einen Fotodienst fürs mobile Internet. Jetzt gibt er die Übernahme von Tagtile bekannt, einem Unternehmen, das erst wenige Monate am Markt ist.

Mit dem Instagram-Deal springt Zuckerberg auf einen der Großtrends im mobilen Internet auf. Es wird insbesondere für junge Nutzer immer mehr ein Medium, in dem nicht gelesen, sondern geguckt wird. Fotos, mit Smartphones geknipst und auch gleich verschickt, gewinnen massiv an Bedeutung – und Instagram ist eine Art soziales Smartphone-Netzwerk für Bilder.

Digitale Rabattmarken

Die Übernahme für eine Milliarde Dollar dürfte den Analysten genauso gefallen wie der Kauf von Tagtile. Ein Preis wurde nicht genannt. Ganz sicher wird er deutlich unter dem Summe liegen, die für Instagram hingelegt wird. Gleichwohl ist Tagtile ein höchst interessantes Unternehmen. Denn mit der Übernahme macht Zuckerberg bei einem anderen Megatrend mit: Marktforscher glauben, dass das Einkaufen und Bezahlen mittels Smartphone in den nächsten Jahren ein Riesengeschäft wird. Dafür hat Tagtile ein System entwickelt, das aus einer kostenlosen Smartphone-App und einem Lesegerät in Form eines weißen Würfels besteht.

Nach Einkauf, beim Verlassen des Geschäftes hält der Nutzer sein Handy an den Würfel. Damit werden seine Daten gespeichert. Zugleich nimmt er an allen möglichen Kundenbindungsprogrammen teil. Es gibt digitale Rabattmarken oder spezielle Sonderangebote – nach dem Prinzip: Wer drei Flaschen Wein kauft, bekommt eine geschenkt.

Für die Betreiber der Läden gibt es also einerseits eine neue Marketingplattform. Andererseits können die Händler durch die von Tagtile gesammelten Daten viel über Gewohnheiten ihrer Kunden erfahren und so Sortimente oder Öffnungszeiten optimieren. Das passt alles bestens ins Facebook-Konzept. Das Unternehmen mit seinen 845 Millionen Nutzern ist schließlich vor allem ein großer und zugleich höchst umstrittener Sammler riesiger Datenmengen.

Rascher Wandel

Was den Investoren indes an den jüngsten Zukäufen ganz besonders gefallen dürfte, ist die Tatsache, dass Facebook damit frühzeitig neue Geschäftsfelder im Wachstumsmarkt mobiles Internet erschließt. Das Unternehmen will damit die Voraussetzungen schaffen, um von der Haupteinnahmequelle, der Werbung in seinem sozialen Netzwerk, unabhängiger zu werden. Denn es wird zunehmend deutlicher, dass Internetfirmen, die auf nur ein Produkt setzen, Gefahr laufen , früher oder später überrollt zu werden – Suchmaschinen wie Google etwa verlieren zunehmend ihre Funktion zum Erschließen des Internets. Soziale Netzwerke übernehmen deren Aufgabe.

Facebook und Co wird zumindest mittelfristig eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Doch auch das wird nicht ewig wären. Die Erfahrung der vergangenen Jahre in der Informationstechnik zeigt, dass Technologien und Dienste immer schneller veralten.

In der Branche jedenfalls gilt: Wer auf möglichst vielen Hochzeiten tanzt, hat tendenziell größere Überlebenschancen. Gut möglich ist deshalb, dass Zuckerberg bis zum Börsengang – wahrscheinlich im Mai – noch mehr einkauft. Wie wäre es mit einer Firma, die Apps in der Sparte E-Health entwickelt? Denn Diagnose und Kommunikation zwischen Patient und Arzt mittels Smartphone gilt als ein weiterer Megatrend. Es sind beispielsweise bereits Geräte auf dem Markt, die an ein iPhone angesteckt werden. Damit können Diabetiker mit einem Blutstropfen ihren Blutzuckerwert kontrollieren.