Der Strand von Fethiye aus der Vogelperspektive. Bald können Sie wieder dort in der Sonne baden. 
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BerlinAntalya, Side, Bodrum, Fethiye sind für deutsche Sonnenhungrige bekannte Urlaubsorte. Doch noch ist es schwierig, da hinzukommen. Das Auswärtige Amt lockert seine Reisewarnung ab dem 15. Juni für 31 Länder – bislang nicht für die Türkei. Wegen der Corona-Krise und der damit verbundenen Reisebeschränkungen dürfte die Tourismus-Bilanz für die Türkei dieses Jahr sehr mager ausfallen. Es sei denn, ein umfangreiches Hygienekonzept kann die Bundesregierung davon überzeugen, dass Urlaubsreisen in die Türkei unbedenklich sind.

Genau dies ist der Plan des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu. Er suchte das Gespräch mit seinem deutschen Kollegen Heiko Maas (SPD) und berichtete von Fortschritten beim Kampf gegen das Coronavirus. Das Land lockert schrittweise die Corona-Maßnahmen. Der türkische Politiker hält es daher für möglich, dass Reisen bereits ab Mitte Juni wieder möglich sind. Um sicherzustellen, dass die dafür nötigen Hygienestandards von Hotels und Flughäfen eingehalten werden, sollten TÜV-Zertifikate ausgestellt werden, schlägt Çavuşoğlu vor. Die Prüforganisation führt weltweit Kontrollen zur Einhaltung bestimmter Standards durch.

Dazu sagte der türkische Botschafter in Berlin, Ali Kemal Aydin, der Deutschen Presse-Agentur: „Alle notwendigen Vorkehrungen werden seitens der zuständigen Behörden getroffen. Wir sind davon überzeugt, dass die Bundesregierung all dies in Betracht zieht und sich dementsprechend entscheidet.“

Die Deutschen sind die zweitgrößte Touristengruppe in der Türkei

Im vergangenen Jahr kamen nach türkischen Angaben etwa fünf Millionen deutsche Urlauber ins Land – fast so viele wie im Rekordjahr 2015 mit 5,6 Millionen. Die Deutschen sind in der Türkei die zweitgrößte Touristengruppe nach den Russen. Das Land bereitet schon seit langem Flughäfen, Strände und Hotels mit entsprechend großem Engagement vor. Das Kultur- und Tourismusministerium in Ankara hat einen Katalog von Hygiene-Anweisungen erlassen, der für Hotels beispielsweise Mindestabstände zwischen Liegen an Pools oder einzeln abgepackte Handtücher vorsieht.

Angeblich sollen in Hotels auch Wärmebildkameras zum Einsatz kommen, um festzustellen, ob Gäste Fieber haben. Zudem will die türkische Regierung ein Zertifizierungsprogramm für Hotels, Gastronomie und andere Unternehmen etablieren. Für bisher nach außen abgeschottete Großstädte wie Istanbul gibt es wieder Reisefreiheit. Cafés und Restaurants sowie Schwimmbäder, Sportstudios oder Kindergärten dürfen demnach wieder öffnen. Auch Strände, Parks und Museen sind dann wieder zugänglich. Freiluft-Konzerte sind bis Mitternacht erlaubt.

Auf Marktplätzen, in Supermärkten und in öffentlichen Verkehrsmitteln müssen Schutzmasken getragen werden; in einigen Städten und Gegenden auch im gesamten öffentlichen Raum. Soziale Distanz (drei Schritte Abstand) wird eingefordert, Zuwiderhandlungen werden geahndet.

An den Stränden werden Liege-Areale mit Seilen abgegrenzt

Auch die Strände werden vorbereitet. Auf dem Konyaalti-Strand in Antalya werden zum Beispiel Liege-Areale für Besucher mit Seilen abgegrenzt. Die Zeiten, in denen man sein Handtuch an eine freie Stelle am Strand werfen konnte, sind vorbei. Stattdessen wird es genau bemessene Logen für die Urlauber geben. Die sind neun Quadratmeter groß und bieten maximal Platz für drei Familienmitglieder. Dabei gibt es Bereiche mit ein, zwei oder auch drei Sonnenliegen.

Der Konyaalti-Strand in Antalya ist noch leer. Ab 25. Juni gehen wahrscheinlich die ersten Flüge nach Antalya. 
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Zwischen jeder „Liegeinsel“ muss ein Abstand von mindestens 2,5 Metern eingehalten werden. Die genannten Maßnahmen beziehen sich auf den Konyaalti-Strand, doch diese Regeln werden höchstwahrscheinlich auch mit denen übereinstimmen, die das Gesundheitsministerium und das Ministerium für Kultur- und Tourismus im Rahmen ihrer Corona-Zertifizierung aufstellen. Es darf auf den Liegen und abgesperrten Logen nicht mehr geraucht werden. Der Grund ist simpel: die achtlos in den Sand geworfenen Zigarettenstummel könnten das Coronavirus übertragen – ganz abgesehen davon, dass sie die Umwelt verschmutzen. Stattdessen wird es spezielle Raucher-Bereiche geben.

