Der stundenlange Facebook-Crash am Montagabend war wie ein Menetekel für das Technologie-Unternehmen: Millionen Menschen auf aller Welt, vor allem junge Leute, waren plötzlich von ihren bewährten Kommunikationskanälen wie WhatsApp und Instagram abgeschnitten. Plötzlich war „social distancing“ in der digitalen Welt gefordert. Doch während viele leise in sich hineinlächelnde Eltern die Funkstille nutzen wollten, um mit ihren Kindern ins reale Gespräch zu kommen, waren die jungen Leute schon auf der Suche nach Alternativen. Wenig später chatteten sie auf anderen Plattformen. Hätte der Absturz ein paar Tage gedauert, die Nutzer hätten vergessen, dass sie einmal bei Facebook waren. Hier zeigt sich auch das Dilemma für Facebook: Es gibt in der digitalen Welt keine Treue, nur Bequemlichkeit.

Während der Pandemie mussten sich die jungen Leute permanent neu orientieren, sie haben gelernt, dass Flexibilität alles ist. Traditionen und Konventionen braucht kein Mensch mehr. Wer schüttelt heute noch Hände? Umarmungen? Am liebsten nur mit Geimpften. Kurzstreckenflüge? Igitt.

Für Facebook war der Crash erst der Anfang: Denn die Vorwürfe, die eine Whistleblowerin gegen das Netzwerk erhebt und mit denen sich nun sogar der US-Kongress bei einem Senats-Hearing beschäftigt, wiegen schwer. Am Horizont taucht, wie in China, das Gespenst der politischen Regulierung auf. Im Hearing am Dienstag wurde jedenfalls klar: Republikaner und Demokraten wollen Facebook Fesseln anlegen, vor allem im Hinblick auf Instagram.

Staatliche Kontrolle von Facebook angekündigt

Die amerikanische Öffentlichkeit ist nach den Enthüllungen des Wall Street Journal aufgebracht, denn es wurde klar: Facebook und Instagram verführen Jugendliche in die Abhängigkeit, obwohl interne Studien die Problematik längst adressiert haben. So sollen jungen Userinnen gezielt Werbung ausgespielt bekommen, die Magersucht fördert. Außerdem würden Kinder auf Instagram zugelassen.

Facebook räumte ein, erst kürzlich 600.000 Profile von Kindern gelöscht zu haben. Die Senatoren kündigten am Dienstag an, dass es künftig eine staatliche Kontrolle von Facebook geben wird.

Schon heute zensieren Google und YouTube in den USA, in Deutschland, in Russland einzelne Inhalte. Sie tun dies weniger aus Eifer als vielmehr aus Angst vor dem Zugriff durch die jeweilige Regierung. Die Welt geht auf Abstand zu den Plattformen. Sie übernehmen die Kontrolle, beenden die Illusion einer „Gemeinschaft“. Die Masken fallen.