Sparschwein (Symbolbild)
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BerlinIn der Corona-Krise kommen viele Ausgaben auf den Prüfstand. Neuanschaffungen werden verschoben, Abos gekündigt – viele Haushalte sortieren sich neu. Der Begriff „Finanzielles Fasten“ meint einerseits die bewusste Art, Geld auszugeben, andererseits das Bestreben, überall zu sparen, wo es möglich ist. Wir geben Tipps, wie das gelingt.

Versicherungen: Sie versprechen finanzielle Absicherung, verursachen jedoch jährlich Kosten. Die Haftpflichtversicherung ist nicht verzichtbar. Aber wie sieht es mit Reisegepäckversicherung oder Zahnzusatzversicherung aus? Stiftung Warentest bietet auf seiner Webseite einen Versicherungscheck an. Die Sterbegeldversicherung, die Insassenunfallversicherung und die Reisegepäckversicherung bewertet test.de als unnötig. Fürs Sterbegeld empfehlen die Experten andere Wege zum Sparen, weil sie zu teuer sei. Bei der Insassenunfallversicherung heißt es: „Mitfahrende sind über die Kfz-Haft­pflicht­versicherung des Schaden­ver­ursachers versichert, der Fahrer besser über eine Berufs­unfähigkeits- oder Unfall­versicherung.“ Den Ersatz für verlorenes Reisegepäck garantiere der Reiseveranstalter oder die Hausratversicherung. Bei der Zahnzusatzversicherung lässt es test.de offen: Hier sei der Wunsch des Versicherten entscheidend.

Banken: In Niedrigzinszeiten kämpfen Banken um Kunden. Die Kontoführungsgebühren sind häufig das entscheidende Kriterium, um Banken miteinander zu vergleichen. Doch es sind nicht die einzigen Kosten, die von Banken erhoben werden: Kontonebenkosten entstehen beim Abheben an Automaten, die nicht zur Bank gehören, und bei Überweisungen. Banken erheben außerdem unterschiedliche, jährliche Gebühren für die Girokarte und die Kreditkarte. Auch die Dispozinsen variieren.

Ein Girokonten-Vergleich hilft, sich zu orientieren. Parameter sind unter anderem, ob eine Kreditkarte benötigt wird oder wo Geld abgehoben werden soll – in Deutschland oder weltweit. Wer auf eine Filiale verzichten kann, ist am besten bei einer Direktbank aufgehoben, die ihre Dienstleistungen nur online anbietet. Wer gern einen persönlichen Ansprechpartner und eine Filiale besuchen möchte, muss dennoch nicht tief in die Tasche greifen. Die Bank Santander liefert laut dem Online-Verbraucherratgeber Finanztip vergleichbare Bedingungen wie eine Direktbank.

Online-Shopping: Während des Lockdowns hat der Internethandel stark profitiert und nicht wenige haben mehr gekauft als ursprünglich beabsichtigt. In ihrem Buch „Finanzielles Fasten“ rät Autorin Judith Engst, jede Werbung im Internet zu blockieren. „Sich nicht in Versuchung führen zu lassen“, sei die Devise. Kataloge abzubestellen und sich aus Werbenmailings auszutragen sind Möglichkeiten, weniger verlockenden Angeboten ausgesetzt zu sein. Eine weitere ist die Robinsonliste. Beim Deutschen Dialogmarketing Verband (DDV) können Verbraucher sich unter www.ichhabediewahl.de in die Liste eintragen. Sie können dabei wählen, gar keine Werbemails mehr zu erhalten oder nur noch aus bestimmten Kaufbereichen, wie Reise oder Gesundheit. Der Interessenverband Deutsche Internet I.D.I. bietet unter www.robinsonliste.de die Möglichkeit, in den Bereichen Mobilfunk, Festnetz und Fax zu sperren. Engst dämpft die Erwartung, dass damit alle Werbung verschwindet, hält einen Eintrag aber dennoch für lohnenswert.

Die Autorin warnt außerdem davor, online zu viel zu ordern, weil Umtausch und Rückgabe kostenfrei sind. „Einfach etwas zur Ansicht bestellen und dann erst entscheiden, ob man es haben will – das spricht nicht für ein planvolles und wohlüberlegtes Einkaufen“, schreibt sie. Kleidung und Schuhe zu probieren und anschließend zurückzuschicken, koste Zeit und Geld. Viele Händler übernehmen inzwischen nicht mehr das Rückporto. Da ist der Gang ins Geschäft eine bedenkenswerte Alternative.

Einkaufsfallen vermeiden

Ein großer Einkaufswagen verführt dazu, mehr zu kaufen, schreibt die Verbraucherzentrale Berlin. Ist er schwerer, lässt er sich leichter schieben. Ein Trick: Legen Sie Ihre Tasche hinein. Die wichtigsten Waren wie Milchprodukte stehen ganz hinten. Wer nur sie kaufen will, sollte sie bewusst ansteuern und sich nicht ablenken lassen.

Eine Einkaufsliste kann gegen Spontankäufe helfen. Außerdem ist es besser einzukaufen, wenn man satt ist. Häufig finden sich Mogelpackungen in den Regalen. Das heißt, die Packungsgröße ist die gleiche wie früher, doch der Inhalt ist kleiner. Das Gewicht des Inhalts regelmäßig zu überprüfen, lohnt sich.

Abonnements: Klassisch ist das selten genutzte Sportstudio-Abonnement. Die Kündigungsfrist könnte allerdings einer raschen Beendigung des Vertrags entgegenstehen. Schneller kündbar sind Streamingdienste. Die Verträge lassen sich in der Regel monatlich beenden. Neben diesen gängigen Abos gibt es seit einigen Jahren auch Produktabos, zum Beispiel für Windeln, Batterien oder Druckerpatronen. Diese Abos wirken am Anfang günstig, zahlen sich aber häufig nicht aus. Besser kündigen und auf Schnäppchenjagd für diese Artikel gehen, rät Engst.

Bezahlverfahren: Bargeldloses Bezahlen mit Girocard oder Kreditkarte ist momentan in vielen Geschäften gefordert. Doch Plastikgeld verführt dazu, mehr auszugeben als geplant. Judith Engst gibt den Tipp, auf Bargeld umzusteigen. Das diszipliniert und, so die Autorin, signalisiert dem Gehirn: „Was ich für Konsum ausgebe, fehlt mir hinterher im Portemonnaie für Wichtigeres.“ Besonders Kreditkarten könnten dazu beitragen, dass ihr Inhaber beim Shoppen leichtsinnig wird. Der Grund ist, dass die Abrechnung erst am Monatsende erfolgt und der Kontostand bis dahin suggeriert, dass Geld vorhanden ist. Wer fürs Reisen dennoch eine Kreditkarte benötigt, sollte auf keinen Fall eine Goldkarte abschließen. Die Mehrkosten von bis zu 80 Euro für verschiedene Versicherungen lohnen sich laut Engst meist nicht.

Haushaltsbuch: Wann immer es darum geht, das Geld zusammenzuhalten, ist das Haushaltsbuch nicht weit. Es hilft beim Sparen wie das Kalorienzählen beim Abnehmen. Zwar ist es besonders am Anfang mühsam, die Ausgaben aufzuschreiben – vor allem wenn man nicht nur im Supermarkt, sondern auch online und mit verschiedenen Bezahlverfahren shoppt. Doch die Fakten sind am überzeugendsten, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob die nächste Anschaffung getätigt werden kann oder nicht.