Berlin - Auf den Herbst folgt ein Winter. Das nur zur Erinnerung an all jene, die sich politisch für die Veranstaltungsbranche verantwortlich fühlen. Oder zumindest fühlen sollten. Im Winter – das ebenfalls nur als Gedächtnisstütze – nehmen Atemwegsinfekte zu. Das Coronavirus zum Beispiel mag den Winter, was vor einem Jahr bereits deutlich wurde, jedoch eben jene politisch Verantwortlichen offensichtlich vergessen haben. Jedenfalls verfügen sie über kein Konzept für den Fall einer erneuten Welle der Pandemie. Das benötigt im Moment der sechstgrößte Wirtschaftszweig des Landes dringend, all jene im Bereich Messe, Kongress, Konzert und Unterhaltung tätigen Unternehmer und Beschäftigten. Stattdessen werden sie nun Opfer einer denkwürdigen Planlosigkeit.

Die Sparte, weltweit die drittgrößte ihrer Art, steht vor dem Ruin. Sie muss langfristig planen, was mit einer kurzfristigen, von Erregungsdebatten geprägten und getriebenen Politik nicht in Einklang zu bringen ist. Die Sparte eignet sich nicht für derartige Symboldebatten, denn sie spielt in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle; merkwürdig angesichts ihrer ökonomischen Strahlkraft und der Sichtbarkeit ihres Tuns. Aber wahr. Eine traurige Wahrheit wird daraus, wenn ausgerechnet das Symbolhafte ihr nun den entscheidenden Stoß versetzen sollte – die pauschale Rechnung: Großveranstaltungen seien Superspreader-Events und als solche nicht empfehlenswert. 

Es gibt Konzepte für Messen und Kongresse in Zeiten einer Pandemie. Ihre Entwicklung initiiert hat die Branche weitgehend selbst. In Kürze wollen sich ihre Vertreter dazu austauschen, wollen über Strategien und Perspektiven reden. In Berlin. In Präsenz. Es sei denn, die Veranstaltung wird als Superspreader-Event eingestuft – und von den politisch Verantwortlichen untersagt.