Berlin - In den Führungsgremien deutscher Konzerne bleiben die Männer weitgehend unter sich – und viele Unternehmen finden es offenkundig sogar unproblematisch, dass kaum Frauen den Sprung nach ganz oben schaffen. Das legt eine neue Untersuchung der Allbright-Stiftung nahe.

Demnach sind bei den 160 börsennotierten Unternehmen hierzulande nicht einmal zehn Prozent der Vorstandsposten von Frauen besetzt. Ein Blick auf den Stand der Dinge.

Was wurde im Rahmen der Studie untersucht?

Die Allbright-Stiftung, die sich für mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft einsetzt, untersuchte, wie sich der Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten der 160 börsennotierten Unternehmen in Deutschland entwickelt. Außerdem schauten sich die Autoren an, welche Ziele sich die Unternehmen selbst zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen gesetzt haben.

Aufgrund einer gesetzlichen Neuregelung sind börsennotierte und mitbestimmte Firmen verpflichtet, hier regelmäßig Zielgrößen festzulegen. Zum ersten Mal musste dies bis Ende September vergangenen Jahres mit Blick auf den 30. Juni 2017 geschehen. Außerdem schreibt das Gesetz von Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) vor, dass in den Aufsichtsräten von börsennotierten Gesellschaften nach und nach ein Frauenanteil von mindestens 30 Prozent erreicht werden muss.

Wie hoch ist der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten?

Bei den Vorständen beträgt er 6,5 Prozent und bei den Aufsichtsräten rund 26 Prozent. Unter den 160 börsennotierten Unternehmen kommen die Dax-Konzerne in den Vorständen auf eine Frauenquote von knapp elf Prozent. Am Schlechtesten sieht es bei den Unternehmen des Technologiewerte-Index TecDax aus: Dort werden nicht einmal drei Prozent der Stellen im obersten Management von Frauen besetzt. Bei einem einzigen Börsenunternehmen – nämlich dem Fernsehkonzern RTL – ist eine Frau Vorstandsvorsitzende.

Etliche gelistete Firmen haben keine einzige Frau im Vorstand. Dazu zählten den Angaben zufolge Fielmann, Fresenius, Eon, RWE, Adidas und ThyssenKrupp. Bei einigen wenigen Konzernen haben es immerhin schon zwei Frauen in den Vorstand geschafft – unter anderem bei Siemens, der Deutschen Bank und der Allianz. Insgesamt gibt es bei den börsennotierten Unternehmen 631 Vorstandsposten. 44 davon waren zum Stichtag 1. September mit Frauen besetzt – sieben mehr als vor einem Jahr.

Warum sind überhaupt mehr Frauen in Führungspositionen wünschenswert?

Es geht hier um grundsätzliche Fragen wie Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Teilhabe und Aufstiegschancen. Die Allbright-Stiftung betont überdies: „Mehr Frauen in der Führungsriege sind gut fürs Geschäft. Gut gemischte Teams entscheiden profitabler und weniger riskant und sie können mit ihrem breiteren Erfahrungshintergrund besser und flexibler auf die schnellen Veränderungen unserer Zeit reagieren.“ Auch Kunden, Mitarbeiter und Auftraggeber blickten verstärkt auf die Zusammensetzung der Führungsmannschaft.