Berlin - Eine Luftmatratze für die Nacht und ein Frühstück für den Start in den Tag – darum ging es bei Airbnb mal. Airbed (Luftmatratze) and Breakfast (Frühstück) eben. Inzwischen sind die Luftmatratzen zu Boxspringbetten geworden, die Abstellkammern zu großzügigen Altstadtwohnungen, Airbnb von einem Start-up zu einem Multimilliarden-Konzern. Und Gründer Brian Chesky, 35, der einst Luftmatratzen und Frühstück in seiner Wohnung anbot, um seine Miete irgendwie bezahlen zu können, ist heute einer der reichsten Menschen der Welt.

Widerstände werden größer

Die Unschuld, allerdings, die hat Airbnb verloren. Die sympathische Idee, Wohnraum zu teilen, Reisenden ein Zuhause zu bieten, sie zu bekochen, ihre Geschichten zu erfahren und sie mit Ausflugstipps zu versorgen, sie tritt immer mehr in den Hintergrund. Stattdessen: Wachstum, Investoren, Börse. Und Gegner, jede Menge Gegner. Je näher Airbnb dem angestrebten Börsengang kommt, desto größer werden die Widerstände.

So zum Beispiel in Barcelona. Dort hatte Teresa, 35, eines Tages die Nase voll. „Wir bekommen keine Ruhe, und dieser Typ scheffelt Geld, ohne auch nur einen Euro Steuern zu zahlen“, sagte sich die Katalanin, und zeigte ihren Nachbarn kurzerhand an. Dieser hatte seine Wohnung im bezaubernden Stadtteil Sarrià illegal an Touristen vermietet. Seit der Klage herrscht Ruhe. Teresa sieht sich dabei von der Stadtverwaltung unterstützt. Die hat die Schließung Hunderter illegaler Touristenapartments verfügt.

600.000 Euro Strafe

In der katalanischen Metropole liefern sich Airbnb und die Behörden ein besonders hartes Gefecht. Die Regionalregierung verhängte eine Buße gegen das Portal, weil es keine touristische Lizenz besitzt. Airbnb klagte und gewann. Rechtliche Grauzone, so das Urteil. Es sei unklar, ob Airbnb als Vermittler zwischen Anbietern und Nachfragern von Privatunterkünften selbst als Tourismusunternehmen zu betrachten sei.

Doch der Streit ging weiter. Im November belegte die Stadtverwaltung Airbnb mit einem Bußgeld, diesmal über 600.000 Euro, weil das Unternehmen nicht ausreichend prüfe, ob sich unter den angebotenen Unterkünften illegale Touristenapartments befinden.

Barcelona, London, Rom, Berlin, Paris, Amsterdam, New York, San Francisco – kaum eine Stadt, die nicht daran arbeitet, Airbnb in die Schranken zu weisen. Es geht um Wohnraum, um Steuern und um Lebensqualität. In Paris werden Privatvermieter nun besser kontrolliert. In der Stadt der Liebe sind mehr als 40.000 Unterkunftsadressen gelistet.

Kurz vor Weihnachten wurde ein Gesetz verabschiedet. Privatvermietende Wohnungsbesitzer müssen nun ihre Einnahmen dem Fiskus deklarieren. Wer im Jahr mehr als 23.000 Euro einnimmt, muss darauf Sozialabgaben zahlen. Vermieten dürfen Privatanbieter nur noch maximal 120 Tage im Jahr. Sonst sind sie Gewerbler. Ein harter Schlag für Airbnb. Mehr als die Hälfte der heutigen Pariser Privatvermieter bieten ihre Wohnung das ganze Jahr über an.

Und dann wäre da New York, die wichtigste Stadt im Heimatmarkt des US-Unternehmens. Mehr als 50.000 Einheiten wurden im Jahr 2015 im Stadtgebiet über die Airbnb-Seite vermietet. Das ist der Politik schon lange ein Dorn im Auge. Doch alle Gegenmaßnahmen scheiterten. Im vergangenen Jahr brachte Gouverneur Andrew Cuomo deshalb ein Gesetz auf den Weg, das bereits das Inserieren verbietet – dagegen geht Airbnb gerichtlich vor.