München - Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer fordert von der nächsten Bundesregierung ein Überdenken der Rente mit 63. „Die Anreize zur Frühverrentung, also eigentlich müssen wir sie wieder über Bord werfen“, sagte Kramer am Dienstag in München. „Wir müssen nicht Anreize schaffen, früher zu gehen, sondern Anreize, die längeres Arbeiten für diejenigen ermöglichen, die das wollen und können.“

Die Rente mit 63 habe dem Arbeitsmarkt aber jetzt schon zwischen 200 000 und 250 000 wertvolle Fachkräfte entzogen. Der Arbeitgeberpräsident räumte gleichzeitig ein, dass eine Änderung politisch schwierig sei.

Kramer begründete seinen Vorschlag mit der Alterung der deutschen Bevölkerung: Bis 2030 würde deswegen die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter um etwa sechs Millionen zurückgehen.

Kramer fordert mehr Ganztagsbetreuung

Um die Auswirkungen des demografischen Wandels auf Wirtschaft und Sozialsysteme abzufedern, präsentierte Kramer bei einer Konferenz der Arbeitgeberverbände einen Katalog von Forderungen. Dazu gehört ein flächendeckender Ausbau der Ganztagsbetreuung, um mehr Frauen Vollzeitjobs zu ermöglichen. Außerdem würden in Deutschland deutlich mehr ausländische Fachkräfte benötigt.

Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) signalisierte in Sachen Rente mit 63 Gesprächsbereitschaft: „Ich sehe auch, dass das Thema Verfügbarkeit von Fachkräften nicht besser geworden ist durch die Rente mit 63.“ Auch das gehöre zur Politik, „dass man sowas vielleicht nochmal überdenken kann.“  (dpa)