Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland kann sich über Weihnachtsgeld freuen. Wer dabei wie viel Geld zusätzlich bekommt, hängt von Branche, Region und Arbeitsvertrag ab. Unter den Beschäftigten, in deren Betrieb ein Tarifvertrag gilt, erhalten in diesem Jahr 72 Prozent Weihnachtsgeld. Ohne Tarifvertrag sind es nur 42 Prozent. Ohne eine besondere Rechtsgrundlage gibt es keinen Anspruch auf Weihnachtsgeld. Ansprüche ergeben sich aus dem Tarifvertrag, dem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung.

Aus einer sogenannten betrieblichen Übung lässt sich ebenfalls ein Anspruch auf die Zuwendung ableiten: Dann müssen Arbeitnehmer mindestens dreimal Weihnachtsgeld ohne Vorbehalt überwiesen bekommen haben. Der Arbeitgeber kann das verhindern, indem er jedem einzelnen Arbeitnehmer gegenüber schriftlich erklärt, dass es sich um eine einmalige Leistung handelt und sich daraus kein Anspruch für die Zukunft ergibt. Auch aus dem Gleichbehandlungsgrundsatz kann ein Arbeitnehmer eventuell einen Anspruch ableiten, wenn er beim Weihnachtsgeld ungleich behandelt wurde.

Chef kann Betrag neu festlegen

Die Höhe des Weihnachtsgelds ist meist vertraglich klar geregelt. Der Arbeitgeber überweist entweder einen im Vertrag festgelegten Pauschalbetrag oder einen prozentualen Anteil vom Monatslohn. Es kann aber auch sein, dass der Arbeitgeber jedes Jahr neu entscheidet, was er zahlen will. Damit ist hinreichend deutlich, dass der Anspruch auf Weihnachtsgeld besteht.

Versäumt es der Arbeitgeber in einer solchen Konstellation einmal, die Höhe des Weihnachtsgelds festzulegen, kann der Arbeitnehmer das Arbeitsgericht anrufen. Dieses setzt dann die Höhe fest. Ist dagegen die Freiwilligkeit des Arbeitgebers klar und deutlich im Arbeitsvertrag formuliert, ist der Arbeitgeber berechtigt, die Zahlung zu verweigern oder im Vergleich zu den vergangenen Jahren zu kürzen.

Ob dem Arbeitnehmer ein Anteil vom Weihnachtsgeld zusteht, wenn er schon vor Weihnachten aus dem Betrieb ausscheidet, hängt vom Vertrag und vom Charakter der Weihnachtsgeldzahlung ab, ob der Arbeitgeber die im Jahr geleistete Arbeit mit dem Weihnachtsgeld zusätzlich vergüten will.

Sollte durch das Weihnachtsgeld allein die Betriebstreue honoriert werden, ist eine Stichtagsregelung erlaubt. So bekommt zum Beispiel ein Angestellter kein Weihnachtsgeld, weil er am 31. Oktober nicht mehr im Unternehmen war. Es ist dabei unerheblich, ob der Arbeitnehmer oder Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis gekündigt hat.