Gut sechs Prozent aller Fluggäste in Deutschland starten oder landen einer Auswertung zufolge deutlich verspätet. Von täglich rund 550.000 Passagieren müssten im Schnitt rund 33.000 mehr als 30 Minuten Verspätung in Kauf nehmen, erklärte die Bundestagsfraktion der Grünen am Freitag auf Grundlage einer Analyse für die größten deutschen Flughäfen. Flugreisende müssten daher viel besser über ihre Rechte aufgeklärt werden.

„Verspätungen über 30 Minuten reichen häufig schon aus, um Anschlussverbindungen zu verpassen, und lösen bei den Verbrauchern damit neben viel Ärger auch größere finanzielle Belastungen aus“, erklärte der Sprecher der Grünen für Tourismuspolitik, Markus Tressel. Die Bundestagsfraktion wertete Daten der Firma EU-Claim für die vier größten deutschen Flughäfen Frankfurt am Main, München, Düsseldorf und Berlin-Tegel aus, über die rund 70 Prozent des deutschen Flugverkehrs abgewickelt werden. Laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) starten oder landen täglich 550.000 Passagiere auf deutschen Flughäfen.

Auf den vier größten Flughäfen hoben im vergangenen Jahr bei insgesamt mehr als 625.000 Starts knapp 31.000 Flieger (4,5 Prozent) mit mehr als halbstündiger Verspätung ab, knapp sieben Prozent von rund 633.000 Maschinen landeten mehr als eine halbe Stunde zu spät. Knapp 2000 Flüge trafen mit mehr als dreistündiger Verspätung ein.

Neue Schlichtungsstellen ab dem 1. November

Mit Ausnahme des Flughafens Düsseldorf wurden mehr verspätete Landungen als verspätete Starts verzeichnet. In Düsseldorf hoben 11,4 Prozent der Maschinen mit Verspätung ab. Massive Verspätungen von mehr als drei Stunden betreffen der Auswertung zufolge deutschlandweit nur 0,3 Prozent der täglichen Passagiere - das seien an die 1500 Fluggäste, erklärten die Grünen.

Bei einer derartigen Verspätung haben Passagiere Ansprüche auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro und andere Leistungsansprüche wie Unterbringung, Verpflegung oder anderweitige Beförderung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung. Tressel kritisierte aber, aufgrund einer verbraucherfeindlichen Informationspolitik der Airlines und hoher juristischer Hürden komme es aber nur in den seltensten Fällen zu Leistungen an die betroffenen Reisenden. Häufig würden Beschwerden sogar wider besseres Wissen von den Airlines abgewiesen, kritisierte der Grünen-Abgeordnete.

Die Bundesregierung müsse die Airlines jetzt in die Pflicht nehmen und bei diesen auf eine schnelle Errichtung einer Schlichtungsstelle drängen, forderte Tressel. Nach einem neuen Gesetz sollen sich Fluggäste nach Verspätungen ab dem 1. November an eine Schlichtungsstelle wenden können.

Ansprüche gegen Fluggesellschaften in Höhe von bis zu 5000 Euro sollen dann schnell und unbürokratisch durchgesetzt und langwierige Gerichtsverfahren vermieden werden. Kommt es dennoch nicht zu einer Einigung, steht immer noch der Klageweg offen. Die Firma EU-Claim bietet Reisenden an, gegen eine Gebühr Ansprüche auf Entschädigung zu erkämpfen. (AFP)