WASHINGTON - Die neue Chefin setzt auf die Ideen des alten Chefs. Janet Yellen, seit Monatsbeginn Vorsitzende der mächtigsten Notenbank der Welt, will den geldpolitischen Kurs von Ben Bernanke fortsetzen und die milliardenschweren Anleihenkäufe der Federal Reserve in „maßvollem Tempo“ weiter reduzieren. Das kündigte die 67 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftlerin am Dienstag in ihrem ersten öffentlichen Auftritt als Fed-Chefin vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses in Washington an. Zuletzt pumpte die US-Zentralbank pro Monat noch 65 Milliarden US-Dollar in den Wirtschaftskreislauf.

Sie unterstütze die aktuelle Strategie sehr, die sie als Vizechefin der Fed in den vergangenen Jahren mitentwickelt habe, sagte Yellen, die in US-Finanzkreisen ehrfurchtsvoll als „kleine Lady mit einem großen IQ“ bezeichnet wird. Die Anleihenkäufe könnten wegen der positiven Entwicklung der US-Wirtschaft schrittweise reduziert werden, sagte Yellen. Weil sich aber der Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten noch nicht grundlegend erholt habe, könne es derzeit noch nicht zu einer Erhöhung der Leitzinsen kommen. Der Zinssatz liegt sei Beginn der Finanzkrise Ende des Jahres 2008 auf historischen Tiefständen zwischen null und 0,25 Prozent. Der von ihr beschriebene Kurs der Notenbank könne allerdings verändert werden, sollte sich die wirtschaftliche Lage der USA weiter verbessern, sagte Janet Yellen.

Die Arbeitslosenquote in den USA liegt derzeit bei 6,6 Prozent und damit sehr nahe an dem Wert von 6,5 Prozent, den die Fed selbst in der Vergangenheit als Richtwert für eine Erhöhung der Zinsen ausgegeben hatte. Doch Yellen erklärte am Dienstag, dass die Erholung auf dem Arbeitsmarkt noch „längst nicht abgeschlossen sei“. Sorge machte ihr vor allem die hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen in den USA, sagte Yellen.

Anleihenkäufe sinken

Die erste Frau an der Spitze der 100 Jahre alte US-Notenbank gilt als eine Anhängerin der Politik des billigen Geldes. Nach eigenen Aussagen ist ihr der Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit wichtiger als eine niedrige Inflation. Die Federal Reserve hat seit Ausbruch der Finanzkrise vor fünf Jahren ihre Bilanzsumme auf mittlerweile mehr als vier Billionen US-Dollar gesteigert. Im Dezember 2013 und im Januar dieses Jahres senkte die Zentralbank die monatlichen Anleihenkäufe jedoch um jeweils zehn Milliarden auf derzeit 65 Milliarden Dollar. Möglicherweise wird die Summe in ähnlichen Schritten auch in den kommenden Monaten sinken, deutete die Fed-Chefin am Dienstag an.

Die Drosselung der Ausgaben zur Stützung der US-Wirtschaft hat in den vergangenen Monaten zu großen Sorgen in Schwellenländern wie der Türkei oder Brasilien geführt. Weil Anlagen in den USA wieder attraktiver wurden, zogen Investoren Geld aus diesen Ländern ab, die zuvor von der Geldschwemme in den USA profitiert hatten. Das führte zu einem Wertverlust der Währungen in diesen Staaten und zu Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten.

Fed-Chefin Janet Yellen machte nun allerdings vor dem Kongress in Washington deutlich, dass sie ihre Hauptaufgabe in der Stabilisierung der Wirtschaft im eigenen Land sieht. Die Krise in den Schwellenländern stelle derzeit keine Gefahr für die US-Konjunktur dar, sagte sie am Dienstag. Auch die jüngsten Währungsturbulenzen seien „kein wesentliches Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick“ - in den USA, versteht sich.