Potsdam - Das gab das Potsdamer Finanzministerium zu. Das Eingeständnis findet sich eher beiläufig und versteckt in einer Antwort der brandenburgischen Landesregierung auf eine kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Ludwig Burkardt. „Es besteht ausreichend Liquidität, um die gegenwärtigen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen“, heißt es da zu den Finanzen.

Noch Mitte Juli hatte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) im Landtag versichert, die Liquidität des Flughafens sei aller Voraussicht nach bis Jahresende gegeben.

Wegen höherer Lärmschutzauflagen, Kostensteigerungen beim Bau und der verzögerten Eröffnung wird der Flughafen wohl mindestens 1,2 Milliarden Euro teurer als veranschlagt. Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft FBB, der Bund 26 Prozent.

„Gesellschafter in Geiselhaft“

Unerfüllbar ist offenbar der Wunsch der drei Eigentümer, der Flughafen möge die Mehrkosten selbst auffangen. In Betracht käme dazu neben der – vorerst verworfenen – Ausgabe von Anleihen und Einsparungen, die angesichts der technischen Probleme und Schadenersatzforderungen kaum realistisch sind, nur ein Weg: Bankdarlehen. Die aber scheiden ebenfalls aus. „In der gegebenen Ertrags- und Kostenstruktur ist die FBB nicht in der Lage, zusätzliche Kredite aufzunehmen und zu bedienen“, antwortete Platzecks Regierung auf die CDU-Anfrage.

Das bedeutet: Sobald das Geld für das schlingernde Mammutvorhaben knapp wird, müssen die Steuerzahler einspringen. Die vorsichtige Bewertung der Liquidität aus Potsdam zeigt, dass dieser Fall rasch eintreten könnte. Die öffentliche Hand drohe für das Versagen des Managements in Geiselhaft genommen zu werden, warnte Brandenburgs Grünen-Fraktionschef Axel Vogel. Über Details der Finanzierung soll der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft kommende Woche beraten.

Der Flughafen Berlin Brandenburg, der den Beinamen Willy Brandt trägt, soll mit einer Kapazität von 27 Millionen Passagieren die Nummer drei in Deutschland hinter Frankfurt und München werden. Der Ausbau auf bis zu 45 Millionen Passagiere jährlich ist genehmigt. Der Neubau an der Berliner Stadtgrenze - im brandenburgischen Schönefeld - ersetzt die bestehenden Airports in Tegel und Schönefeld sowie den geschlossenen Flughafen Tempelhof. Bauherr ist neben den Ländern Berlin und Brandenburg der Bund. Der Eröffnungstermin ist unklar. Nach zwei Absagen wurde zuletzt der 17. März 2013 angepeilt.