Wie schlimm es um das Vertrauen der Banken untereinander steht, belegen neue Zahlen. So schwoll über Weihnachten die „Angstkasse“ der Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) auf 452 Milliarden Euro an - rund 40 Milliarden mehr als am Vortag.

So viel Geld haben die Kreditinstitute dort noch nie geparkt. Das Geld stammt zum Großteil aus dem Mega-Refinanzierungsgeschäft, in dem sich viele Geldhäuser kurz vor den Feiertagen bei der EZB mit der gigantischen Summe von fast einer halben Billion Euro eingedeckt hatten.

Für die Banken ist das Parken ein schlechtes Geschäft, weil sie draufzahlen. Sie haben sich das Geld für ein Prozent bei der EZB geliehen und parken es nun für 0,25 Prozent.

Stress im System

Dass sie dieses schlechte Geschäft freiwillig eingehen, spricht laut Experten für den hohen Stress im System. Viele Institute können nicht mehr sicher sein, ausreichend Geld von anderen Banken zu bekommen. Deshalb horten sie sicherheitshalber das Zentralbankgeld. So stellen sie ihre Versorgung sicher, was jedoch im System als Ganzes dazu führt, dass zu viel Liquidität vorhanden ist.

Trotzdem kommen einige Häuser offenbar weiter nicht an Geld: Sie riefen 6,1 Milliarden Euro bei der EZB ab, in Form eines sogenannten Übernachtkredits zum Strafzins von 1,75 Prozent.

Weidmann: Kein Grund zur Panik

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann verteidigte die Milliarden-Geldspritze. Banken könnten erst dann wieder gefestigt dastehen, "wenn die Staatsschuldenkrise überwunden ist", sagte Weidmann dem "Stern" laut Vorabbericht. Er nannte die Milliarden-Geldspritze vor Weihnachten zwar „eine ungewöhnliche Maßnahme, auch in dieser Höhe“. Sie sei aber notwendig, um Kreditfluss in Gang zu halten.

Weidmann sieht weiter keinen Grund zur Panik. Das Wachstum sei relativ robust, die Arbeitslosigkeit so niedrig wie lange nicht. „Wir gehen davon aus, dass die Einkommen der privaten Haushalte im kommenden Jahr um drei Prozent steigen. Da kann man doch nicht so tun, als ob die Welt untergeht." (mit rtr/dpa/jon)