Fake-Eier von Usmanow: Für den Oligarchen ein billiges Imitat, für den deutschen Staat ein Vermögen

Die vermeintlichen Fabergé-Eier des russischen Oligarchen Alischer Usmanow, gefunden in seiner Villa am Tegernsee, sollen nicht echt sei. Hat sich die Bild-Zeitung verschätzt?

Der Oligarch Alischer Usmanow
Der Oligarch Alischer UsmanowYuri Kochetkov/EPA/dpa

Einen Monat nach einer Razzia in der Villa des russischen Oligarchen Alischer Usmanow (69) am Tegernsee sind die Ermittler der Lösung eines großen Rätsels immer noch auf der Spur. Umso mehr, weil die Bild-Zeitung sich ganz sicher ist, dass „der reiche Russe“ Usmanow eine „Eier-Lüge“ verbreite und eigentlich ein Krimineller sei.

Der Vorwurf der Boulevardzeitung: Usmanow habe wertvolle Imitate von Fabergé-Eiern (aber vor allem die von ihm bewohnte Villa) nicht als Vermögenswert bei den deutschen Behörden angegeben. Die Bild-Zeitung schreibt: „Weil er nichts angegeben hatte, war es im September auch zur Razzia (von Steuerfahndung und Bundeskriminalamt) in Usmanov-Immobilien in Rottach-Egern ­gekommen.“ Doch hat sich der große Aufwand der deutschen Behörden wirklich gelohnt?

Die Hintergründe klingen wie aus einem Hollywood-Film: Bayerische Einsatzkräfte haben am 21. September mit Schusswesten und Sturmhauben das Luxus-Anwesen des Oligarchen durchsucht und einen spektakulären Fund gemacht. Sie entdeckten vier Kunsteier und nahmen gleich an, es gehe um verschollene Fabergé-Eier aus der Zarenzeit mit einem Wert von bis zu 50 Millionen Euro pro Stück. Doch der Verdacht eines Mega-Scoop bestätigte sich nicht. 

Ein Wert von nur mehreren Tausend Euro?

Usmanow reagierte schnell. Die entdeckten Eier seien nichts weiter als vergleichsweise billige Souvenirs, die der russische Geschäftsmann usbekischer Herkunft in München als Geschenk für Freunde und Verwandte gekauft habe. Sie bestünden aus künstlichen Edelsteinen und hätten einen Wert von lediglich mehreren Tausend Euro.

Usmanow musste die Eier als Vermögen anzeigen

Die Ermittler mussten ihren Erstverdacht, wie erwähnt, tatsächlich korrigieren. Das schreibt auch die Bild-Zeitung. Nein, die deutschen Behörden hätten doch keine echten Fabergé-Eier bei Usmanow gefunden. „Nach vorläufiger gutachterlicher Einschätzung handelt es sich nicht um ‚echte‘ (…) Fabergé-Eier“, teilte Andrea Grape, Oberstaatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft München II, der Berliner Zeitung mit. Man gehe jedoch davon aus, dass die Funde einen nicht unerheblichen Wert hätten und damit der Anzeigepflicht gemäß Paragraf 23a Absatz 1 Außenwirtschaftsgesetz (AWG) unterliegen könnten. Mit anderen Worten: Der Ausländer Usmanow hätte seine Eier als Teil seines Vermögens in Deutschland bei den Behörden auf jeden Fall anzeigen müssen. Auch wenn der Wert nur gering sei. „Bis zum endgültigen Abschluss des Verfahrens gilt aber die Unschuldsvermutung“, fügte die Münchner Oberstaatsanwältin hinzu.

T-Online spekuliert inzwischen, dass die Eier von einer französischen Manufaktur (die Manufaktur von Jean Marie Reynaud) stammen, die auf das Imitat von Fabergé-Eiern spezialisiert ist. Die Eier kosten im Handel etwa 8000 Euro, in russischen Internetshops bis zu 18.000 Euro (Abzocke pur!). Usmanows Pressesprecher Grigory Levchenko legte die Version, es handele sich um französische Eier, ebenfalls nahe. Sobald man mehr Details zur Herkunft der Eier habe, werde man sich melden, so Usmanows Pressesprecher.

Ein Ei im Fabergé-Stil aus einer französischen Manufaktur, auf das sich die Vertreter Usmanows beziehen. Hier von einem russischen Internetshop verkauft. 
Ein Ei im Fabergé-Stil aus einer französischen Manufaktur, auf das sich die Vertreter Usmanows beziehen. Hier von einem russischen Internetshop verkauft. Mosware

So oder so, die Behörden bleiben dabei: Auch die Imitat-Eier hätte Usmanow in Deutschland als Vermögenswert anzeigen müssen. Den eigentlichen Preis wollen sie aber zuerst feststellen. Die große Frage ist, ob ein russischer Oligarch mit einem geschätzten Vermögen von 14,6 Milliarden US-Dollar und der deutsche Staat die Kategorie „Vermögenswerte“ ähnlich interpretieren. Denn für einen Superreichen wie Usmanow ist ein unechtes Fabergé-Ei für „nur“ 8000 Euro eine amüsante Nippsache zum Verschenken. Ist die Geschichte also so viele Bild-Schlagzeilen wert? Man darf sich darüber streiten.

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