Wer gerade erfahren hat, dass ein Kind unterwegs ist, macht sich über hundert Dinge Gedanken. Welche Untersuchungen sind  wichtig? Wird es ein Junge oder ein Mädchen? Wie soll es heißen?  Die Überlegung, was der Familienzuwachs finanziell bedeutet, steht dabei sicher nicht  an erster Stelle. Doch werdende Eltern sollten nicht zu lange warten, um sich mit dieser Frage zu befassen – denn beim Elterngeld kommt es auch auf den richtigen Zeitpunkt an.

Das Elterngeld soll den Gehaltsverlust auffangen, der entsteht, wenn sich Mütter oder Väter entscheiden, nach der Geburt zunächst zu Hause zu bleiben, um ihr Kind selbst zu betreuen. Grundsätzlich steht den Eltern gemeinsam insgesamt 14 Monate lang Elterngeld zu – wenn sich Mutter wie auch Vater an der Betreuung beteiligen. Neben der klassischen Elterngeldregelung gibt es allerdings noch andere Varianten – und ein paar Tricks, wie Sie dabei möglichst viel für sich herausholen.

Elterngeld oder Elterngeld Plus

Die 14 Monate können Eltern  flexibel untereinander aufteilen. Jeweils ein Elternteil muss dabei aber mindestens zwei und kann höchstens zwölf Monate in Anspruch nehmen. Seit Juli 2015 gibt es außerdem das Elterngeld Plus – es soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärken und  Väter und Mütter unterstützen, die schon während der Zeit, in der sie Elterngeld beziehen, wieder in Teilzeit arbeiten wollen. Wer bis zu 30 Wochenstunden arbeitet, kann das Elterngeld Plus doppelt solange beziehen, wie das klassische Elterngeld – allerdings ist die monatliche Summe dann nur maximal halb so hoch wie bei der klassischen Variante. Eltern können auch beide Formen kombinieren: So kann die  Mutter  beispielsweise die ersten sechs Monate zu Hause bleiben und Elterngeld beziehen und danach zur Variante Teilzeit und Elterngeld Plus übergehen.

Übrigens: Elternzeit sollte entsprechend den Lebensmonaten des Kindes genommen werden, also nicht etwa ab dem nächsten vollen Monat. Kommt das Kind zum Beispiel am 16. April zur Welt, sollten Sie das Geld nicht erst ab Mai beantragen – sonst wird das Einkommen vom 16. April bis Ende April auf das Elterngeld angerechnet.

Verheiratete Paare

Da sich die Höhe des Elterngeldes nach dem Nettogehalt bemisst, lohnt es sich für verheiratete Paare unter Umständen, vor der Geburt des Kindes die Steuerklasse zu wechseln.

Grundsätzlich gilt: Derjenige Elternteil, der nach der Geburt zu Hause bleibt und Elterngeld beziehen wird, sollte in eine für ihn günstige Steuerklasse wechseln. Da in vielen Ehen der Mann immer noch mehr verdient, wählen die Ehemänner häufig die Steuerklasse III, Frauen Steuerklasse V. Diese Kombination ist für die Haushaltskasse steuerlich gesehen günstig. Erwartet ein Ehepaar allerdings ein Kind, sollte derjenige, der nach der Geburt die längste Zeit das Kind betreut, so früh wie möglich in die Steuerklasse III wechseln, um möglichst viel Elterngeld zu beziehen.

Tatsächlich kommt es dabei auf das Timing an, sagt Udo Reuß, Steuerredakteur bei Finanztip.de: Wird die Mutter überwiegend das Elterngeld beziehen, so muss der Antrag auf den Wechsel in die Steuerklasse III spätestens sieben Monate vor dem Monat gestellt werden, in dem der Mutterschutz beginnt. Das heißt, dass Mütter de facto achteinhalb Monate vor der Geburt die Steuerklasse wechseln sollten. „Am besten handeln Sie, sobald Sie von der Schwangerschaft erfahren“, rät Reuß. Der Wechsel ist ab dem Folgemonat wirksam. Verdient die Frau weniger als ihr Mann, steht dem Paar in den Monaten vor der Geburt dann zwar netto weniger Geld zur Verfügung, „über die Steuererklärung können Sie den Verlust aber wieder ausgleichen“, so Reuß. Die Regel gilt natürlich auch, wenn Väter das Elterngeld beziehen – sie müssen spätestens sieben Monate vor der Geburt des Kindes wechseln, da in diesem Fall der Mutterschutz wegfällt.

Sonderfall Provisionszahlungen

Was für die Berechnung des Elterngeldes als Nettoeinkommen gilt, wird nach besonderen elterngeldrechtlichen Vorgaben ermittelt. Steuerfreie Einnahmen oder Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld werden dabei nicht berücksichtigt. Ein Sonderfall ergibt sich bei Provisionszahlungen: In einem Urteil vom 13. Dezember letzten Jahres (Az: L11 EG 1557/16) gab das Landessozialgericht Baden-Württemberg einer Mutter recht, die gegen die Berechnung des ihr zustehenden Elterngeldes geklagt hatte. Die junge Frau bekam in ihrem Job als Junior Online-Marketing-Managerin neben ihrem monatlichen Festgehalt einmal im Quartal eine leistungsbezogene Provision.  Für die Berechnung ihres Elterngeldes wurde die jedoch nicht berücksichtigt; die Elterngeldstelle verbuchte sie nach lohnsteuerrechtlichen Gesichtspunkten unter „sonstige Bezüge“, die für die Berechnung des Elterngeldes keine Rolle spielten. Dagegen wehrte sich die Klägerin mit der Begründung, es handele sich um einen festen Bestandteil ihres Gehalts. Zu Recht, entschied das Gericht. Die Zahlungen seien als „laufender Arbeitslohn“ zu behandeln.

Wer sich in einer ähnlichen Position befindet, kann sich einstweilen auf das Urteil berufen. „Das gilt allerdings nur für Eltern, die jetzt Elterngeld beantragen wollen, also nicht rückwirkend für frühere Fälle“, sagt Dennis Aydin, Fachanwalt für Sozialrecht in Düsseldorf. Damit Provisionszahlungen aber als Erwerbseinkommen berücksichtigt würden, müssten diese wirklich regelmäßig erfolgen. „Es kann sich lohnen, bei Provisionszahlungen einen anderen Rhythmus zu vereinbaren“, so Aydin. Wer also die Wahl hat, lässt sich das Geld zum Beispiel lieber alle drei Monate auszahlen, statt einmal im Jahr. Wenn sich so das Nettoeinkommen steigern lässt, erhöht sich auch die Summe des Elterngeldes.

Zumindest im Augenblick: Gegen das Urteil wurde Revision zugelassen, das entsprechende Verfahren ist vor dem Bundessozialgericht anhängig (Az: B10 EG 4/17R). Bis es zu einer endgültigen Entscheidung kommt, können allerdings Jahre vergehen.