So ist es schon mal nicht richtig: Für einen dauerhaften Arbeitsplatz zu Hause muss der Monitor von der Tastatur getrennt sein.
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Was für viele lange nur ein Wunsch oder eine Möglichkeit war, ist mit der Corona-Krise Wirklichkeit geworden: das Arbeiten im Homeoffice. Doch wie verändert es die Arbeitswelt? Wird es zum generellen Modell der Zukunft? Mit solchen Fragen befassen sich Forscher wie Nils Backhaus von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund.

Wie Backhaus berichtet, hatten vor der Corona-Krise etwa 16 Prozent der Beschäftigten in Deutschland eine sogenannte Telearbeitsvereinbarung, weitere Beschäftigte arbeiteten auch ohne solche Regelung teilweise zu Hause. Im April habe man dann einen überdeutlichen Anstieg der Leute gesehen, die im Homeoffice arbeiten, sagt Nils Backhaus. Die Zahlen schwanken: Internationale Daten gehen von 39 Prozent aus, das deutsche Sozio-ökonomische Panel (SOEP) nennt etwa 35 Prozent. Mit fortschreitender Dauer der Krise nehme das aber wieder ab, sagt Backhaus. 

Zu den grundlegenden Veränderungen gehöre, dass die meisten Beschäftigten vorher „so ein bis zwei Tage pro Woche“ von zu Hause aus gearbeitet hätten, wie Backhaus sagt. Durch Corona seien es aber für alle Vollzeit-Beschäftigten plötzlich fünf Tage geworden. Außerdem hätten nicht mehr nur bestimmte Gruppen zu Hause gearbeitet, etwa Eltern oder jüngere Beschäftigte, sondern alle Generationen, sagt Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen.

Eine gerade veröffentlichte Umfrage hat ergeben, dass 42 Prozent von etwa 500 befragten Unternehmen bereits beschlossen haben, nach der Corona-Krise die Möglichkeiten des Homeoffice auszuweiten. Ein ebenso großer Anteil war noch unentschlossen. Zurück zu weniger Homeoffice will aber kaum ein Unternehmen. Die Umfrage wurde vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung durchgeführt.

Eine völlige Umstellung auf Homeoffice halten Experten für keine gute Idee. Jutta Rump nennt ein 25 Jahre altes Beispiel einer Versicherung in Münster: Dort wurde aus Kostengründen die Hälfte der Beschäftigten in die Telearbeit geschickt. Nach rund zweieinhalb Jahren habe man festgestellt, dass Kommunikationsketten abgerissen waren und der Zusammenhalt unter den Mitarbeitern gelitten hatte, samt der Loyalität gegenüber dem Unternehmen. Zwar sind die Kommunikationswege in 25 Jahren vielfältiger geworden. Dennoch zeigt auch eine Umfrage des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT) in Sankt Augustin, dass die Kontaktpersonen in der Corona-Krise weniger geworden sind. Hatten die mehr als 2000 Teilnehmer vorher noch Kontakte zu durchschnittlich 10 bis 15 Kollegen, waren es im Homeoffice nur noch 5 bis 9. Laut Umfrage vermissen 85 Prozent der Befragten den persönlichen und 66 Prozent den fachlichen Austausch.

Hinzu kommen gesundheitliche Risiken, wenn man dauerhaft am Küchentisch oder gar auf der Couch arbeitet. Für richtige Arbeitsplätze gebe es Vorgaben, sagt Nils Backhaus: etwa dass der Monitor von der Tastatur getrennt sein müsse – was bei einem Laptop nicht gegeben sei. Auch einen höhenverstellbaren Stuhl mit hoher Lehne und einen Schreibtisch hat nicht jeder. „Nach Möglichkeit sollte der Arbeitsplatz zu Hause genauso aufgebaut sein wie im Betrieb“, sagt Backhaus. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung mache Vorgaben dazu, wie ein Arbeitsplatz ausgestattet sein sollte. Wenn diese Richtlinien nicht eingehalten werden, drohen etwa Verspannungen, Rückenschmerzen und Sehnenscheidenentzündungen.

Die Personalmanagement-Expertin Jutta Rump glaubt, auch wenn sich das Modell aus 100 Prozent Homeoffice vielleicht nicht durchsetzen werde, Mischformen würden es bestimmt. Sie sagt: „Wir werden nicht mehr in die alte Welt zurückgehen.“ (dpa/fwt)