Fresenius: Helios wird Europas größer Klinik-Konzern

Jetzt haben Eugen Münch und Ulf Schneider ihr Ziel doch noch erreicht. Die beiden Manager formen Europas größten privaten Krankenhausbetreiber namens Helios mit 117 Hospitälern. Zugleich soll das den Durchbruch für ein neues Geschäftsmodell mit einer Zusatzversicherung bringen.

Münch ist Gründer und Aufsichtsratschef der Firma Rhön-Klinikum. Schneider steht an der Spitze des Medizinkonzerns Fresenius. Es ist eine Art Lebenstraum von Münch, einen in Deutschland flächendeckenden Klinikbetreiber zu schaffen.

Lange suchte er einen Partner, er fand ihn in Bad Homburg. Dort ist Fresenius zu Hause. Zu dem Konzern gehören auch 74 Helios-Krankenhäuser. 2012 sollte der Verkauf von Rhön an Fresenius über die Bühne gehen. Doch dann stiegen der Rivale Asklepios und der Medizintechnik-Konzern B. Braun Melsungen als Großaktionäre bei Rhön ein und verhinderten die Veräußerung. Das Motiv der beiden Firmen: Sie wollten das Entstehen eines großen privaten Klinikbetreibers verhindern, der Asklepios Patienten abspenstig machen und Preise für B. Braun-Produkte drücken könnte.

Monatelang schienen sich die Kontrahenten zu blockieren. Dabei heckten Juristen und Manager von Rhön und Fresenius längst einen Coup aus: Fresenius kauft nicht das gesamte Unternehmen Rhön-Klinikum, sondern nur 43 Krankenhäuser und 15 medizinische Versorgungszentren – für gut drei Milliarden Euro. Dieses Geschäft kann an den beiden Großaktionären vorbei durchgezogen werden.

Münchs Idee vom flächendeckenden Anbieter will Fresenius nun umsetzen: „In Zukunft wird die Mehrheit der Menschen in Deutschland binnen einer Stunde eine Helios-Klinik erreichen können“, erklärten die Bad Homburger am Freitag. Damit kann auch die Idee mit der Zusatzversicherung volle Wirkung entfalten. Wer sie abschließt, wird künftig in den 117 Krankenhäusern vom gesetzlich Versicherten zum Privatpatienten hochgestuft. Das zielt darauf ab, gegenüber den Konkurrenten Vorteile zu erreichen.

Harter Kampf in der Branche

Der Kampf in der Branche ist hart. Experten schätzen, dass 500 der 2000 deutschen Klinken von der Insolvenz bedroht sind. Alle versuchen, Kosten zu drücken. Als Medizin empfehlen Berater auch, effizienter beim Einsatz des Personals zu werden. Das gilt besonders für private Hospitäler, die Gewinne erwirtschaften sollen. Im Fall von Fresenius-Helios kommt nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi hinzu, dass auch noch die Ausgaben für die Übernahme der Rhön-Standorte erwirtschaftet werden müssen. „Das bedeutet höhere Arbeitsverdichtung und mehr Druck auf die Löhne“, so Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler.

In Berlin gehören zu Fresenius-Helios das Emil-von-Behring-Krankenhaus in Zehlendorf und das Klinikum in Buch. Auch Rainer Stein, Konzernbetriebsratsvorsitzender und Chef der Arbeitnehmervertreter in Buch, erwartet von der Übernahme „nichts Gutes“. „Ich befürchte Einsparungen bei den Personal- und Sachkosten.“ Seit Helios 2001 die Klinik in Buch übernommen habe, sei Personal abgebaut worden. Die Mitarbeiter stünden unter dem Druck, eine hohe Umsatzrendite zu erwirtschaften. Die Vorgabe der Geschäftsführung beträgt nach Informationen der Berliner Zeitung 15 Prozent. Ärzte kritisierten immer wieder, dass bei Helios der Gewinn wichtiger als die Patienten sei.

Und wie geht es mit Rhön weiter? Der Konzern wird zerschlagen, will sich künftig auf Krankenhäuser spezialisieren, an denen „Spitzenmedizin“ und universitäre Forschung betrieben wird.

Die Wettbewerbshüter müssen den Deal noch prüfen. Fresenius erwartet keine Probleme, der neue Krankenhausbetreiber kommt auf einen Marktanteil von sechs bis sieben Prozent. In Deutschland steht noch fast jedes zweite Krankenhausbett in einer Klinik, die der öffentlichen Hand gehört.