Die Wende ist da: Die US-Zentralbank (Fed) fährt ihre Anleihekäufe zurück und läutet damit das Ende einer historisch einmaligen Geldschwemme ein. Künftig wird sie monatlich Staats- und Hypothekenpapiere für nur noch 75 Milliarden Dollar pro Monat erwerben, teilte die Fed am Mittwoch mit. Erstmals seit Beginn der globalen Finanzkrise vor über fünf Jahren dämpft sie damit ihre ultralockere Geldpolitik, die die Aktienmärkte auf Rekordhochs getrieben hat. Die Folgen dieses Schritts sind offen. „Das Hauptrisiko für die Weltkonjunktur und die Kapitalmärkte im nächsten Jahr geht von der US-Notenbank aus“, so die Commerzbank.

Geldpolitisches Groß-Experiment

Seit Beginn der Finanzkrise pumpt die Fed Milliarden in die Kreditwirtschaft. Bereits Ende 2008 hatte sie die Leitzinsen auf Null gesenkt und so die Kreditaufnahme verbilligt, um die Konjunktur und die Finanzmärkte zu stützen. Gleichzeitig begann sie damit, Anleihen aufzukaufen und so weitere Liquidität in die Märkte zu geben.

Insgesamt hat die Fed seit 2008 Wertpapiere über 3000 Milliarden Dollar gekauft. Diese Politik hat die Geldbasis in den USA auf fast vier Billionen Dollar steigen lassen. Die Geldbasis besteht aus dem Bargeld und aus den Guthaben, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank haben. Sie ist die Grundlage für die Geldschöpfung der Banken.

Diese Geldflut hat die Zinsen gedrückt, was dem Staat, privaten Haushalten und Unternehmen die Schuldenbedienung erleichtert. Immobilienkredite verbilligten sich und führten zu einer Erholung des Häusermarktes, dem Ursprung der Finanzkrise. Auch Amerikas Konsumenten verschulden sich angesichts der niedrigen Zinsen wieder.

Weitere Folge der Fed-Politik: Das viele Geld ließ die Aktienmärkte in die Höhe schnellen. Der Dow Jones erreichte bis vor kurzem immer neue Rekorde, ebenso der Deutsche Aktienindex. Doch nun beendet die Fed langsam ihr geldpolitisches Groß-Experiment. Bislang erwarb sie jeden Monat Staatsanleihen und Hypothekenpapiere über 85 Milliarden Dollar. Ab Januar sollen es nur noch Hypothekenpapiere über 35 und Staatsanleihen über 40 Milliarden Dollar sein. Gründe für den Schritt seien die „Fortschritte in Richtung maximaler Beschäftigung und die verbesserten Aussichten am Arbeitsmarkt“, teilte die Fed mit.

Die Arbeitslosenquote ist auf sieben Prozent gefallen und liegt damit so tief wie seit fünf Jahren nicht mehr. Das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal betrug aufs Jahr hochgerechnet 3,6 Prozent. Und schließlich hat sich der US-Kongress auf einen Haushaltskompromiss geeinigt, der für zwei Jahre verhindert, dass es abermals zu einer finanzbedingten Schließung von Behörden kommt.

All das bewegt die Fed dazu, ihren beispiellosen Stimulus etwas zu mildern. „Sollten die Daten unsere Erwartung einer anhaltenden Verbesserung der Lage im Wesentlichen bestätigen, werden wir voraussichtlich das Ausmaß der Anleihekäufe weiter zurückfahren“, teilte die Fed mit. Ökonomen erwarten, dass die Anleihekäufe Ende 2014 auslaufen werden. Mit 75 Milliarden Dollar monatlichen Anleihekäufen bleibt die Geldpolitik aber expansiv. Zudem, so kündigte die Fed an, werde der Leitzins weiter bei null Prozent bleiben, „mindestens so lange, wie die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent liegt“, so die Fed.

Dennoch bleibt die Frage, wie die Finanzmärkte auf die Maßnahme reagieren werden. Langfristig, so wird erwartet, werden die Zinsen langsam steigen, nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Regionen. Das macht Kredite wieder teurer. Das Umfeld für Aktien wird weniger positiv.

Dennoch legten die Kurse an der Wall Street am Mittwoch kurz nach der Entscheidung zu. Denn zum einen geht die Fed bei ihrem Ausstieg offensichtlich vorsichtig vor. Zudem begründete sie ihre Entscheidung mit der stabilen Konjunktur in der weltgrößten Volkswirtschaft.