Monat für Monat fressen Versicherungsbeiträge Löcher ins Portemonnaie. Obwohl die Versichgerungsleistungen ja zumeist nicht in Anspruch genommen werden. Dies ist zwar auf der einen Seite positiv für den Kunden – würde es ansonsten ja bedeuten, dass etwas zu Schaden gekommen ist. Auf der anderen Seite ist es natürlich sehr ärgerlich, Beiträge zu zahlen, ohne einen direkten Nutzen davon zu haben. Immerhin: Manche Versicherer gewähren Kunden, die die Leistungen über einen längeren Zeitraum nicht in Anspruch nehmen,  einen Schadensfreiheitsbonus. Hier sind die Bedingungen allerdings für den Kunden schwer zu erfüllen.

Es gibt aber eine Alternative: Einige Dienstleister haben sich darauf spezialisiert, Kunden in Gruppen zusammenzustellen, um dadurch bessere Konditionen mit den Versicherungsunternehmen auszuhandeln. Wenn es gut läuft, erhalten die Versicherten dann einen Teil der eingezahlten Beiträge später zurückerstattet.

Das Friendsurance-Modell 

So funktioniert’s: Der Dienstleister Friendsurance hat hierfür ein spezielles Modell entwickelt.  Gemeinsam mit dem Versicherungsunternehmen schreibt Friendsurance in den Vertrag eine Selbstbeteiligung oder erhöht sie, wenn bereits eine vorhanden ist. Die höhere Selbstbeteiligung führt für den einzelnen Versicherten zu einem niedrigeren Versicherungsbeitrag. Die Differenz zwischen dem alten und dem neuen Beitrag fließt in einen Gruppentopf. Aus diesem Topf werden kleinere Schäden beglichen, so dass die eigentliche Versicherung seltener greifen muss. Erst wenn das Geld aus dem Topf aufgebraucht ist, wird die eigentliche Versicherung beansprucht.

Bleibt aus diesen ausgelagerten Beiträgen etwas übrig, werden die Gelder gleichsam auf alle Schultern der Gruppe als Bonus jährlich wieder ausgezahlt.
Friendsurance wirbt damit, wie ein Social Network á la Facebook Leute zusammenzubringen – im Versicherungsbereich.  Hinter dem Namen steht das Maklerunternehmen Alecto. Es handelt  günstige Konditionen  für bestehende und neue Kfz, private Haftpflicht-, Hausrat- und Rechtsschutzsversicherung aus. Kooperationen bestehen  mit 70 Versicherungsunternehmen, wie AXA, Barmenia oder R+V.
„Bei uns muss der Versicherte die Selbstbeteiligung  im Schadensfall nicht alleine tragen“, erläutert Tim Kunde, Gründer und Geschäftsführer von Friendsurance das Prinzip der Gruppenversicherung.  „Die Selbstbeteiligung wird auf mehrere Schultern verteilt.“

Gruppen bis zu zehn Personen

Sich zusammenschließen: Die Gruppen haben in der Regel eine Größe von zehn Personen. Friendsurance verbindet die Versicherten automatisch miteinander. Alternativ können sich Gruppen auch selbst finden und dann an Friendsurance wenden. „Einzige Voraussetzung ist, dass alle Gruppenmitglieder dieselbe Versicherungsart haben. Die kann aber von verschiedenen Anbietern sein und unterschiedliche Leistungen umfassen“, erklärt Tim Kunde.

Bislang hätten 80  Prozent der Nutzer Beiträge zurückbekommen, sagt Kunde. „Im Sachversicherungsbereich betrug die durchschnittliche Rückzahlung ein Drittel der eingezahlten Beiträge.“  
Ein Grund, warum die Boni dank Friendsurance so hoch ausfallen: Ihre Versicherten melden im Schnitt ein Drittel weniger Schäden als die übrigen Kunden. Das Start-up erklärt das so: „Der Kunde bekommt eine wahrnehmbare Gegenleistung für faires und umsichtiges Verhalten. Das schafft positive Anreize gegen Versicherungsbetrug und senkt dadurch die Schadensfrequenzen.“ Auch die Gruppe kann ein psychologischer Aspekt sein, durch den die Hemmschwelle erhöht wird, zu betrügen.  

Passgenaue Gruppe finden: Doch was passiert, wenn die Schadenslast in einer Gruppe ungleich verteilt ist und einer wiederholt für den anderen aufkommen muss, obwohl er selbst das Jahr über schadenfrei geblieben ist? Generell sitzen erst einmal alle in einem Boot: „Gibt es Schäden, mindert sich der Rückzahlungsbetrag für alle Gruppenmitglieder zu gleichen Teilen. Im schlimmsten Fall bekommen die Mitglieder in einem Jahr keine Beitragsrückzahlung, weil zu viele Schäden entstanden sind, zahlen aber nicht mehr als vorher“, sagt Kunde. Die Gruppen können allerdings auch jeweils zum Monatsende verändert werden, wenn sich  jemand ungleich vertreten fühlt.

Bislang Konkurrenzlos

Direkt beim Versicherer Schadenfreiheitsrabatte bekommen: Das Prinzip der Gruppenversicherung nennt sich Peer-to-peer, Es gibt aber auch andere Bonusmodelle, die nicht nach diesem Prinzip funktionieren, sondern in den Versicherungstarifen selbst enthalten sind. In der Kfz-Branche und auch bei der privaten Krankenversicherung gibt es solche Modelle beispielsweise schon länger. Im Kfz-Bereich kennt man sie als Schadenfreiheitsrabatte, deren Höhe sich nach der Schadenfreiheitsklasse richtet. Je nach Anzahl der schadenfreien Jahre erhalten Kunden eine entsprechende Einstufung. Bei der Allianz etwa gibt es eine Staffelung von 35 Stufen. Jährlich wird diese neu bemessen. Es kann also auch sein, dass man zurückgestuft wird, sollten mehr Schäden eintreten als im vorigen Jahr.

Der Versicherer Zurich verspricht Bonusleistungen bei Schadenfreiheit ab drei Jahren, allerdings erst unter der Voraussetzung, dass drei Versicherungen beim Unternehmen abgeschlossen wurden. Pro schadenfreiem Jahr erhöht sich dann der Bonus.

In Deutschland ist Friendsurance mit seinem Modell  der Gruppenversicherung bislang konkurrenzlos. Doch in anderen Ländern gibt es vergleichbare Angebote: International haben sich schon rund 18 vergleichbare Unternehmen gegründet, die ebenfalls nach dem Peer-to-peer-Prinzip funktionieren –  unter anderem in Frankreich, Großbritannien, USA und den Niederlanden. „Gaggel“ aus Großbritannien etwa spezialisiert sich ganz auf Handyversicherungen. „Insure a peer“ aus den USA versichert Kfz-Halter und bewirbt das Konzept damit, sich mit Leuten zusammenzuschließen, denen man vertraut.