Emmanuel Macron. 
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ParisDie französische Wirtschaft ist im zweiten Quartal wegen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie noch stärker abgestürzt als die deutsche. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von April bis Juni um 13,8 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt Insee am Freitag in Paris mitteilte. Konsum, Außenhandel und Investitionen brachen ein. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten sogar mit einem Minus von 15,2 Prozent gerechnet. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft brach im Frühjahr um 10,1 Prozent ein.

Der landesweite Lockdown zur Eindämmung der Pandemie hatte weite Teile der französischen Wirtschaft lahmgelegt: Geschäfte und Hotels mussten bis zum 11. Mai schließen. Cafès und Restaurants durften erst ab dem 2. Juni wieder aufmachen. Für das Gesamtjahr rechnet die französische Notenbank mit einem Einbruch von zehn Prozent. „Hoffentlich erreichen wir Anfang 2022 wieder ein Niveau, das wir vor Covid hatten“, sagte Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau. Wegen steigender Infektionszahlen hat Frankreichs Regierung den örtlichen Behörden mehr Spielraum bei der Maskenpflicht gegeben. Um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen, könnten die Präfekturen nun die Maskenpflicht auf öffentliche Plätze ausdehnen, erklärte Gesundheitsminister Olivier Véran am Freitag.

Diese Entscheidung könne vor Ort je nach Gesundheitslage getroffen werden. Die Präfektur von Lille reagierte sofort und kündigte für die Stadt eine Maskenpflicht etwa in der Fußgängerzone an. Auch auf Parkplätzen an Einkaufszentren oder in Parks ist die Maske verpflichtend. Eigentlich sind in Frankreich Masken nur in geschlossenen Räumen mit Publikumsverkehr Pflicht. Das sind zum Beispiel Geschäfte, Restaurants und Behörden. Auch in öffentlichen Verkehrsmitteln müssen die Menschen eine Corona-Schutzmaske tragen. Einige Städte – etwa in der Bretagne – hatten bereits zuvor eigenmächtig eine Maskenpflicht an der frischen Luft eingeführt.

Andere Orte wie zum Beispiel die Hafenstadt Quiberon haben den Zugang zum Strand eingeschränkt. Abends und in der Nacht ist dieser nicht mehr zugänglich. Auf der Halbinsel in der Bretagne hatten Behörden zuletzt sehr viele Fälle identifiziert. Verantwortliche auch in anderen Badeorten wie Sables-d’Olonne oder Biarritz an der Atlantikküste hatten moniert, dass sich an den Stränden abends junge Menschen in großen Gruppen treffen würden. In Frankreich steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen seit einigen Wochen wieder leicht. Die Gesundheitsbehörden rufen immer wieder zur Vorsicht auf. Am Pariser Seinevergnügen Paris Plages können sich Besucher zum Beispiel kostenlos mit einem Schnelltest auf Corona testen lassen. Mit mehr als 30.000 Toten ist Frankreich schwer von der Corona-Pandemie getroffen. (AFP, dpa, Reuters)