Vor der Wiederaufnahme des inländischen und internationalen Flugverkehrs hat die Türkei für Reisende und Flughäfen neue Regeln aufgestellt. Terminals sehen unter anderem eine Maskenpflicht für alle vor. Wer nicht reist, sondern Reisende nur verabschiedet oder empfängt, darf zudem Flughafengebäude nicht mehr betreten, sondern muss draußen warten. Ausnahmen gibt es nur für Menschen, die ohne Begleiter nicht auskommen.

Passagieren aus „riskanten Regionen“ werden dem Regelwerk zufolge nach Möglichkeit spezielle Eingänge zugewiesen. Es wird allerdings nicht nach Nationen aufgeschlüsselt, wer in diese Kategorie fällt. An den Eingängen von Flughäfen soll Reisenden und Personal außerdem entweder mit Wärmebildkameras oder Thermometern die Körpertemperatur gemessen werden.

Bei der Gepäckaufgabe und anderswo gelten Abstandsregeln. Spielplätze sowie Raucher- und Gebetsräume könnten nur begrenzt zugänglich sein oder geschlossen bleiben. Passagiere werden außerdem nur noch eingeschränkt Kabinengepäck in die Flugzeuge mitnehmen dürfen. Erlaubt sind aber weiter Handtaschen, Laptoptaschen und Babyzubehör.

Ab Mitte Juni wird es wieder Flüge in die Türkei geben

Türkische Fluglinien wollen zwischen Anfang und Mitte Juni ihre Flüge wieder aufnehmen. Die halbstaatliche Gesellschaft Turkish Airlines beispielsweise will ab dem 4. Juni im Land wieder fliegen und ab dem 10. Juni international unterwegs sein. Deutsche Touristen sollen ausschließlich mit Charterflügen in die Türkei reisen.

„Doch die Lage ist sehr kompliziert“, gesteht die Mitarbeiterin der Service-Hotline von Turkish Airlines. Der erste Flug ab Deutschland sei zwar tatsächlich für den 10. Juni geplant. „Man kann Flüge buchen, aber Turkish Airlines kann heute noch nicht bestätigen, dass diese auch sicher stattfinden“, so die telefonische Auskunft. Sollte der Flug nicht stattfinden, könne man jedoch kostenlos umbuchen.

Noch verhaltener ist die Lufthansa. Auf Nachfrage des ADAC erklärte ein Sprecher: „Wir fahren zwar kontinuierlich unseren Flugplan hoch, wenn auch auf niedrigem Niveau, aber Ziele in der Türkei sind zur Zeit noch nicht dabei. Ob sich das in den nächsten Wochen ändert, kann ich nicht sagen.“

Die Hagia Sophia in Istanbul ist eine von 532 bis 537 n. Chr. erbaute ehemalige byzantinische Kirche, die später eine Moschee wurde und heute als Museum genutzt wird. 
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Die Fahrt mit dem Auto in die Türkei ist immer noch sehr schwierig

Eine Fahrt mit dem Auto von Deutschland in die Türkei beziehungsweise eine Rückkehr von dort ist nach den derzeit vorliegenden Informationen nicht sicher gewährleistet. Laut Auskunft der Deutschen Botschaft in Athen ist die Einreise aus der Türkei nach Griechenland derzeit nur griechischen Staatsbürgern gestattet.

Zudem liegen keine belastbaren Informationen vor, ob man auf dem Landweg aus der Türkei nach Bulgarien ausreisen kann. Laut Recherchen des ADAC bei den diplomatischen Vertretungen ist der Transit durch Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Serbien, Rumänien und Bulgarien nach Griechenland für deutsche Staatsbürger und Personen mit einem festen Aufenthaltstitel für Deutschland möglich. Dabei müssen aber genaue Regeln beachtet werden, die von Land zu Land unterschiedlich sind.

Eine Fahrt durch Nordmazedonien ist nicht zulässig. Und auch die Fähren zwischen Italien und Griechenland befördern derzeit keine Passagiere. Eine Garantie, dass man mit dem eigenen Fahrzeug durchkommt, gibt es aber nicht. Ob eine Weiterfahrt möglich ist, entscheiden im Einzelfall immer die Behörden vor Ort.

An den Grenzen ist zudem mit langen Wartezeiten zu rechnen. Auf den Buchungsplattformen einiger Reiseveranstalter wird bereits jetzt Türkei-Urlaub mit einem Reisebeginn ab Ende Juni oder Anfang Juli angeboten, zum Beispiel bei TUI als All-Inclusive-Angebot mit Flug von München nach Antalya am 2. Juli für eine Woche an der Türkischen Riviera. Änderungen der Flugzeiten behält sich der Anbieter dabei vor. Rabatte und das Angebot einer kostenfreien Stornierung oder Umbuchung bis zwei Wochen vor Abreise sollen Urlauber zum Buchen ermutigen.