Eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft SunExpress rollt am Flughafen Stuttgart zur Startbahn.
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BerlinDer Lufthansa-Konzern schließt laut einem Bericht der dpa wegen der Corona-Flaute den Flugbetrieb der Beteiligung SunExpress Deutschland mit rund 1200 Mitarbeitern. Die verbleibenden Flüge sollen von der türkischen Schwestergesellschaft, Eurowings und anderen Airlines abgewickelt werden, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Kunden würden automatisch umgebucht.

SunExpress ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Lufthansa mit Turkish Airlines mit zwei getrennten Flugbetrieben. Die in Frankfurt beheimatete SunExpress Deutschland ist mit 20 Flugzeugen eine Gesellschaft der türkischen SunExpress, die insgesamt 69 Flieger betreibt.

Der Flugbetrieb werde in Kürze eingestellt und ein geordneter Liquidationsprozess eingeleitet, hieß es in einer Mitteilung. In den kommenden Wochen sollten Lösungen in vertrauensvollen Gesprächen mit unseren Mitarbeitern und Sozialpartnern erarbeitet werden. Zuvor hatte Lufthansa bereits das Ende der Tochtergesellschaft Germanwings verkündet, ohne vorher die Sozialpartner zu konsultieren. In Köln geht es um 30 Flugzeuge und rund 1400 Beschäftigte. Die Marke werde auf Flüge aus der Region Deutschland, Österreich, Schweiz in die Türkei konzentriert. Weitere Ziele im Mittelmeerraum fallen damit vorerst weg.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die SunExpress hart getroffen. Im Zeitraum zwischen dem 2. April und dem 31. Mai stand nahezu die gesamte Flotte am Boden. Seit dem 1. Juni hat SunExpress innertürkische und seit dem 10. Juni auch internationale Flüge in türkische Urlaubsregionen sukzessive wieder aufgenommen.

Lufthansa steht mit zwei Gewerkschaften kurz vor Einigung über Einsparungen

Zwei Tage vor der entscheidenden Hauptversammlung am Donnerstag dauerten auf Konzernebene die Verhandlungen mit den Gewerkschaften über mögliche Sparbeiträge der Belegschaft an. Die Kabinengewerkschaft Ufo sieht die Parteien auf einem guten Weg, sich noch vor der Versammlung zu einigen und ein wichtiges Signal zu setzen. Der bereits erreichte gute Verhandlungsstand müsse in den andauernden Gesprächen noch verschriftlicht werden, erklärte Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies.

Ziel der Gewerkschaft sei ein Beschäftigungsschutz über vier Jahre, sagte Baublies. Um Personalkosten abzubauen werde über Abfindungen, Vorruhestand und kollektive Einsparungen bei den Flugbegleitern gesprochen. Diese beträfen eher Zulagen und Arbeitszeitregelungen als die Grundgehälter.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat nach eigenen Angaben einen Sparbeitrag von rund 350 Millionen Euro vorgeschlagen, was in der Spitze zu Gehaltseinbußen von bis zu 45 Prozent führe. Die für das Bodenpersonal zuständige Gewerkschaft Verdi hatte bereits am Montag klar gemacht, dass sie erst am Freitag und damit nach der Hauptversammlung weiter verhandeln will.

Zustimmung für Kapitalbeteiligung steht weiter aus

Der von der Corona-Krise hart getroffene Konzern mit weltweit rund 138.000 Beschäftigten hat wegen der dauerhaft geringeren Nachfrage den Personalüberhang auf 22.000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11.000 Stellen auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen Maßnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Das sind zum Beispiel ausgeweitete Teilzeitmodelle und der Verzicht auf Gehaltssteigerungen und Zulagen.

Lufthansa hatte ursprünglich für Montag den Abschluss der Gespräche angekündigt. Auf der Hauptversammlung entscheiden die Aktionäre über eine Kapitalbeteiligung des Bundes. Sie ist Teil eines 9 Milliarden Euro schweren Pakets zur Rettung des Luftverkehrskonzerns vor der Zahlungsunfähigkeit.

Die Zustimmung der Aktionäre gilt aber als fraglich, weil der größte Einzelaktionär, Heinz Herrmann Thiele, massive Kritik an der Staatsbeteiligung geäußert hat. Mit seinem Anteil von mindestens 15,5 Prozent könnte der Milliardär den Staatseinstieg blockieren, so dass eine Insolvenz wahrscheinlicher würde. Lufthansa hat sich nach Angaben ihres Chefs Carsten Spohr auch auf dieses Szenario vorbereitet.